Von Corinna Nohn

Dem Dax International 100 gehören auch ausländische Titel und Porsche-Aktien an - doch den Anlegern bietet er wenig Innovatives.

Auf den ersten Blick scheint es, als sei der neue Index Dax International 100 von der Deutschen Börse extra für Porsche-Aktien geschaffen worden. Denn seit September 2001 waren die Papiere des Sportwagenherstellers in keinem deutschen Aktienindex enthalten, obwohl sie mittlerweile einen Börsenwert von mehr als neun Milliarden Euro haben - das entspricht in etwa dem Volumen der Dax-Mitglieder Adidas oder Postbank.

Bild vergrößern

Der Dax ist eine feste Größe am Börsenparkett. Sein kleiner Bruder, der Dax International 100, muss sich erst noch beweisen. (© Foto: dpa)

Anzeige

Doch nach fast sieben Jahren Index-Abstinenz gehören die Porsche-Titel seit dem 25. März dem neu geschaffenen Dax International 100 an. Die Deutsche Börse hatte Porsche vor fast sieben Jahren aus dem Mittelwerte-Index MDax gestrichen, weil das Unternehmen sich weigert, Quartalsberichte abzuliefern, wie es für Mitglieder der bekannten Börsenbarometer MDax, Dax, TecDax und SDax vorgeschrieben ist.

Ein Index nur für Porsche?

Zwar bestreitet die Deutsche Börse, dass sie den neuen Index alleine wegen Porsche geschaffen hat. Vielmehr sei es das Ziel gewesen, die Wertentwicklung großer internationaler Unternehmen mit hoher Liquidität in Deutschland abzubilden, sagt eine Sprecherin.

Der Dax International, dessen Zusammensetzung vierteljährlich überprüft wird, umfasst jene deutschen und ausländischen 100 Unternehmen, die in den zurückliegenden drei Monaten den größten Orderbuchumsatz über die elektronische Handelsplattform Xetra und die Börse Frankfurt aufweisen. Auch ausländische Unternehmen wie der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und das finnische Telekommunikationsunternehmen Nokia sind im Dax International enthalten.

In den Dax können nur Firmen aufgenommen werden, die ihren Firmensitz in der Bundesrepublik haben. Das internationale Börsenbarometer wird aber weniger streng reguliert, hier ist auch nicht wie im Dax die Angehörigkeit zum streng regulierten Börsensegment Prime Standard Voraussetzung. Ins internationale Börsenbarometer dürfen auch Unternehmen aus den schwach regulierten Börsensegmenten Entry und General Standard.

Rechtsstreit beigelegt

Im Börsensegment General Standard tummeln sich hauptsächlich Kleinwerte - und eben Porsche, weil der Sportwagenhersteller sich weigert, quartalsweise Kennzahlen vorzulegen. Deswegen hatte sich der Sportwagenhersteller auch jahrelang mit der Deutschen Börse vor Gericht gestritten. Diese Auseinandersetzung haben die Unternehmen nach Porsches Aufnahme in den Dax International nun beigelegt.

Das ein oder andere Unternehmern kann also darauf hoffen, mit der Zugehörigkeit zum neuen internationalen Börsenbarometer unter der Qualitätsmarke Dax zusätzliche Popularität zu erlangen. Neben der hohen Liquidität der enthaltenen Papiere - sie können also jederzeit gehandelt werden - sind auf den ersten Blick für Anleger jedoch keine Vorteile ersichtlich. Denn noch gibt es kein Finanzprodukt wie zum Beispiel ein Index-Zertifikat, mit dem Investoren an der Wertentwicklung des Dax International teilhaben könnten.

Und auch, wenn die Produktmaschinerie der Banken wohl bald entsprechende Fonds oder Derivate auflegen wird - es ist die Frage, welche Vorteile ein solches Wertpapier Anlegern zu bieten hätte. Denn vergleicht man den Verlauf von Dax und Dax International seit dessen Auflage, haben sich die beiden Indizes fast genau gleich entwickelt. "Eben einfach schon wieder ein neuer Index", heißt es deshalb lapidar in Finanzkreisen - immerhin betreibt die Handelsplattform bereits Deutsche Börse mehr als 2000 verschiedene Indizes.

Leser empfehlen 

(SZ vom 17.06.2008/tob)