Die Verluste sind nicht mehr beherrschbar: Die Citicorp beschließt die Spaltung in zwei Gesellschaften - und bekommt damit eine neue Struktur.
Die Finanzkrise hat Amerikas Großbanken erneut zu verzweifelten Sanierungsschritten gezwungen. Die Citibank spaltet sich auf, und die Bank of America zapft zum zweiten Mal den staatlichen Rettungsfonds an.
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In den vergangenen Monaten haben beide Finanzkonzerne schwere Verluste erlitten. Für die gebeutelte Citigroup war es schon der fünfte Quartalsverlust in Folge.
Die einst weltgrößte Bank verbuchte nach Angaben vom Freitag Einbußen von mehr als acht Milliarden Dollar. Damit hat die Citigroup im vergangenen Jahr insgesamt 19 Milliarden Dollar verloren. Nun wird der Allfinanzkonzern zweigeteilt.
Brokerfirma Morgan Stanley Smith Barney
Das klassische Bankgeschäft soll unter dem Namen Citicorp weitergeführt werden. Risikoreiche Vermögenswerte sollen ausgegliedert und künftig von der neugeschaffenen Citi Holdings verwaltet werden.
Mit der Aufspaltung kehrt die Citigroup zu der Struktur von 1998 zurück, als Citicorp mit der Travelers Group fusionierte. Frühere Konzernchefs träumten davon, einen Supermarkt zu schaffen, der Finanzdienstleistungen aller Art im Angebot haben sollte.
Dieser Traum ist geplatzt. Stück für Stück zerschlägt der heutige Citigroup-Chef Vikram Pandit den globalen Konzern. Erst Anfang der Woche hatte sich die Citigroup von ihrer erfolgreichen Vermögensverwaltung Smith Barney getrennt und sie in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Morgan Stanley eingebracht.
Die ehemalige Investmentbank zahlt der Citigroup 2,7 Milliarden Dollar dafür und wird 51 Prozent der Anteile besitzen, die Citigroup erhält den Rest. Die neue Brokerfirma soll Morgan Stanley Smith Barney heißen und mehr als 20.000 Anlageberater beschäftigen. Im vergangenen Jahr hatte die Citigroup schon ihr deutsches Privatkundengeschäft verkauft.
Auch die Bank of America befindet sich in akuter Not. Zwar hat das Institut aus North Carolina im vergangenen Jahr noch einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar erzielt. Doch im abgelaufenen Quartal beliefen sich die Verluste auf 2,4 Milliarden Dollar.
Damit reichen die eigenen Kapitalreserven nicht mehr aus, um die bereits beschlossene Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch zu stemmen. Erneut musste die Bank of America den Staat um Hilfe bitten.
Nach wochenlangen Verhandlungen stellte die US-Regierung am Freitag 20 Milliarden Dollar bereit und garantiert darüber hinaus Verluste aus faulen Kreditgeschäften in Höhe von 118 Milliarden Dollar.
"So normal wie möglich"
Schon im September hatte die Bank of Amerika 25 Milliarden Dollar vom Staat erhalten. Am Freitag erklärte sie, die neue Finanzspritze erlaube es ihr, ihre Geschäfte "so normal wie möglich" fortzuführen.
Die Bank of America hatte die einst drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch im September für 50 Milliarden Dollar übernommen und sitzt seither auf einem Berg fast unverkäuflicher Kreditderivate. Allein im vergangenen Quartal erwirtschaftete Merrill Lynch ein Minus von 15,3 Milliarden Dollar.
Bisher hat die Regierung in Washington vermieden, Mehrheitsanteile der angeschlagenen US-Banken zu übernehmen. Dabei ist sie längst der einzige Investor, der noch bereit ist, den Finanzkonzernen Geld zu geben.
Allein für die Citigroup und die Bank of Amerika summieren sich Garantien und Kapitalzufuhren inzwischen auf 420 Milliarden Dollar. Als Schatten-Verstaatlichung kritisieren Experten das System, da es das Ausmaß der Risiken verschleiere, das die Regierung eingehe, um die Banken zu retten.
Der künftige US-Präsident Barack Obama, der kommende Woche vereidigt wird, hat bereits grundlegende Änderungen bei der Verwendung der Hilfen für die Wall Street angekündigt. Sollten sich die Verluste der Branche weiter häufen, könnte er gezwungen sein, das gesamte Finanzsystem unter staatliche Kontrolle zu stellen.
(sueddeutsche.de/hgn)
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