Ob auf Briefkarten, Visitenkarten oder spektakulären Bauten: Unternehmen finden zahlreiche Wege ihre Marke zu präsentieren.
BMW macht es, BP, Issey Miake, Benetton und Starbucks ebenso. Große Marken feilen an ihrem Erscheinungsbild wie Models an ihren Nägeln. Sie tüfteln an Briefköpfen und Visitenkarten, am Logo und der Hausschrift. Kein Wunder, dass auch Architekten am Geschäft mit der Marke beteiligt sind. Corporate Architecture ist ein globales Geschäft, ein ziemlich gutes sogar, denn nur wenige beherrschen die Kunst, Markenbilder in die dritte Dimension zu übertragen. Dafür liefern sie spektakuläre Bauten.
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Shoppen als Showeinlage
Das Büro Coop Himmelb(l)au lässt die BMW-Markenwelt über dem Mittleren Ring als stählerne Gewitterwolke niedergehen, Delugan Meissl stemmt für das Porsche-Museum tonnenweise gezackten Beton in die Luft, und selbst Architekturphilosoph Rem Koolhaas schuf für Prada New York den ultimativen Laden: Shoppen als Showeinlage in einer hölzernen Arena, halb Halfpipe, halb Boxring. Die Besten sind gerade gut genug für die Inszenierung. Wenn es dabei eine goldene Regel gibt, dann diese: Du sollst nicht langweilen.
Markenarchitektur ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Bereits Peter Behrens schmiedete im Jahr 1907 als künstlerischer Beirat der AEG das Erscheinungsbild der Firma, Richard Rogers packte den Londoner Versicherer Lloyd's in eine Raffinerie mit Röhren und Zuleitungen, und die Künstler- und Architektengruppe SITE entwarf Einkaufszentren als schockierende Ruinen.
Du sollst nicht langweilen
Mal fehlte eine ganze Ecke, mal schien das Mauerwerk über dem Eingang einzubrechen. Alles ist erlaubt, Hauptsache, die Leute schauen hin. Kein Wunder, dass viele Kulturkritiker Labels als Religionen unserer Zeit brandmarken.
Corporate Architecture ist ein Erfolgsmodell der Moderne. Immer mehr Bereiche werden gestalterisch durchgemodelt. Und die Ansprüche steigen. Was vor 30 Jahren noch die Ausnahme bildete, ist längst Standard. Kaum eine Firma, die nicht an neue Showräume denkt, an glitzernde Pavillons oder eine repräsentative Konzernzentrale.
Bauen ist Kommunikation
Der Überbietungswettkampf formt die Sprache ihrer Gestalter. Hamburgs Star-Architekt Hadi Teherani, der unter anderem für die Deutsche Vermögensberatung AG sowie die Münchner Vertretung des Rückversicherers Swiss Re baute, untermauert seinen gestalterischen Anspruch mit Marketingfloskeln: "Traditionelle Formen der Kundenansprache genügen nicht mehr, um sich auf einem globalen Marktplatz zu behaupten."
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Wirbel um Obama-Biographie
Nirgends wird deutlicher, wie sehr sich die seit Jahrzehnten vorherrschende Architekturauffassung vom eigentlichen, vom Menschen und vom leben entfernt hat und jedes Maß verloren gegangen ist. 10-20 Stararchitekten bestimmen den Markt nach kapitalistischen Gesetzmässigkeiten, verleihen ihren Werken dann aber stets den Anschein von Kunst und Kultur, sie schweben in höheren Sphären. Sie sind die modernen Rattenfänger von Hameln und beeinflussen eine große Zahl der Studenten - da müsst ihr hin, das ist gut, das ist aktuell-modern.
Tatsächlich sind sie sichtbares Zeichen eines im Verfall begriffenen Bau- und Lebenstils, der viel will aber wenig von dem hervorbringt, was gebraucht wird. Es ist ein Skandal ohnegleichen, in welchem Maße hier eine Architektur produziert wird, die vollkommen un-ökologisch, nicht nachhaltig ist. Rem Kolhas hat sich die Aura eines asketisch anmutenden Mönchs und Philosophen zugelegt, in seinem Büro werden in eigenständigen "Units" wie bei Coca-Cola Architekturen weltweit geschaffen, die nie an etwas erinnern dürfen, was es schon gibt, es muss auf Teufel komm raus neu neu neu und anders sein.
Die Moderne ist a priori un-ökologisch, auch wenn viele plötzlich auf den nun rollenden Zug der Nachhaltigkeit aufspringen, weil damit gutes Geld zu verdienen ist. Obwohl die Erde so verschieden ist, anderes Klima etc. findet man überall die gleichen Architekturen der Moderne. Man sieht förmlich die Köpfe der Architektur-Hochglanzindustrie wie sie vor einem auftauchen, wenn man Städte wie London, NY, Paris, Berlin, Shanghai etc besucht - die eigenen Identität dieser kulturellen Orte wird durch eine gleichmacherische bzw. spektakuläre Bauweise geraubt. Hadid? OMA? Foster? Rogers? Sauerbruch? Therani? Coop Himmelblau? Jean Nouvel? Richard Meier?Kollhof? Kleihues? GMP? usw. usw sie sind so leicht zu identifizieren, egal wo man ist auf der Welt.
Wer sind die Auftraggeber dieser Herr- und Frauschaften? Was bewegt sie? Sie sind genauso weit vom Wesentlichen entfernt wie Ihre Hofnarren. Sie können sich diese Borniertheit anscheinend leisten und meinen noch, Großes zu leisten bzw. in die Welt zu bringen.
"Das Denken, das die Probleme geschaffen hat, kann die Lösung dafür nicht finden." (Einstein). Recht hat er! Die Moderne modert. Zeit für den Wandel! Zeit für eine Architektur, die weg vom Kommerz und der spektakulären Beliebigkeit wieder zur Kultur wird und wieder zu den Wurzeln zurückkehrt und die grundlegenden Lebens-bedingungen auf diese