Die schwarz-gelbe Koalition um Kanzlerin Angela Merkel und ihren Vize Guido Westerwelle spart nicht, um den Etat zu retten - ihr geht es um Umverteilung. Dieses Sparen ist destruktiv.
Die gelb-schwarze Bundeskanzlerin spielt die schwäbische Hausfrau, die nicht mehr Maultaschen auf den Tisch stellt als das Haushaltsbudget zulässt. So vernünftig die Argumentation klingt, sie ist falsch. Die Familienidylle auf die Wirtschaft zu übertragen, ist ein Fehlschluss.
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Sparen, sparen, sparen: Die Bundesregierung, hier Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vize Guido Westerwelle, müssen die Ausgaben reduzieren. Es müsste selektiv vorgegangen, außerdem Prioritäten gesetzt werden. (© getty)
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Das Wort "sparen" vertuscht die Absichten der Regierung und vernebelt die Verletzung, die dem einfachen Volk zugefügt wird. Zwar ist es richtig, dass der Staat die Ausgaben an rückläufige Einnahmen anpasst, teilweise kürzt oder ganz streicht. Aber er soll dabei nicht zum Rasenmäher greifen, sondern selektiv vorgehen und finanzielle Prioritäten setzen. So aber, wie die Bundesregierung spart, ist dies eine Waffe im Verteilungskampf.
1. Dieses Sparen ist Umverteilen. Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sei ein Gebot der Generationengerechtigkeit, wird erklärt. Allerdings entspricht der steigenden öffentlichen Verschuldung ein steigendes Vermögen privater Haushalte. Es gibt keine Schuldner, ohne dass es gleichzeitig Gläubiger gibt. Die Kürzung öffentlicher Ausgaben ist Bestandteil einer Umverteilungskette, die aus drei Gliedern besteht.
Das erste Kettenglied war die angebliche Bankenrettung. Die Regierung wiegelte zunächst ab, ließ die Krise beobachten und stolperte dann in den dramatisch inszenierten Brandherd hinein. Ein fairer Interessenausgleich war nicht vorgesehen. Niemand mutete den Banken und Gläubigern zu, auf Forderungen zu verzichten oder ermöglichte den Schuldnern eine Umschuldung, ein Moratorium oder einen Schuldenerlass. Statt dessen blieben die Verursacher des Desasters verschont, die von ihnen angehäuften Lasten wurden der Allgemeinheit aufgebürdet. Banken, die zu groß waren, als dass man sie hätte fallenlassen können, wurden zu noch größeren Einheiten geschachtelt.
Das zweite Glied in der Kette war die angebliche Stabilisierung des Euros. Ihr Verlauf folgte dem gleichen Muster. Die deutsche Kanzlerin drohte den Griechen mit dem Rückfall in die Drachmen-Währung. Deutsche Hilfe gebe es nur als Ultima Ratio unter dem Schirm des Internationalen Währungsfonds. Wieder stolperte die Regierung in eine gigantische Rettung. Die Banken blieben verschont, eine geordnete Insolvenz wurde ausgeschlossen. Dass der europäische Währungsraum eine politische Option und keine finanztechnische Werkstatt ist, dass er die Annäherung der Lebensverhältnisse bezweckt, dass er solidarische Transfers (vergleichbar dem föderalen Finanzausgleich) und einen Reservefonds braucht, um regionale Ungleichgewichte auszugleichen - dies alles war nicht im Blick.
Nach Banken- und Eurorettung muss gespart werden - dies erfolgt asymmetrisch, dies ist das dritte Kettenglied. Die unmittelbar wirksamen Kürzungen treffen die schon Benachteiligten, Armen und Ausgeschlossenen. Die obere Mittelschicht, die Wohlhabenden und die extrem Reichen können sich beruhigen, für sie bleibt es bei Ankündigungen.
2. Dieses Sparen ist destruktiv. Den Kraftakt des Sparens rechtfertigen die Kanzlerin und der von ihr seit Jahren gewünschte Vizekanzler damit, dass wir alle über unsere Verhältnisse leben. Das ist nicht der Fall. Deutschland erwirtschaftet einen strukturellen Leistungsbilanzüberschuss: Das Land stellt mehr Güter her als es verbraucht, und das, ohne diese Lücke durch Importe zu schließen. Davon abgesehen, wer ist eigentlich gemeint, wenn so geredet wird? Wie alleinerziehende Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, über ihre Verhältnisse leben, das wissen allein Frau Merkel und Herr Westerwelle. Zahlreiche vitale Bedürfnisse sind in unserer Gesellschaft nicht befriedigt - zum Beispiel das Bedürfnis, ein eigenständiges Leben zu führen, im Einklang mit der Umwelt zu leben oder souverän über die eigene Zeit zu verfügen. Dringende öffentliche Aufgaben werden nicht oder nur miserabel erledigt. Und das Arbeitsvermögen junger Menschen, die perspektivlos in Warteschleifen herumhängen, wird verschlissen.
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Schuldenkrise in Griechenland
"Klar, einfach, nüchtern" analysiert, beobachtet und sachlich zusammengefasst - kann sich doch heute niemand mehr den Fakten und Tatsachen verschließen, dass sämtliche Gesetze und Reformen der letzten Dekade nur einem Ziel dienten: der Umverteilung von Einkommen und Vermögen ...
Wobei die Politik sich und ihre Klientel vornehm schadfrei gehalten hat, während sie den Bundesbürgern Geld und Leistungen gekürzt und "Gürtel enger schnallen" verordnet hat ...
Und welcher christliche und soziale Demokrat zweifelt heute lautererweise noch ernsthaft daran, dass mehr und mehr fremdbestimmte Parteien und egomane, korrumpierbare Politiker das akzeptabel ausgewogene und gerechte, empfindliche Gleichgewicht einer SOZIALEN Marktwirtschaft - scheibchenweise antisozial und nachhaltig Gemeinwohl schädlich - abgeändert und verändert haben ?!?
Unsere Marktwirtschaft ist längst nicht mehr SOZIAL - und entwickelt sich zur Plutokratie ...
"Die zunehmende ideologische(!) Fremdbestimmung(!) in unseren Parteien und die zunehmende(hört hört!) Korrumpierbarkeit(?) unserer egomanen(!) Volksvertreter (und zu allem Überffluss : ...) in Verbindung mit der Definierung eines "falschen Leistungsgedanken"(!), ..."
Ob das noch mal was wird , bei Ihnen : einen klaren einfachen nüchternen unverquasten Gedanken zu fassen ?
"fair-play's Rezept : Man verfrachte die Schwarz-Gelben auf die Halbinsel Sachalin - ... und alles wird gut !"________________Das wäre eine nicht genehmigte Abfall Entsorgung und die Russen würden sie zurück schicken weil sie es schaffen würden selbst deren Industrie und Wirtschaft zu unterminieren!
Ich zerstöre ja nur ungerne das Bild, das Sie von mir offenkundig haben ...
Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich als christlich-sozialer und auch ökologisch-liberaler Demokrat (immerhin war ich 20 Jahre CDU/CSU-Mitglied) keinen Menschen irgendwohin "verfrachten" oder "deportieren" würde ...
Die zunehmende ideologische Fremdbestimmung in unseren Parteien und die zunehmende Korrumpierbarkeit unserer egomanen Volksvertreter in Verbindung mit der Definierung eines "falschen Leistungsgedanken", veranlasst mich allerdings mit meinen Kommentaren seit über zwei Jahren hier im Kommentarbereich des Südcafé auf Missstände, Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten aller Art und Güte hinzuweisen - dies zugegebenermaßen auch gerne polemisch und überspitzt ... ;-)
Nachdem ich Sie für ideologisch genauso wenig voreingenommen halte, wie ich es bin, können wir uns gerne bei Gelegenheit in unseren Gästebüchern weiter darüber austauschen ...
Da jeder Mensch mehr oder weniger egoistisch ist, wenn er nicht besonders dämlich oder ein Heiliger sein will, hätte die Politik die Aufgabe, Partikularinteressen gegen das Gemeinwohl abzuwiegen und einen Interessensausgleich zugunsten des Gemeinwohls herbeizuführen. Da aber auch Politiker nicht nur gerne wichtig sind, was in der Natur der Sache liegt, sondern auch Egoisten und zuweilen die gleichen Gierhälse sind wie Steuerhinterzieher, Ausbeuter und Schmarotzer (ich meine die, die sich vor dem Steuerzahlen drücken aber alle Leistungen des Staates für sich in Anspruch nehmen). Gleiches gilt auch für unsere Parteien. Aber das alles ist Systemimmanent, denn auch der akzeptierte Lobbyismus, die Einflussnahme auf Politik ist nur mit Geld, d.h., über das Bedienen von Einzel- und Gruppenegoismen oder Gier möglich. Bestechung von Abgeordneten ist immer noch halblegal, d.h., das wird nicht geahndet. Soweit so schlecht.
Wenn aber die Gier so übermäßig gewachsen ist, dass hemmungsloses Kassieren von Parteispenden als Gegenleistung für Steuersenkungen, das Verspielen der Zukunft eines Landes, zumindest der Materiellen Gestaltungsfähigkeit, zugunsten von Banken, Milliardären und Großunternehmen international zur Normalität geworden ist, dann wird es Zeit, die Notbremse zu ziehen.
Eine Lösung wäre, einfach die Demokratie wieder einzuführen und bereits den normalen Lobbyismus unter Strafe zu stellen.
Paging