Es ist schon kurios: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kündigt ausgerechnet an dem Tag seinen Rückzug vom geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat an, an dem bekannt wird, dass gegen ihn wegen Falschaussage ermittelt wird. Es muss da keinen Zusammenhang geben - auf jeden Fall ist es ein guter Tag für die Unternehmenskultur in Deutschland.
Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse ist auffällig: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Noch-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und andere Bankmanager wegen versuchten Prozessbetrugs; in der vergangenen Woche wurden sogar Büros und Privaträume in Frankfurt durchsucht. Das wurde am Montag bekannt. Hintergrund ist die seit Jahren laufende Auseinandersetzung um den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe, die damit weiter eskaliert. Und am selben Tag teilt Ackermann kurz vor Börsenschluss mit, dass er nicht wie geplant in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wechseln werde.
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Ein ehemaliger Konzernchef oder Vorstand soll nicht seinen Nachfolger auf die Finger schauen - das gilt auch für Josef Ackermann. (© Reuters)
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Eigentlich wollte der Schweizer, den viele bei Deutschlands größtem Kreditinstitut für unentbehrlich hielten, nach dem Ende seiner Amtszeit als Konzernchef in das Aufsichtsgremium wechseln und dort später möglicherweise auch den Vorsitz übernehmen; dies wurde in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Dazu wird es nun nicht kommen.
Der Schritt Ackermanns ist richtig und uneingeschränkt zu begrüßen. Denn die Vorschriften zur guten Unternehmensführung, also die sogenannten Corporate-Governance-Regeln, verbieten einen direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat.
Und das aus wohlkalkulierten Gründen. Ein ehemaliger Konzernchef oder Vorstand soll nicht seinen Nachfolger - im Falle Ackermanns sind es sogar zwei neue Chefs - auf die Finger schauen, dabei möglicherweise selbstsüchtig jeden neuen Schritt kritisieren oder sogar wichtige Veränderungen unterbinden. Wie auch immer das alles zusammenhängen mag - dieser Montag wird einmal als ein guter Tag für die Unternehmenskultur in Deutschland in Erinnerung bleiben.
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(SZ vom 15.11.2011/hgn)
" ... die Vorschriften zur guten Unternehmensführung ... "
... haben mit der Entscheidung nichts zu tun. Vielmehr äusserte er,
er habe durch die Ermittlungen gegen ihn nicht genügend Zeit,
um nebenher seine Bewerbung für den AR-Posten vorzubereiten.
Schon schlimm, wenn so ein pingeliger Staat dazwischenfunkt,
wenn man sich auf Kosten des Arbeitgebers voll auf den nächsten Karriereschritt konzentrieren will.
Man sollte für den armen Weltverschlechterer einen Soli-Fond einrichten.
dww