Von Janis Vougioukas

Eine kleine Revolution: Bisher zierte das feiste Porträt des "Großen Vorsitzenden" alle chinesischen Banknoten - doch zu Olympia wird erstmals ein Geldschein ohne Mao-Porträt gedruckt.

Die Chinesen nennen ihn noch immer "den Vorsitzenden Mao". Und sein einbalsamierter Körper liegt bis heute im Mausoleum in der Mitte des Platzes des Himmlischen Friedens, direkt im politischen Zentrum des Landes. Auf den ersten Blick hat Mao Zedong 32 Jahre nach seinem Tod nicht an Einfluss eingebüßt, auch wenn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Montag die Meldung verbreitete, dass zu den Olympischen Spielen ein neuer Geldschein ausgegeben werden soll.

Ein Mann deutet auf das Mao-Porträt auf einer chinesischen 100-Yuan-Banknote - der neue Geldschein dagegen zeigt den Gründer der Republik nicht mehr. (© Foto: AP)

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Statt Mao ein nackter Diskuswerfer

Bisher zierte das feiste Porträt des Revolutionärs die Vorderseite aller chinesischer Banknoten. Der neue Zehn-Yuan-Schein (Gegenwert: 93 Cent) ist in hellem Grün gedruckt, mit einem riesengroßen Bild des neuen Nationalstadions, des berühmten Vogelnestes. Zwar ist auf der Rückseite eine Person abgebildet, allerdings der griechische Diskuswerfer Diskobolos, nackt wie die Statue im Original.

Mao selbst hatte sich gewünscht, nach seinem Tod eingeäschert zu werden, die Asche sollte verstreut werden. Er wollte keine Pilgerstätte schaffen und fürchtete auch, dass sein Körper Opfer politischer Kurswechsel werden könnte. Mao hatte nicht vergessen, dass die Roten Garden wenige Jahre vor seinem Tod während der Kulturrevolution die Gräber alter Revolutionäre auf dem Babaoshang-Friedhof geschändet und mit den Köpfen Fußball gespielt hatten. Doch kein Mitglied der kommunistischen Führung traute sich nach seinem Tod die Verantwortung für die Einäscherung zu übernehmen.

"70 Prozent gut"

Tatsächlich hat die Volksrepublik nie den Versuch unternommen, das Verhältnis zu ihrem Gründer neu zu definieren. Chinas Intellektuelle bestreiten nicht mehr, dass Mao mindestens 30 Millionen Menschen auf dem Gewissen hat, doch noch immer gilt die von Deng Xiaoping ausgegebene Formel, Mao sei "70 Prozent gut und 30 Prozent schlecht" gewesen.

Er war am 26. Dezember 1893 als ältester Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie im kleinen Dorf Shaoshan in der südchinesischen Provinz Hunan geboren worden. Während der Revolution des Jahres 1911 diente er als Soldat. Später zog er nach Peking und arbeitete als Aushilfe in einer Universitätsbibliothek. Es heißt, dass er dort zum ersten Mal mit den Schriften der großen kommunistischen Theoretiker in Berührung kam.

Hip-Hop mit Mao-Parolen

Am 23. Juli 1921 war Mao einer der 13 Delegierten, die in Schanghai die Kommunistische Partei Chinas gründeten. Er führte später die Volksbefreiungsarmee gegen die japanischen Besatzer und gewann im Bürgerkrieg gegen die Nationalisten. Eine Million Menschen sollen sich am 1.Oktober 1949 auf dem Platz des Himmlischen Friedens versammelt haben, als Mao die Gründung der Volksrepublik China ausrief.

Bis heute ist Mao nicht aus dem chinesischen Alltag wegzudenken. Mao-Glücksbringer baumeln an den Rückspiegeln fast aller chinesischen Taxis, Millionen pilgern zu seinem Geburtshaus. Zum 110. Geburtstag des Revolutionärs veröffentlichte die Pekinger Regierung Hip-Hop-Lieder mit Mao-Parolen. "Um die Ideen des Vorsitzenden der Jugend nahezubringen". Auch das große Porträt am Eingang der Verbotenen Stadt ist mehrmals ausgetauscht worden. Mao wirkt jetzt jugendlicher.

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(SZ vom 08.07.2008/jkr)