Die Klagen der US-Staatsanwälte gegen Banken an der Wall Street mögen nicht immer dem allgemeinen Rechtsempfinden genügen. Doch erst durch sie zeigt sich, wie hanebüchen das Geschäft in den Tagen des Immobilienbooms war.
Fast drei Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ist der Wunsch der Menschen nach einer juristischen Aufarbeitung ungebrochen. Er ist ja auch verständlich: Wenn die Weltwirtschaft fast in den Abgrund gefahren wurde, wenn viele Milliarden Dollar und Euro Steuergeld für die Reparatur der Krisen ausgegeben werden mussten, dann sollte es doch auch möglich sein, Schuldige vor Gericht zu belangen. Doch muten die bisherigen Versuche, die Krise juristisch aufzuarbeiten, eher wie Scharmützel auf Nebenkriegsschauplätzen an. Es gab bisher kein einziges größeres Strafverfahren, dafür einige Zivilverfahren in den Vereinigten Staaten, die meistens mit einem Vergleich enden.
Bild vergrößern
Die US-Staatsanwaltschaft beschuldigt eine Deutsche-Bank-Tochter, die staatliche Wohnungsbehörde FHA über die Qualität von Hypotheken angelogen zu haben, um an die günstige Kreditversicherung der FHA zu kommen. (© REUTERS)
Anzeige
Im seinerzeit sensationellen Verfahren der Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs 2010 ging es im Kern um die Frage, ob Banken auch hochprofessionelle Kunden vor ihrer eigenen Dummheit oder ihrem Unwissen schützen müssen. Eine wichtige Frage, die aber nur am Rande mit dem Ausbruch der Finanzkrise zu tun hat. Am Ende stand ein Vergleich über die Rekordsumme von 550 Millionen Dollar. Dann kam die Politik: Ein Untersuchungsausschuss des Senats wirft unter anderem Goldman Sachs und der Deutschen Bank vor, ihren Kunden wissentlich minderwertige Hypothekenpapiere verkauft zu haben - bisher aber gibt es dazu noch kein Verfahren.
Nun hat es wieder die Deutsche Bank getroffen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Bank, genauer deren Tochter, den Hypothekenfinanzierer MortgageIT, die staatliche Wohnungsbehörde FHA über die Qualität von Hypotheken angelogen zu haben, um an die günstige Kreditversicherung der FHA zu kommen. Erst durch das Qualitätssiegel der FHA hatten die Ramschhypotheken überhaupt eine Chance, verbrieft und weiterverkauft zu werden. Weil die Darlehen, wie zu erwarten, notleidend wurden, musste die FHA (also der amerikanische Steuerzahler) einspringen, um die toxischen Papiere aus der Deutschen Bank in Sicherheit zu bringen. Das ganze könnte man mit "Versicherungsbetrug" übersetzen - eine neue Dimension in einem Wall-Street-Verfahren.
Auf dem Papier geht es um Schadenersatz und Geldbußen, die sich bis zu einer Milliarde Dollar summieren könnten. Diese Summe wird die Deutsche Bank sicher nicht zahlen müssen. Weil niemand Interesse an einem langen und für die Bank rufschädigenden Verfahren hat, dürfte es relativ bald zu einem Vergleich kommen. Die Summe wird dann tragbar, aber durchaus bilanzrelevant sein.
Solche Zivilverfahren an der Wall Street mögen vielleicht dem einfachen Rechtsempfinden nicht genügen, sie haben aber eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Öffentlichkeit: Dank der Dokumente von SEC und Staatsanwälten wird zu Tage gefördert, wie hanebüchen das Geschäft an der Wall Street in den Tagen des Immobilienbooms war.
Warum zum Beispiel kaufte die Deutsche Bank 2007 überhaupt die Firma MortgageIT, die damals schon keinen tadellosen Ruf mehr hatte? Die Staatsanwälte fanden Groteskes über MortgageIT heraus: Als ein Prüfer das Unternehmen auf schwerwiegende Mängel bei der Vergabe der Hypotheken hinweisen wollte, seien dessen Briefe ungeöffnet in Schränken und Schubladen gelandet.
Im Januar 2007 hatte die Bank den Kauf von MortgageIT noch als eine "strategische" Entscheidung gepriesen. Ende 2008 musste sie den größeren Teil des Geschäftes dichtmachen. Heute hat MortgageIT aufgehört zu existieren. Viele der Verstöße geschahen zu einer Zeit, als das beschuldigte Unternehmen noch gar nicht zur Deutschen Bank gehörte. Den Bankern in Frankfurt dürfte dies über ihre Fehlinvestition nicht hinwegtrösten.
Die große juristische Generalabrechnung mit Verantwortlichen der Finanzkrise wird es nicht geben. Aber die Ankläger sind entschlossen, überall dort einzugreifen, wo sie Missbrauch und Betrug sehen. Sie werden auch Verfahren riskieren, bei denen sie Gefahr laufen, vor Gericht zu verlieren. Sie wollen aufklären und aufräumen, je konsequenter desto besser. Strafverfolger sind in den Vereinigten Staaten politischer als in Deutschland. Die Spieler an der Wall Street, nicht nur die Deutsche Bank, tun gut daran, sich auf weitere Überraschungen einzustellen.
- Thema
- Deutsche Bank RSS
- New York US-Justiz verklagt Deutsche Bank 03.05.2011
- Axel Weber Mein rechter Platz ist leer 02.05.2011
- Deutsche-Bank-Chef bei SZ-Führungstreffen Ackermann attackiert deutsche Ermittler 19.11.2011
- Vernehmungen im Kirch-Prozess Altkanzler Schröder soll als Zeuge aussagen 17.11.2011
- Achleitner und Jain Die neue Deutschland AG 16.11.2011
- Deutsche Bank Ein richtiger Schritt 15.11.2011
- Paul Achleitner Dieser Mann soll den Ackermann machen 15.11.2011
(SZ vom 05.05.2011/hgn)
Surfrider Beach in Malibu
Oh mein Gott. Sagen Sie Ihrem Chef bei der Arbeit auch immer, dass Sie sein Geld ohne Einsatz kassieren? Manche haben echt den Schuss nimmer gehört. So daneben kann man mit gesundem Menschenverstand doch gar nicht argumentieren. und da muss man nicht einmal ne Bilanz lesen können. Aber so sind die national konservativen. Genau so. Da hilft nichts mehr, die sind schon weit drüber raus.
.... von der Kanzlerin so hofiert wird und sogar Geburtstagspartys im Kanzleramt gefeiert werden.
Sehr merkelwürdig, armes Deutschland!
Zitat: "eines weiß ich jedenfalls ganz sicher
wenn ich mal Pöbelein erleben will , weiß ich, wo ich fündig werde "
Tut mir leid. Hätte ich gewusst wo sie sozialisiert wurden hätte ich mich zurückgehalten. Mir ist ja Gott sei Dank auch bekannt, das Pöpeleien, Bildungsarmut und ein Mangel an kognitiven Fähigkeiten in bestimmten Kreisen hoch korrelieren. Schön das Ihr Sohn sich sein Geld schon früh mit ehrlicher Arbeit selbst verdient.
Mein Rat an Sie: schwören Sie der neoliberalen Hassreligion doch einfach ab. Ist genauso menschenfeindlich wie islamistischer Extremismus :-)
wenn ich mal Pöbelein erleben will , weiß ich, wo ich fündig werde
q.e.d.
Was also ist Ihr Sohn wert? Ich schätz mal zwischen 100.000 und 1 Million Euro.
Gehen wir vom Durchnitt 550.000 Euro aus, dann war seine Eigenkapitalrendite in diesem Einzelfall ca 0,0025%
Würde er 250 Tage Zeitung austragen, dann wäre sie 0,625%
Was lernen wir daraus: Die Rendite auf Arbeit ist sehr mies, oder die Menschen sind weniger wert. Sagen wir mal 5.000 Euro, dann läge die Rendite bei 17% :-)))
Paging