In der Krise erkennen ausländische Investoren die Stärken deutscher Konzerne -und bauen ihre Anteile aus. Beim Dax-Neuling K+S drängt jetzt ein russischer Unternehmer in den Aufsichtsrat.

Internationale Investoren haben ihren Anteil an deutschen Dax-Konzernen trotz Finanzkrise und trüber Konjunkturaussichten ausgebaut. Wie das Handelsblatt berichtete, stieg ihre Beteiligung am Aktienbesitz der 30 Dax-Konzerne im abgelaufenen Jahr von 52,5 auf 53 Prozent.

Ausländische Investoren haben ihr Interesse an den Dax-Konzernen nicht verloren - im Gegenteil. (© Foto: Reuters)

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Sogar 80 Prozent und mehr halten die ausländischen Anleger demnach mittlerweile am Chemie- und Pharmakonzern Bayer, dem Sportartikelhersteller Adidas und an der Deutschen Börse.

Seit Januar hat der Deutsche Aktienindex dramatisch an Wert verloren, inzwischen liegt der Rückgang bei rund 43 Prozent. "Das schürte den Verdacht, dass vor allem Ausländer in großer Zahl das Weite suchten", schreibt das Handelsblatt.

Tatsächlich hätten ausländische Investoren in den ersten drei Quartalen 2008 zwar rund 85,6 Milliarden Euro aus deutschen Aktien abgezogen. "Doch die Abflüsse aus dem Inland waren noch deutlich höher."

Die ausländischen Langfristinvestoren dagegen würden die gesunkenen Kurse nutzen, um die Aktienpositionen auszubauen. So habe der 16,5 Milliarden Dollar schwere Templeton-Growth-Fund für knapp drei Millionen Dollar SAP-Aktien hinzugekauft und im schwachen Börsenmonat Oktober seine Anteile am Pharmakonzern Merck aufgestockt. "Die US-Fondsgesellschaft Fidelity und die Bank of New York überschritten die meldepflichtige Drei-Prozent-Schwelle beim Sportartikelkonzern Adidas."

Gesunde Firmenbilanzen

Das Engagement der internationalen Anleger begründet Klaus Tanner von Dresdner Kleinwort in New York im Handelsblatt so: "Anders als beim Abschwung nach der Jahrtausendwende sprechen diesmal die niedrige Bewertung, der flexible Arbeitsmarkt und vor allem gesunde Firmenbilanzen durchaus für ein Engagement in deutsche Aktien."

Viele deutsche Klein- und Großanleger hingegen haben sich von der Börse zurückgezogen, berichtet die Zeitung weiter. Vor allem der Exodus der privaten Anleger sei dramatisch. Nach Berechnungen der Zeitung sind "die Dax-Titel nur noch zu 22 Prozent in der Hand von Kleinanlegern". Vor fünf Jahren sei es noch rund ein Drittel gewesen. "Adidas, Deutsche Börse und sogar die oft als Volksaktien bezeichneten Titel von Post und Telekom sind nur noch zu weniger als zwölf Prozent in privatem Streubesitz."

Auch beim Dax-Neuling K+S haben ausländische Investoren ihren Einfluss ausgebaut. Der russische Großaktionär des Düngemittelkonzerns, Andrej Melnitschenko, drängt in den Aufsichtsrat des Kassler Unternehmens. "Die Hauptversammlung wird im Mai stattfinden. Wir werden uns um eine Vertretung im Aufsichtsrat bemühen", sagte der russischer Milliardär der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ob er persönlich ein solches Mandat wahrnehmen würde oder eine andere Person, sei nicht entschieden. Das Unternehmen selbst wollte den Vorstoß nicht kommentieren, zeigte sich aber gelassen.

Die von Melnitschenko kontrollierte Beteiligungsgesellschaft MCC hatte vor einem Monat ihren Anteil an K+S von 10,43 auf 15,001 Prozent erhöht. "Wir haben die Gelegenheit genutzt", sagte Melnitschenko in Anspielung auf die Finanzkrise.

Der Düngemittelriese hatte nach rasanten Steigerungen in den vergangenen Jahren in den letzten Monaten einen Dämpfer bekommen und nach Rekordquartalen plötzlich die Fördermenge zurückfahren müssen. Der seit September im Dax notierte Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit etwa 12.000 Mitarbeiter.

Deutsche sind Aktienmuffel

Auf die Frage nach Plänen für einen Zusammenschluss der Unternehmen sagte Melnitschenko: "Wahrscheinlich würde es bei einer engeren Zusammenarbeit Synergieeffekte geben. Das müssen die Unternehmen aber selbst entscheiden." Im Moment seien beide Unternehmen unabhängig.

Das Kasseler Unternehmen wollte Melnitschenkos Drängen in den Aufsichtsrat nicht weiter kommentieren. "Wir nehmen das zur Kenntnis", sagte K+S- Sprecher Oliver Morgenthal. "Aber die Hauptversammlung hat erst vor einem guten halben Jahr einen neuen Aufsichtsrat für fünf Jahre bestimmt." Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Mai der frühere Vorstandschef Ralf Bethke, der das Unternehmen 16 Jahre bis 2007 geführt hatte.

Insgesamt besitzen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts nur noch 3,5 Millionen Deutsche Aktien. Kein anderes Industrieland komme auf solche eine niedrige Quote.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/tob/pak)