Von Catherine Hoffmann

Die Politiker haben die Schuldigen für den hohen Ölpreis gefunden: Spekulanten. Im US-Kongress ist von "wildem Kasino" die Rede. Doch in Wahrheit haben die Rohstoff-Zocker nur wenig Einfluss.

Angesichts des Ölpreisschocks kommt so manchem John D. Rockefeller in den Sinn. Mit seinen Ölgeschäften ist er zum reichsten Mann seiner Zeit geworden. Dennoch hat er den Rohstoff einmal "die Tränen des Teufels" genannt. Diese Sichtweise ist heute wieder aktuell, denn der Ölpreis eilt von Rekord zu Rekord. 145 Dollar kostet ein Fass jetzt, vor fünf Jahren war es noch für 30 Dollar zu haben. Erstmals seit die Menschen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts begonnen haben, nach Öl zu bohren, verteuerte sich der Rohstoff in sieben aufeinander folgenden Jahren.

Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) kommt betrügerisch an Bohrrechte für Öl - das macht ihn reich. Der Film "There Will Be Blood" ist eine Parabel auf den Kapitalismus, der das Geld liebt und kriminell ist - ganz aktuell also. (© Foto: Disney/Cinetext)

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Politiker haben längst die Schuldigen für die Ölpreisinflation ausgemacht: Spekulanten. Sie würden mit ihren Geschäften die Preise in die Höhe treiben, ohne Rücksicht auf Verluste. Wirtschaftsminister Michael Glos möchte den "Spekulationssumpf trockenlegen". Im amerikanischen Kongress ist von "Zockerei" und "wildem Kasino" die Rede. Sogar George Soros, der Milliarden mit Spekulationsgeschäften verdient hat, fordert, dem gewissenlosen Treiben der Spekulanten Einhalt zu gebieten. Erstaunlich ist nur, dass bis heute niemand eine klare Vorstellung davon hat, ob die hohen Energiepreise tatsächlich auf teuflische Spekulanten zurückzuführen sind.

Wer ist überhaupt Rohstoffspekulant?

Das lässt sich am einfachsten erklären, indem man sagt, wer keiner ist: Öllieferanten, Raffinerien, Fluggesellschaften oder Chemieunternehmen nämlich. Sie spekulieren nicht, sondern sichern sich am Terminmarkt gegen schwankende Ölpreise ab. Lufthansa verspricht beispielsweise einem Ölproduzenten, den Rohstoff im Herbst zu einem fest vereinbarten Kurs abzunehmen. Spekulanten wollen dagegen gar keine Ware geliefert bekommen, sondern nur von steigenden oder fallenden Preisen profitieren. Sie machen Geschäfte, die mit realen Werten nichts zu tun haben. Hier werden Erwartungen über die künftige Preisentwicklung gehandelt, und das oft auf Pump.

Die Papiere, mit denen auf die Zukunft gewettet wird, heißen Futures. Sie werden von einem Spekulanten zum nächsten weitergereicht und bei Fälligkeit gleich wieder in neue Kontrakte umgewandelt. Hedge- und Indexfonds spekulieren so mit Milliarden Dollar auf die Hausse am Rohstoffmarkt.

Beteiligt sind auch amerikanische Pensionsfonds, die etwa das Geld für die Alterssicherung kalifornischer Lehrer verwalten. Und sogar Privatanleger tummeln sich hier - in der Hoffnung, dass wenigstens die Rohstoffpreise steigen, wenn schon mit Aktien und Anleihen kaum Geld zu verdienen ist. Sie stecken ihr Geld in Fonds und Zertifikate, die in Rohstoffindizes investieren.

Auf der nächsten Seite: Was für eine Rolle die Spekulanten im Ölhandel spielen.

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