"Totalversager" und "Kapitalvernichter": Für die Commerzbank-Aktionäre ist es der Tag der Abrechnung in "Bankfurt". Chef Blessing steht am Pranger.
Commerzbank-Chef Martin Blessing beschwört die Trendwende - doch die wütenden Aktionäre kann der Staatsbanker nicht beschwichtigen.
Commerzbank-Chef Martin Blessing versucht sich in Optimismus - doch die Aktionäre bleiben mehr als skeptisch. (© Foto: ddp)
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"2010 wird für uns aus heutiger Sicht den geplanten Umschwung bringen. Gleichgültig, ob wir unter dem Strich schwarze oder noch einmal rote Zahlen schreiben sollten", sagte Vorstandschef Blessing bei der Hauptversammlung in der Finanzmetropole Frankfurt am Main. Nach erfolgreichen fünf Monaten 2010 sieht sich der vom Staat gestützte Dax-Konzern auf bestem Weg zurück in die Gewinnzone.
Spätestens ab 2012 will Deutschlands zweitgrößte Bank die staatliche Milliardenhilfe zurückzahlen. Doch weil die Märkte noch unsicher und die Lasten groß sind - 2009 standen unter dem Strich 4,5 Milliarden Euro Verlust in den Büchern - mögen viele Aktionäre das nicht glauben. Viele halten den Kauf der Dresdner Bank noch immer für einen Fehler.
"Ob wir die Staatshilfe in nächster Zeit zurückzahlen können, ist aus meiner Sicht mehr als zweifelhaft", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Ihre Roadmap - also Straßenkarte - klingt gut und einleuchtend, aber passen Sie auf, dass Sie sich nicht verfahren, Herr Blessing. Sie wissen gut, dass sie nicht genug Benzin im Tank haben." In der "Roadmap" hat die Commerzbank Ziele bis 2012 definiert.
Zum Jahresauftakt hatte die Commerzbank erstmals seit zwei Jahren in einem Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. "Auch das zweite Quartal ist bisher gut gelaufen", sagte Blessing vor etwa 2.500 Aktionären. "Wir werden jetzt aber nicht übermütig, sondern bleiben vorsichtig."
Es gebe jedoch "genügende Grund für einen verhaltenen Optimismus". Im Kerngeschäft - wozu Mittelstands- und Privatkunden sowie Osteuropa zählen - werde die zweitgrößte deutsche Bank 2010 auf jeden Fall wieder profitabel sein.
Angriff auf die schwarzen Zahlen
Blessing bekräftigte: "Einen Gewinn auf Konzernebene im Gesamtjahr 2010 werden wir aus heutiger Sicht nur schaffen, wenn Konjunktur und Finanzmärkte mitspielen." Spätestens 2011 werde die Gesamtbank wieder schwarze Zahlen schreiben.
Unter anderem zur Rückzahlung der Stillen Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin in Höhe von 16,4 Milliarden Euro wollte sich der Konzern von den Aktionären die Erlaubnis zur Erhöhung des Grundkapitals einholen. Dagegen regte sich in der Hauptversammlung Widerstand, etwa von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).
Die Aktionärsschützer fürchten, dass der Ausstieg des Bundes zulasten der Altaktionäre gehen wird. Andere Aktionäre titulierten Blessing als "Totalversager" und "Kapitalvernichter", der Dresdner-Kauf mitten in der Krise habe die Commerzbank in den Abgrund gerissen: "Sie haben einen totalen Schrott gekauft", wetterte ein Anteilseigner.
Angesichts öffentlicher Kritik warb Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller um Zustimmung für ein neues Vergütungssystem, das den Vorständen der teilverstaatlichten Bank wieder höhere Bezüge ermöglichen soll. Das in Grundzügen bereits Ende 2009 veröffentlichte Regelwerk sieht Jahresbezüge von 750.000 Euro vor.
Boni sollen stärker an den langfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt werden. "Unsere Vorstandsmitglieder sollen im Vergleich zu den Vorständen anderer Häuser fair, aber sicher nicht unangemessen hoch bezahlt werden", sagte Müller. Er stellte in Aussicht, die Vorstandsgehälter wegen der erhaltenen Staatshilfe über das Jahr 2010 hinaus zu begrenzen.
Für das laufende Jahr hatte sich die Bank bereits verpflichtet, den Managern um Vorstandschef Blessing jeweils höchstens 500.000 Euro Jahresgehalt zu zahlen. "Ich gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat auch für die Zeit nach 2010 bereit ist, eine solche Regelung zu beschließen", sagte Müller. Die 500.000-Euro-Grenze musste die Commerzbank im Gegenzug für die Staatshilfe einziehen.
Wenige Tage vor dem Aktionärstreffen hatte sich der Bund als Hauptaktionär mit 25 Prozent plus einer Aktie gegen höhere Vorstandsgehälter und Bonuszahlungen ausgesprochen. Blessing und Müller stellten klar: Solange die Commerzbank dem Staat keine Zinsen für die Milliardenhilfe zahle, gelte die Gehaltsgrenze.
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(sueddeutsche.de/dpa/nog/mel)
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Ich behaupte nicht die Weisheit für mich gepachtet zu haben. Mag sein, vielleicht bezahlen sie ja alles zurück. Aber weshalb wir bei Nichtkreditvergabe keine Schulen mehr gebraucht hätten, erschließt sich mir nicht. Ohne Commerzbank keine Schüler mehr? Herr Blessing?
Die Wiederholung macht ihre Behauptung auch nicht wahrer. Wenn die Commerzbank die Schulden in zwei Jahren zurückbezahlt, wohlgemerkt mit Zinsen, können von dem Geld immer noch Schulen u.s.w. gebaut werden. Nur wenn diese Kredite nicht geflossen wären, hätten wir auch keine Schulen mehr gebraucht!
trotzdem muss ich einfach nochmal anmerken, wieviele Schulen, Kindergärten, Universitäten, Krankenhäuser, Pflegeheime usw. man hätte mit dem Geld errichten können, was alleine in dieser Bank versickert ist. Aber, naja, zum Glück gibt es ja die Gehaltsdeckelung bei läppischen 500.000 EUR. Dass da überhaupt noch jemand arbeiten will...