Rabatte für treue Kunden beim Börsengang? Nicht mit der Bahn! Die möchte ihre Aktien bei internationalen Großanlegern platzieren.
Die Deutsche Bahn hat sich bei ihrem anstehenden Börsengang zu einem Schwerpunkt auf institutionelle Investoren bekannt.
(© Foto: dpa)
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Privatanleger bekommen wohl nur einen kleinen Teil der Emission ab. "Wir haben einen deutlichen Fokus auf internationale institutionelle Investoren, 80 bis 90 Prozent der Emission sollen an sie gehen", sagte Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack am Donnerstag in Frankfurt.
Kein Einsatz von Prominenten
Für den Börsengang, bei dem die Bahn 24,9 Prozent ihrer neuen Tochter DB Mobility Logistics (DB ML) an den Markt bringen will, sei weiter der Herbst angestrebt, sagte Sack. Der Zeitplan solle in den kommenden Wochen aufgestellt werden.
Für Privatanleger werde es keine Rabatte geben, auch nicht für treue Bahnkunden. Auch seien keine groß angelegten Werbeaktionen geplant. "Wir machen keine Kampagne mit Prominenten", sagte Sack.
Interessierte Anleger sollten aber durchaus die Möglichkeit zur Zeichnung haben. Für Mitarbeiter werde ein spezielles Programm aufgelegt. Dem schwankenden Marktumfeld glaubt die Bahn trotzen zu können. So gebe es keine Dax-Untergrenze, bei der der Börsengang verschoben würde. "Ich glaube nicht, dass die Finanzmarktkrise etwas mit unserem Geschäft zu tun hat", sagte Sack.
Es gebe genug Investoren, die ihr Geld in Qualität anlegen wollten. Schon vor einigen Wochen hatte es in Medienberichten geheißen, die Bahn wolle nur einen kleinen Teil ihrer Aktien an Kleinanleger abgeben, um ein Imagedebakel wie die Deutsche Telekom mit ihrer T-Aktie zu vermeiden.
Staatsfonds willkommen
Wann die Bahn ihre offizielle Werbetour bei den Investoren startet, wollte Sack noch nicht sagen. Klar sei aber, dass die Reise nicht nur durch Europa, sondern auch in den Nahen Osten, nach Japan und in andere asiatische Länder gehe.
"Auch die russische Bahn und die französische können bei uns investieren, so wie alle anderen auch", sagte der Finanzchef und trat so Überlegungen entgegen, diese Bahngesellschaften könnten schon vor dem Börsengang einsteigen. Mit Blick auf die mögliche Anlegerstruktur sagte Sack, auch vor Hedgefonds und Staatsfonds könne sich die Bahn nicht verschließen, sie sei aber auf langfristig orientierte Anleger bedacht.
Vorstandschef Hartmut Mehdorn sagte in Berlin, bei Kontakten mit Investoren stelle er großes Interesse fest. Trotz der derzeitigen Kapitalmarktschwäche mache er sich keine Sorgen um den Börsengang.
Alles, nur kein Stress
"Wir sind da völlig stressfrei", sagte er. "Wir werden die Aktie zu irgendeinem Zeitpunkt zu irgendeinem Preis anbieten." Dann werde man sehen, wie der Markt reagiere.
Verschleudern werde der Konzern das Aktienpaket aber nicht. "Es ist ja nicht so, dass wir müssen", fügte er hinzu.
Der gesamte Emissionserlös - erwartet werden am Markt rund fünf Milliarden Euro - werde sich voraussichtlich zu einem Drittel aus einer Kapitalerhöhung der DB ML speisen, der Rest seien Altaktien aus dem Bestand des Mutterkonzerns.
Dieser zweite Teil soll zur Hälfte in den Bundeshaushalt gehen und zur anderen Hälfte an das Bundesverkehrsministerium, für Investitionen in die Infrastruktur und etwa in Lärmschutz. "Das ist der aktuelle Diskussionsstand", sagte Sack.
In der Gesellschaft DB ML sind der Personen- und Güterverkehr und das weltweite Logistikgeschäft gebündelt. Die Konzernmutter, die dem Bund gehört, bleibt alleiniger Eigentümer des Schienennetzes, der Bahnhöfe und der Energieversorgung.
Der Erlös für die börsennotierte Tochter wird nach Bahn-Aussagen vornehmlich in die Wachstumssegmente Güterschienenverkehr und Logistik fließen und nicht so sehr in den als stabil, von Konjunkturschwankungen resistenten Personenverkehr. In Osteuropa gebe es jede Menge Möglichkeiten für Kooperationen oder Übernahmen beim Güterschienenverkehr.
Die Logistikbranche sei sehr fragmentiert und eine Konsolidierung stehe bevor. In beiden Bereichen werde die Bahn aktiv teilnehmen - "auch wenn hinter dem Emissionserlös noch keine konkreten Akquisitionsziele stehen."
Für Bahn-Investoren ließ Sack durchblicken, dass sie wohl von Anfang an mit einer Dividende rechnen können. Die Höhe solle "angemessen" sein, sagte er nur.
(sueddeutsche.de/dpa-AFX/hgn/mel)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Vor dem Hintergrund der (damals bereits absehbaren) explodierenden Preise bei Benzin und Diesel ist besonders aufschlussreich, dass ausgerechnet die Sparte Personenverkehr und Güterverkehr teilprivatisiert werden ...
Damit werden ein weiteres Mal gewinnträchtige Sparten privatisiert - während eine kostenintensive Infrastruktur auch weiterhin durch Steuermittel finanziert werden soll !!!
Die Folgen dieser extrem kurzsichtigen, politischen Entscheidung sind steigende Preise für private und gewerbliche Bahnkunden - und weitere Steuermilliarden für Infrastruktur ...
Das ganze Szenario erinnert schwer an ein abgekartetes Spiel(!), bei dem die Investoren schon VOR dem Beschluß zur Teilprivatisierung bereits festgestanden haben dürften ...
Wer verdient? Mehdorn und Kumpanei, Tiefensees Spezies, McKinsey und Konsorten, die immer selben Großaktionärsseilschaften.
Wer hats bezahlt? Meine Großeltern, meine Eltern, ich.
Das nennt man moderne "soziale" Marktwirtschaft. Daran mästet sich die Politprominenz, das Managereinerlei, die Funktionärscliquen und die, die eh schon mehr als genug haben.
Macht ja auch Sinn, lange aufgebaute Werte gegen wertloses "Papiergeld" zu übereignen?
Wo bleibt der Staatsanwalt?
internationale investoren haben kein interesse an einer funktionierenden infrastruktur in deutschland, nur an der rendite. schmeißt unser eigentum nur den aasgeiern an der börse zum frass vor.