Deutsche Bank: Anshu Jain Das Monster der Geldflüsse
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Das Gerangel an der Spitze der Deutschen Bank ist zu Ende: Gemeinsam mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen wird Anshu Jain Nachfolger von Josef Ackermann. Der Cricket-Fan Jain lebt asketisch, liebt dennoch das große Geld und besitzt einen gewissen George-Clooney-Charme. Ackermann selbst wird in den Aufsichtsrat gehen - weil sein Konkurrent ihm Platz macht.
Der Mann, der künftig die deutsche Kathedrale des Geldes beherrschen wird, hat eine besondere Religion. Sie heißt so wie er selbst, wie der neue Chef der Deutschen Bank. Die indische Glaubensgemeinschaft der Jaina (Jainismus/Jinismus, Jina = "Sieger") fordert strikte Selbstdisziplin, höchstes Arbeitsethos und vegetarisches, die Planze nicht zerstörendes Essen. Alkohol ist tabu. Diese mehr als 2000 Jahre alte Religion besagt, dass jeder selbst seinen Platz finden muss. Einen Gott gibt es nicht. Und vom Geld darf man im Jainismus auch nicht viel Aufhebens machen.
Anshu Jain, aufgenommen im Februar 2009 auf der Bilanz-Pressekonferenz der Deutschen Bank, spricht immer noch kein Deutsch - und trägt bei vielen öffentlichen Auftritten deshalb einen Knopf im Ohr.
(Foto: dpa)Für Anshuman ("Anshu") Jain ist materielle Anerkennung nach eigenem Bekunden "keinesfalls das Wichtigste im Leben". Doch er redet von Berufs wegen ununterbrochen über Geld. Jetzt steht er hier in London im Juni 2011, der Beamtensohn aus dem indischen Jaipur, auf einer Konferenz seiner Deutschen Bank. Er schwärmt vom Investmentbanking, das er leitet, und sagt: "Wir sind die Gewinner." Es ist sein Lieblingssatz. "Was macht Sie so sicher, dass die Deutsche Bank ihre Gewinnziele in diesem Jahr erreicht?", will ein Jungspund der Barclays Bank wissen. Da setzt Jain einen geradezu väterlichen Blick auf, streicht sich kurz mit der Hand übers Haar und sagt nur: "Sehen Sie sich doch unsere Zahlen im ersten Quartal an!"
An diesem Dienstag feiert der 48-jährige Investmentbank-Chef den nächsten Karrieresprung, so hat es die Deutsche Bank schon am Montag verkündet: Der Aufsichtsrat erhebt ihn zum Mai 2012 vom Vorstand zum Vorstandsvorsitzenden, zum Herrn über 100.000 Mitarbeiter und 1,9 Billionen Euro Bilanzsumme, zum Allmächtigen des einzigen international bedeutenden deutschen Geldinstituts. Jain wird mit seinem älteren Vorstandskollegen Jürgen Fitschen, 62, eine Doppelspitze bilden. "Ich fühle mich zutiefst geehrt, diese großartige Institution zusammen mit Jürgen führen zu dürfen", erklärte Jain am Abend demütig.
Der Neue bringt ein starkes Argument ein: Geld. Allein im vorigen Jahr hat Anshus Armee sechs Milliarden Euro zum Vorsteuergewinn des Konzerns von insgesamt sieben Milliarden beigesteuert. Und der Bank-Chef in spe verdiente dabei mit zwölf Millionen Euro mehr als Ackermann (neun Millionen), der dem Geldinstitut seit neun Jahren vorsteht.
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Der neue Jainismus der Bank drückt sich radikal in Euro und Cent aus. Er besagt: Zwar gibt es so Hässliches wie die Euro-Krise und Staatsschulden, doch die Deutsche Bank hat sich unabhängig gemacht von solchen Turbulenzen. Das Geldhaus schwebt wie ein großer Zeppelin über den dunklen Wolken der Weltwirtschaft. Und Jain, der neue Zeppelinführer, der sich persönlich in Askese übt, schwelgt im Rausch der Milliarden. Mitarbeiter berichten von knallhartem Führungsstil. Er werde nie laut, aber seine Worte kämen wie Pfeile. Sein Spruch "I disagree" ist gefürchtet. Wenn das Personal auf "Town Hall Meetings" den Chef ansprechen darf, müssen Fragen vorher abgestimmt werden. Noch schwieriger ist das Verhältnis zur Außenwelt: keine Homestorys, keine Interviews.
Der Guru des Geldes herrscht in einem Glaskasten neben dem großen Händlersaal im dritten Stock des Deutsche-Bank-Gebäudes in der Londoner City. Seine Leute bewegen mit einem Mausklick Millionen und das Minute für Minute. Es ist die vibrierende Welt der Wertpapierprofis, Devisenmarkthändler und Rohstoffexperten, eine riesige Handelsmaschine. "Jain hat es geschafft, für sich und seine Leute ein ausgeprägtes Elitenbewusstsein zu entwickeln", sagt ein Gefährte.