Die Finanzkrise hat Banker und Anleger gleichermaßen verunsichert. Die Commerzbank reagiert nun und rekrutiert ein neues Beraterteam - aus der eigenen Kundschaft.

Privatkunden wurden von den deutschen Privatbanken jahrelang als ertragsschwaches und ziemlich ödes Marktsegment abgekanzelt. Die Deutsche Bank lagerte ihr Privatkundengeschäft zeitweise sogar in die Deutsche Bank 24 aus und konzentrierte sich auf vermögende Geschäftskunden und das Investmentbanking.

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Die Commerzbank rekrutiert Berater aus ihrer eigenen Kundschaft. (© Foto: ddp)

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Vergessen. Vorbei. Spätestens die Finanzkrise hat bei den deutschen Geldhäusern wieder zu einem Umdenken geführt. Die Commerzbank holt sich nun sogar Kunden als Berater ins Haus. "Wir bilden einen Kundenbeirat für das Privatkundengeschäft", kündigte Privatkundenvorstand Achim Kassow in der Welt am Sonntag an.

Dazu sollen jeweils 20 Kunden von Commerzbank und Dresdner Bank, die von der Commerzbank übernommen wird, gesucht werden. Im Januar soll das Gremium seine Arbeit aufnehmen. "In diesem Beirat werde ich in persönlichen Gesprächen zwei Mal im Jahr mit den Kunden über die geschäftspolitische Ausrichtung und Produktneuheiten diskutieren", sagte Kassow. "Ich will wissen, was der Kunde will."

Veränderungen im Vertriebssystem

Es gehe um mehr Offenheit, sagte Kassow: "Zum Beispiel darüber, was Banken wirklich leisten können. Auf der anderen Seite sind sich viele Kunden heute nicht mehr ganz klar darüber, ob die Banken zuletzt immer in ihrem Interesse gehandelt haben." Etliche Institute müssen infolge der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten Milliardenbelastungen schultern, weltweit griffen Staaten mit Milliardenhilfsprogrammen ein, Kunden haben Angst um ihr Geld.

Zugleich kündigte Kassow Veränderungen im Privatkundengeschäft an. "Nach der aktuellen Krise kann die Devise nicht sein: Alles bleibt beim Alten. Das Verhältnis von Bankmitarbeiter und Kunde muss neu definiert werden." Die Banken müssten ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln. Kassow räumte ein, dass das bisherige System der Banken in manchen Fällen zu sehr auf Vertriebsprovisionen ausgerichtet sei. Er betonte jedoch zugleich: "Jetzt generell auf Honorarberatung umzusteigen wäre genauso falsch wie die Ansage, alles bleibt so, wie es schon immer war."

Insgesamt habe die Sorge der Kunden um ihr Erspartes dank des 500 Milliarden Euro schweren staatlichen Rettungspaketes zuletzt deutlich abgenommen. "Wir spüren zwar viel Verunsicherung, aber keinen Rückzug der Kunden, im Gegenteil: Allein im Oktober haben wir bislang pro Woche mehr als 10.000 neue Kunden gewonnen", sagte Kassow.

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(sueddeutsche.de/dpa/tob/mel)