Die Deutsche Bank verlässt sich zu einseitig auf das lukrative Investmentmentbanking. Im Extremfall kann das fatale Folgen haben.
Es kam nicht so schlimm, wie Analysten befürchtet hatten, es ist noch nicht so gut, wie es die Deutsche Bank selber gerne hätte: Der Branchenprimus lieferte am Dienstag ein zwiespältiges Quartalsergebnis ab. Nach den vorher vorgelegten Ergebnissen amerikanischer Investmentbanken hatte sich der Markt auf einiges gefasst gemacht. Das Geschäft mit dem Handel von Aktien, Anleihen und Währungen litt in den vergangenen Monaten stark unter der Krise der europäischen Schuldenstaaten. Dies schlug auch bei der Deutschen Bank ins Kontor, aber es gab eine Reihe von positiven Effekten, die dafür sorgten, dass unter dem Strich noch ein passables Ergebnis stand. Es war sogar höher, als die Analysten vorhergesagt hatten. Und so gehörte die Deutsche Bank an der Börse sogar zu den großen Gewinnern.
Bild vergrößern
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, konzentriert sich zu stark auf das Investmentbanking. (© ap)
Anzeige
Das darf und wird das Kreditinstitut aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein strukturelles Problem mit den neuen Zahlen noch deutlicher zu Tage getreten ist: Das Institut hängt zu stark am Tropf des Investmentbankings. Läuft es dort einmal schlecht, leidet sofort die gesamte Bank, weil die anderen Sparten zu schwach sind. Und Zeiten wie die vergangenen beiden Quartale, als das Investmentbanking boomte, sind eher die Ausnahme als die Regel. Auch in den nächsten Monaten dürfte das Geschäft eher schleppend laufen.
Die Frage aber ist, ob der Deutschen Bank dann noch einmal Sondereffekte helfen, das Gesamtbild aufzuhübschen. Ganz vorsichtig hat Vorstandschef Josef Ackermann sogar sein ehrgeiziges Ziel für 2011 relativiert. Das ist eine Nachricht, die am Dienstag fast unterging. Es ist bei weitem nicht so gut, wie es die Deutsche Bank gerne hätte.
- Thema
- Deutsche Bank RSS
- Deutsche Bank: Quartalszahlen Verdienen, verdienen, verdienen 27.07.2010
- Deutsche Bank: Provisionen Bitte unterschreiben Sie hier! 27.07.2010
- Deutsche-Bank-Chef bei SZ-Führungstreffen Ackermann attackiert deutsche Ermittler 19.11.2011
- Vernehmungen im Kirch-Prozess Altkanzler Schröder soll als Zeuge aussagen 17.11.2011
- Achleitner und Jain Die neue Deutschland AG 16.11.2011
- Deutsche Bank Ein richtiger Schritt 15.11.2011
- Paul Achleitner Dieser Mann soll den Ackermann machen 15.11.2011
(SZ vom 28.07.2010/mel)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Zitat: "Aber zum Glück gibt es ja den Rettungsschirm..."
Ja, das ist so richtig super, dass der durchschnittliche Steuerzahler dafür bürgt, dass Banken weiterhin keine Verantwortung übernehmen müsssen für die Fehlspekulationen, die sie so betreiben. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, da zahlt man als Kulturoptimist doch gerne für.
Zu ihrer naiven Ansicht, die DB würde ihren Hautpgewinn mit regulären Kreditgeschäften machen, muss man nichts mehr sagen. Da ist wirklich ein kompletter Realitätsverlust zu konstatieren.
Der Geisteszustand meiner Mitbürger macht mir immer wieder Angst.
"Das Institut hängt zu stark am Tropf des Investmentbankings. Läuft es dort einmal schlecht, leidet sofort die gesamte Bank, weil die anderen Sparten zu schwach sind."
Erinnert sich noch jemand an die goldenen Zeiten der Deutschen Bank? Jene Zeiten, in denen diese Bank im Investmentbanking ihre Zukunft sah und ihre lästigen Privat- und Geschäftskunden nur noch "mit spitzen Fingern" anfaßte? Jene Zeiten, in denen dieses blöde, personalintensive und wenig lukrative Geschäft in die "Deutsche Bank 24" ausgelagert werden sollte?
Das waren die Zeiten, in denen die Deutsche Bank mich und viele andere als Privat- und Geschäftskunden verloren hat. Und zwar "Auf Nimmerwiedersehen"!
Das Problem ist hausgemacht.
"Und woher kommt das viele Geld, denn wer gibt schon das Liebste freiwillig her oder haben die Banken eine Lizenz zum Gerld drucken."
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Klassiker ist: Du legst als Sparer 10.000€ an und kassierst dafür 3% Zinsen. Dein Nachbar steht 10.000€ im Dispo und zahlt dafür 13% Zinsen. Die Differenz minus Verwaltungskosten ist der Gewinn.
Diesen Gewinn legt die Bank in Firmenbeteiligungen an. Diese Einkünfte minus Verwaltungskosten ist der Gewinn.
Und leider Gottes gibt es immer noch den "Easy Trade"-Teil der Börse, bei dem man mit Teilen des Gewinns "auf Pferde setzt". Man kann, mit etwas Branchenverstand, da durchaus viel, viel Geld verdienen und den haben die meisten Banken ja auch.
Aber es passieren auch unvorhersehbare Dinge, bei denen selbst diese Leute alt aussehen und dann kann die Katastrophe passieren.
Aber zum Glück gibt es ja den Rettungsschirm...
Und woher kommt das viele Geld, denn wer gibt schon das Liebste freiwillig her oder haben die Banken eine Lizenz zum Gerld drucken
Die Deutsche Bank hat in der schlimmsten Krise der letzten Jahrzehnte mehr Gewinn gemacht als alle so sicher und konservativ aufgestellten Sparkassen zusammen!
Sie sollte ihr Portfolio etwas diversifizieren, aber es müsste schon etwas noch Mächtigeres als in den letzten Monaten kommen, um ihr ernsthaft Schaden zuzufügen.
Momentan ist ein guter Zeitpunkt zum Kaufen. Alles ist radikal unterbewertet!