Als halbgares Sammelsurium von Einzelmaßnahmen, ärgerlichen Luftbuchungen und verpassten Chancen wird das Sparpaket zu Recht kritisiert. Dabei war es richtig, das Sparen in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen.
Die Merkel-Koalition hat die große Sparwoche verpatzt - das ist eine Binsenweisheit. Angekündigt war ein Sanierungsprogramm für Deutschland, und die Chance, dass dieses Programm auf Begeisterung stoßen würde, war gleich null. Dass Opposition, Gewerkschaften und andere Gegner dieser bürgerlichen Koalition die ganze Klaviatur von echter bis gespielter Empörung bedienen würden, war sonnenklar. Nicht zu erwarten war, dass die Koalition es ihren Kritikern allerdings so leichtmachen würde.
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"Wir sind das Volk": Melkkuh im Protestzug von Berlin am 12.Juni. Dort trieb der Ärger über das Sparpaket Tausende auf die Straße. (© ag.ddp)
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Was als großer Wurf geplant war, ist ein halbgares Sammelsurium von sinnvollen Einzelmaßnahmen, ärgerlichen Luftbuchungen und verpassten Chancen geworden. Viele Ankündigungen sind sträflich unbestimmt. Teilweise werden die Sparbemühungen auf nachrangige Institutionen verschoben, die nun sehen müssen, wie sie zurechtkommen. Der verkündete Einsparerfolg von 80 Milliarden Euro steht nur auf dem Papier.
Über das unerträgliche politische Ränkespiel zwischen den drei Koalitionspartnern ist viel geschrieben worden. Interessanter sind die dahinterstehenden sachlichen Debatten. Viele Kritiker der Koalition machen es sich mit ihren Alternativrezepten beneidenswert einfach. Man schröpft mal eben die Reichen, verschont natürlich die Armen, geißelt die Topmanager, bringt die Spekulanten zur Strecke, domestiziert die Banken - und schon wird alles gut. Klar, das Geld steckt im Geldautomaten, und wer pleite ist, holt sich neues.
Es ist bezeichnend, dass sich die aktuelle Debatte fast ausschließlich auf die Steuerfrage konzentriert. Hatte es noch vor zehn Jahren den Drang zu einem einfacheren Steuerrecht mit niedrigen Sätzen gegeben, so lautet nun der Schlachtruf: Rauf mit den Steuern! Es wird dringend Zeit, die Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen. Alle reden über angeblich notwendige neue Einnahmen, dabei geht es zuallererst um die Kürzung von Ausgaben. Ein Land, das so über seine Verhältnisse lebt wie Deutschland, erst recht durch die krisenbedingten Konjunktur- und Rettungspakete, muss sich in schwierigen Zeiten bescheiden; warum ist das so schwer zu verstehen?
Sozialstaat ja, aber kleiner
Deshalb war es goldrichtig, dass die Koalition das Sparen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt hat. Es ist auch richtig, damit im sozialen Bereich zu beginnen, was natürlich nicht populär ist. Die Arbeits- und Sozialausgaben müssen sinken - nicht, weil ihre Empfänger schlechtere Menschen sind oder sich nicht wehren können oder keine Lobby haben. Sondern weil diese Ausgaben grundsätzlich wenig dazu beitragen, Deutschland aus der Krise zu holen. Der Sozialstaat kann und muss reagieren, abfedern, ausgleichen, aber er kann nicht die wirtschaftliche Zukunft gestalten; er generiert kein Wachstum. Seit den siebziger Jahren aber steigen und steigen die Sozialausgaben; der Sozialetat macht die Hälfte (!) des Bundeshaushalts aus. Wer hieran etwas ändern will, verstößt offensichtlich gegen die Political Correctness im Lande, die da lautet: Verschont die Schwachen! Kein Wort davon, dass das Land nicht im Elend versänke, würden die Sozialleistungen auf das Niveau von 2005 oder 2000 zurückgenommen.
Subventionen unter Vorbehalt
Natürlich muss, zweitens, auch in der Wirtschaft gespart werden. Und zwar nicht da, wo es der Klientel der FDP nicht weh tut, sondern da, wo das Geld nicht gebraucht wird, um Wachstum zu generieren. 150 Milliarden an Subventionen sind zu überprüfen. Die Koalition hätte alle Subventionen unter Vorbehalt stellen sollen: Nicht ihr Abschaffen müsste dann begründet werden, sondern ihr Beibehalten. Und sie hätte natürlich ganz dringend die unselige Steuersenkung für Hoteliers zurücknehmen sollen.
Und drittens muss ein Sparprogramm, das ist schon wahr, in Zeiten großer gesellschaftlicher Verunsicherung auch dem sozialen Frieden dienen. Denkbar wäre eine höhere Erbschaftsteuer, die die geringe Eigenleistung des Nutznießers an diesem Reichtum berücksichtigt, und ein höherer Spitzensteuersatz. Letzterer müsste freilich dringend befristet werden auf die Dauer der konkreten Krise, denn das Steuerniveau in Deutschland ist sicher nicht zu niedrig. Die höheren Steuereinnahmen sollten auch zwingend im System bleiben. Was "die oben" vorübergehend mehr zahlen, müssen "die in der Mitte" auf Dauer mehr erhalten. Ergänzt um eine Neusortierung der zersplitterten Mehrwertsteuer könnte die dringend notwendige Entlastung der Leistungsträger der Mittelschicht, für die interessanterweise in einer schönen Allianz FDP und Linkspartei trommeln, herauskommen: Nur so ist dauerhaft mehr Wachstum und damit ausreichend soziale Sicherheit möglich.
Die Tragik in Berlin ist nicht, dass die Politiker dort alle so verbohrt wären. Sondern dass es keine Wirtschaftspolitiker von Format mehr gibt, deren Argumente überhaupt gehört werden. Kein Otto Graf Lambsdorff (FDP), der Ordnungspolitik "kann". Kein Karl Schiller (SPD), der seinen Genossen im richtigen Moment rät, "die Tassen im Schrank zu lassen". Kein Ludwig Erhard (CDU), der weiß, dass das Geld erst verdient werden muss, das der Sozialstaat verteilen soll. Und wenn mal einer so argumentiert wie die Großen damals, wird er zum Geisterfahrer erklärt, der aus der Zeit gefallen sei.
Darüber lohnt es sich wirklich nachzudenken. Ja, wenn man auf der Autobahn in Richtung, sagen wir, Berlin fahren will - und alle kommen einem irrtümlich entgegen, dann ist man wohl ein Geisterfahrer. Die anderen sind die Mehrheit und geben die Richtung vor. Nach Berlin kommen sie so aber noch lange nicht.
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(SZ vom 12.06.2010/pak)
Alle Ihr Verständigen hier, lasst das gute Zureden sein! All jene Patienten, die von den schrecklichen Fieberträumen der Hepatitis oeconomicorruptionica gequält werden, können wir mit Worten nicht helfen. Sie bräuchten einige hochdosierte Ampullen von Penicillium sociocompetentium gespritzt. Leider haben sie furchtbare Angst vor Spritzen. Da müssen wir sie halt wohl oder übel einfach sterben lassen...
... das "Fundament" des Wachstums der letzten zwanzig Jahre waren die DotCom- und die amerikanische Immobilienblasen . Und die Banken verdienen auch heute nicht ihr großes Geld mit der Ausreichung von Krediten an die produzierende Wirtschaft . Warum wohl , Herr Beise ? Wie kommt es , dass die nicht an nennenswertes Wachstum glauben ? Und daher weiter lustig Finanzindustrie spielen , am großen Zocker-Casino ?!
Entstanden ist der „Schuldenberg“ in Höhe von 1,7 Billionen Euro nicht, weil „wir“ über unsere Verhältnisse gelebt oder weil der Staat schlecht gehaushaltet hat, sondern weil die etablierten Parteien seit Jahrzehnten die Kapital- und Gewinnsteuern gesenkt und die reichsten Bürger systematisch entlastet haben.
Da wurde die Börsenumsatzsteuer abgeschafft, der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer mehrfach gesenkt, die Vermögensteuer seit 1997 nicht mehr erhoben, die Körperschaftsteuer für Kapitalgesellschaften zu einer Bagatellsteuer gemacht, die bloß noch ein Viertel bis ein Drittel des Aufkommens der Tabaksteuer erbringt, die Abgeltungssteuer auf 25% gesenkt und die betriebliche Erbschaftsteuer ab dem 1. Januar 2010 zu einer reinen Phantomabgabe degradiert.
Experten errechnen einen jährlichen Steuerausfall dadurch von mind. 50 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass wir in Deutschland ein Geldvermögen von 6 Billionen Euro haben und eine irrsinnige Sparquote der reichen Oberschicht von 15,2 Prozent.
Herr Beise sagt Dinge, die ich auch so sehe :
1. zuerst Ausgaben kuerzen, bevor man nach neuen Einnahmen sucht (denn merke : wenn mal etwas wegbricht, dann ist es eine Einnahme)
2. Subventionen streichen by default, wer welche erhalten will, muss das extrem begruenden koennen (wie zB Opel, wenn es eine Buergschaft will).
Er sagt auch von mir nicht Nachvollziehbares:
"Was "die oben" vorübergehend mehr zahlen, müssen "die in der Mitte" auf Dauer mehr erhalten. "
Nie werden wir aber zusammenkommen bei:
1. "Die Arbeits- und Sozialausgaben müssen sinken - nicht, weil ihre Empfänger schlechtere Menschen sind oder sich nicht wehren können oder keine Lobby haben. Sondern weil diese Ausgaben grundsätzlich wenig dazu beitragen, Deutschland aus der Krise zu holen."
Vielleicht muss es auch Ausgaben geben, um Menschen aus der aus der Krise zu holen ? Und wenn die Sozial Schwachen ein Existenzminimum erhalten, wie will man das kuerzen koennen (kleiner als Minimum geht nicht)?
2. "Der Sozialstaat kann und muss reagieren, abfedern, ausgleichen, aber er kann nicht die wirtschaftliche Zukunft gestalten; er generiert kein Wachstum. Seit den siebziger Jahren aber steigen und steigen die Sozialausgaben; der Sozialetat macht die Hälfte (!) des Bundeshaushalts aus. "
Wofuer kann ein Sozialwesen sein Geld besser ausgeben als fuer seinen Sozialetat? Milliarden in Unternehmeraer.. zu stecken, auf dass ein "Wachstum" herauskomme, was irgendwie allen bekommt, ist nun wirklich die bloedsinnigste Art, das Geld zu verbrennen.
öfters unter Räder gekommen ?
Paging