Börsengang Wie komme ich an Facebook-Aktien?

Das größte soziale Netzwerk will an die Börse und mit unseren Daten ordentlich verdienen. Könnte man davon nicht etwas abbekommen? Facebook-Aktien sind für Kleinanleger kaum zu bekommen - aber vielleicht gibt es doch Wege.

Ein Selbstversuch von Viktoria Großmann

Steve Wozniaks Empfehlung ist eindeutig: Er wird Facebook-Aktien kaufen, egal zu welchem Preis. Der 62-Jährige muss es wissen. Er hat einst, Mitte der siebziger Jahre, in einer Garage mit Steve Jobs den ersten Apple-Computer zusammengeschraubt - und damit den Grundstein zu jenem Unternehmen gelegt, das inzwischen das wertvollste der Welt ist. 558 Dollar kostet eine Apple-Aktie.

Eine Facebook-Aktie könnte nun für 35 Dollar zu haben sein. Wozniak ist allerdings nicht nur einer, der sich mit Technik auskennt. Er hat auch mehrere Milliarden Dollar auf dem Konto. Eine deutsche Kleinanlegerin kann davon nur träumen. Und will vielleicht trotzdem beim großen Börsengeschäft dabei sein. Sie will Aktien des sozialen Netzwerkes Facebook kaufen - und zwar nicht erst, wenn diese so teuer sind wie die von Apple. Doch wie kommt man an die Papiere? Ein Selbstversuch.

Die wunderbare Welt von Facebook preist Gründer Mark Zuckerberg. Also sucht man in seinem sozialen Netzwerk nach: Facebook Stock Exchange. Es gibt genau ein Ergebnis, und es heißt: "Facebook must not go to (wall street) stock Exchange" - Facebook darf nicht an die Börse gehen. Es ist eine offene Gruppe. Ihr Gründer Adam Fred schreibt darauf: "Tatsache ist, dass viele Menschen, die Facebook nutzen, die Wall Street nicht mögen. Viele Freunde werden Facebook nicht mehr nutzen, wenn es an die Börse geht."

Fred scheint sich getäuscht zu haben. Die Gruppe hat zwei Mitglieder - seit Februar. Die Gruppe "Keinen Börsengang von Facebook" hat immerhin 55 Mitglieder. Aber auch das ist die falsche Adresse für diejenige, die sich an diesem Börsengang beteiligen will.

Also ruft man seine Bank an. Es ist eine Genossenschaftsbank, große Community, passt doch zu Facebook. Eine Beraterin erklärt mit fester Stimme, wer Aktien haben wolle, müsse zunächst ein Depot-Konto eröffnen. Noch bewegt sie sich auf sicherem Boden. Der Hinweis, dass Facebook am Freitag an die Börse gehen will, überrascht sie. "Was? Diese Woche schon?" Davon hat sie im Hause noch nichts gehört. Sie fasst sich und kehrt zurück auf den Boden der Bankberatertatsachen.

Man wolle also Aktien zeichnen, nun, da sei die Frage, ob man sie überhaupt bekomme. Wenn es nämlich zum Beispiel eine Million Wertpapiere gäbe, aber 1,5 Millionen Interessenten, dann sei die Aktie überzeichnet - das überzeugt. In diesem Fall würden dann die vorhandenen Papiere zugeteilt, zum Beispiel bekäme die Kleinanlegerin nur die Hälfte der gewünschten Anzahl an Aktien, oder nur jeder Dritte würde bedient. "Sie haben bestimmt Internet?", fragt sie noch. Dort könne man sicher ausreichend Informationen finden.

Auf der Suche nach Online-Brokern stößt man auf Flatex. Gleich von der Homepage führt der Link zu Informationen über die Facebook-Aktie. Zeichnen kann man freilich auch hier nicht. Immerhin: Sobald die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq verzeichnet sei, heißt es, könnten Kunden "sofort an der Kursentwicklung des US-Unternehmens partizipieren" - vorausgesetzt, man besitze ein CFD-Konto.

Was ist ein CFD-Konto?

Aber was ist ein CFD-Konto? Mit diesem, erklärt der Online-Broker, kann man mit den Preisveränderungen von Aktien spekulieren, ohne diese selbst besitzen zu müssen. Die Differenz zwischen Kaufs- und Verkaufspreis eines CFD ergebe Gewinn oder Verlust. Aber eigentlich will man die Aktie ja zeichnen, um sie später selbst zu besitzen. Wenn Facebook schon mit unseren Daten Geschäfte macht, sollten wir davon etwas abbekommen.

Es bleibt der Anruf bei einem Finanzberater der Deutschen Bank, eine der 33 Banken weltweit, die den Börsengang begleiten. Die Leitung ist besetzt - laufen die Facebook-Interessenten Sturm? Ach was. "Da haben Sie mich jetzt kalt erwischt", sagt, nachdem er endlich am Telefon ist, der Anlageberater.

Zurück also ins Internet. Dort erfährt man, dass die Deutsche Bank gar keine Facebook-Aktien anbieten darf, weil das den US-Banken des Konsortiums vorbehalten ist. Wollte man in Amerika zeichnen, müsste man dort ein Depot haben. Was sagt eigentlich Mr. Zuckerberg dazu? Der postet am 6. März ein Foto von seinem weißwuscheligen Hund und schreibt dazu: "Ich liebe ihn wirklich." Zuletzt berichtet er am 9. April aufgeregt vom Kauf des Fotodienstes Instagram. Vom Börsengang kein Wort.

Da endlich kommt der Rückruf der Stadtsparkasse: Sobald Facebook börsennotiert sei, stünden die Aktien zum Kauf bereit, die Sparkasse ist gerne behilflich. Fragt sich nur, zu welchem Preis.