Von Martin Hesse, Frankfurt

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geht als Sieger aus den Turbulenzen um seine Vertragsverlängerung hervor, sein Chefkontrolleur Clemens Börsig wirkt gedemütigt.

Es hatte sich etwas zusammengebraut über Frankfurt. Von Tag zu Tag hatte sich die Atmosphäre aufgeladen, in der Stadt und rund um ihre größte Bank. Und als sich die Aktionäre der Deutschen Bank mit vor Hitze glänzenden Gesichtern in langen Reihen vor der Messehalle aufstellten, um zu erfahren, wie ihr Vorstandschef Josef Ackermann und ihr Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Börsig ihren Machtkampf erklären würden, da kam ein Sturm auf. Sogar das Wetter schien von der Unruhe zu künden, die die Bank erfasst hat.

Börsig, Ackermann, Deutsche Bank, Foto: Reuters

Zuständigkeiten geklärt: Deutsche-Bank-Chef Ackermann (vorne) und sein Chefkontrolleur Börsig. (© Foto: Reuters)

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Aber drinnen ist es kühl, die Stimmung kontrolliert. Und man kann zunächst nur an vielen kleinen Dingen ablesen, dass hier etwas aus dem Lot geraten ist. Etwa als Börsig und Ackermann ihre Plätze in der Mitte des Podiums einnehmen. Der Händedruck ist nicht länger als nötig, das Grinsen des Vorstandschefs ist breiter und gelöster als das Lächeln seines Chefkontrolleurs, der eher angespannt wirkt - wie ein Boxer vor dem Kampf.

Kein Typ für die Massenbegeisterung

Natürlich, Börsig war nie ein Typ, der mit seinem Charme die Massen für sich gewinnt. Und er hat den schwierigeren Job heute: Börsig muss als Aufsichtsratschef eine Hauptversammlung leiten, auf der es neben Finanzkrise und Datenaffäre vor allem um ein Thema gehen wird: Wie konnte es sein, dass Börsig sich selbst zum Vorstandschef machen wollte, damit scheiterte und schließlich Ackermann eine weitere Amtszeit antragen musste?

So jedenfalls hatten in den Tagen nach der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am 28. April mehrere Insider den Hergang der Dinge geschildert. Doch einen Monat später in der Frankfurter Festhalle soll den Aktionären eine andere Wahrheit eingepaukt werden. Sehr rasch kommt Börsig nach den einleitenden Formalien zur Sache: "Ich freue mich persönlich sehr, dass Dr. Ackermann bereit ist, die Bank weiter zu führen. Und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit." Und dann lässt Börsig den Aufsichtsratskollegen Tilman Todenhöfer eine kryptische Erklärung verlesen, aus der hervorgehen soll, dass Börsig keinerlei Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz hatte. Explizit steht das so aber nicht in dem einseitigen Text. Die Formulierungen lassen Raum für Interpretationen. Etwa wenn es heißt, der Aufsichtsrat habe es als seine Pflicht angesehen, alle Alternativen, bis hin zur Notwendigkeit, Börsig in die Pflicht zu nehmen, geprüft. Börsig habe aber "im gesamten Prozess keine eigenen Ziele verfolgt".

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum die Aktionäre die Inszenierung der Bank nicht einfach schlucken wollen.

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