Datenschutz Was die Schufa alles weiß

Einmal im Jahr sollte man bei Auskunfteien und Adresshändlern seine Daten abfragen - doch wer verschickt schon gerne Anfragen an Dutzende Unternehmen? Die Webseite Selbstauskunft.net soll helfen - sie versendet eine Anfrage per Fax gleich an mehrere Firmen.

Von Hannah Beitzer

Ein negativer Schufa-Eintrag kann böse Folgen haben, die Chance auf einen Kredit oder die Wohnung in guter Lage verderben. Aber nicht nur die Schufa weiß mehr über einen, als man denkt: Auch Mieterauskünfte und Unternehmen wie die Bahn und die Post haben unter Umständen persönliche Daten gespeichert. Die sollte man eigentlich regelmäßig kontrollieren, raten Verbraucherschützer. Jeder hat das Recht, einmal im Jahr seine Daten kostenlos bei den Firmen abzufragen - so steht es im Bundesdatenschutzgesetz.

Doch das bleibt häufig Theorie. Vielen ist der Aufwand zu groß. Denn neben den bekannten Adresshändlern und Auskunfteien gibt es noch zahlreiche, von denen man als Durchschnittsbürger noch nie gehört hat. Und wer schreibt schon gerne einmal im Jahr Dutzende Firmen an? Das fragte sich auch der Internetunternehmer Julian Kornberger. Er programmierte eine Software, die automatisch Faxe an mehrere Unternehmen verschickte. Das klappte so gut, dass er beschloss, das Programm auch anderen zur Verfügung zu stellen. Auf der Internetseite Selbstauskunft.net können Verbraucher bei derzeit 40 Unternehmen ihre Daten abfragen.

Dafür muss man nur seine Adressdaten eingeben und per Maus unterzeichnen. Selbstauskunft.net verschickt dann Faxe an alle ausgewählten Unternehmen. Der Service ist kostenlos, da Kornberger wie viele Unternehmer eine Fax-Flatrate hat. Er verdient mit diesem Projekt zwar kein Geld, aber für sein Internetunternehmen ist die Seite gute Werbung.

150.000 Anfragen sind schon abgeschickt worden, fast 80.000 hängen noch in der Warteschleife, erzählt Kornberger - schließlich brauchen Faxe Zeit. Er ist selbst überrascht von seinem Erfolg - seit auf dem renommierten Digitalblog Netzpolitik.org über Selbstauskunft.net berichtet wurde, kann die Seite den Ansturm kaum bewältigen. "Wir haben gerade den Faxserver aufgerüstet und können inzwischen 10.000 Anfragen pro Tag verschicken", sagt Kornberger.

Gegen Selbstauskunft.net gibt es auch Bedenken

Auf Netzpolitik.org wurden auch Bedenken gegen den Service laut. Kann zum Beispiel nicht einfach irgendwer in fremdem Namen Daten abfragen? Kornberger verneint: Die Auskünfte würden ausschließlich per Post versendet. Im schlimmsten Fall könne zwar jemand Auskünfte in fremdem Namen einholen. Um die zu dieser Person gehörigen Daten zu bekommen müsse er jedoch deren tatsächliche Adresse angeben. An diese würde die Auskunft dann versendet - nicht an den Falschmelder.

Außerdem befürchten Nutzer, dass auf Basis der Anfrage die erste Akte angelegt wird, wenn bisher keine Daten bei der Auskunftei vorliegen. Julian Kornberger hält das für unwahrscheinlich: Schließlich erhebe man bis auf Name, Adresse und Geburtsdatum keinerlei personenbezogenen Daten. Diese Informationen allein seien für Unternehmen von äußerst geringem Wert. Wertvoll würden personenbezogene Daten erst dann, wenn sie zum Beispiel Auskunft über Konsumverhalten gäben.

Dennoch bleibt eine gewisse Unsicherheit zurück: Schließlich kann man es durchaus absurd finden, dass die Leute, um gegen Datensammler vorzugehen, ihre Daten wiederum einem privaten Unternehmen anvertrauen müssen - nämlich Kornbergers Internetfirma. Woher weiß man, dass der Dienst und sein Anbieter seriös sind?

Doch Kornberger ist in der Szene kein Unbekannter: Er macht Datenkraken schon seit Längerem das Leben schwer. 2009 hat er unter anderem Arcor und das BKA wegen umstrittener Internet-Sperrverträge verklagt und wurde als Webhoster von der Vorratsdatenspeicherung freigesprochen. Außerdem hat er auch Wikileaks einen Server gesponsort.

Entsprechend transparent gibt er sich auf Selbstauskunft.net: "Wir bitten Sie nicht, uns einfach zu vertrauen, wir bitten Sie, sich alles genau anzusehen, sich Kommentare, Berichte und Statements durchzulesen (nicht nur hier, auch auf anderen Seiten im Web) und sich dann selbst ein Urteil zu bilden.

Mit seinem Anliegen steht er in der Szene nicht alleine da. Vielmehr ist seine Seite ein kleiner technischer Schritt, der in die Richtung einer populären Forderung des Chaos Computer Clubs geht. Die Hackervereinigung fordert einen "Datenbrief" - also eine Abkehr von der bisherigen Praxis, den Bürger als Bittsteller gegenüber der speichernden Stelle auftreten zu lassen. Stattdessen sollen Unternehmen verpflichtet werden, einmal im Jahr von sich aus diejenigen Menschen zu informieren, deren Daten sie gespeichert haben.

Auch das Verbraucherschutzministerium plant ein Auskunftsportal zum Thema, das die Selbstauskunft vereinfachen soll, mit Infomaterial und Anträgen zum Herunterladen. "Wir können nur jedem empfehlen, Selbstauskunft zu stellen", sagt Florian Glatzner, Referent für Datenschutz und Netzpolitik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), der an dem Projekt beteiligt ist.

Er kennt Selbstauskunft.net und sieht zumindetens keine Gefahr, dass fremde Daten abgefragt würden. "Da liegt die Verantwortung bei den Unternehmen, sie müssen eine Authentifizierung vornehmen", sagt er. Bei vielen Anfragen kämen ohnehin Rückfragen - etwa nach einer Personalausweis-Kopie. Dafür garantieren, dass die Daten bei Selbstauskunft.net ausreichend geschützt sind, könnten die Verbraucherschützer jedoch nicht - wer ganz sicher gehen will, so rät Glatzner, solle eben doch jede Anfrage einzeln per Post stellen - Vordrucke gibt es bereits auf den Seiten des vzbv.