Von Harald Freiberger

Es hat in Deutschland schon lange keinen richtigen Börsengang mehr gegeben. Nun wagt sich ein erster Kandidat aus der Deckung - und weckt Hoffnungen auf mehr.

An der Zahl der Börsengänge lässt sich ablesen, wie es einer Wirtschaft geht. Der deutschen Wirtschaft geht es demnach sehr schlecht. Es ist mehr als zwei Jahre her, dass sich ein größeres Unternehmen an die Börse wagte. Im November 2007 gelang es der Hamburger Hafen und Logistik AG, Aktien unter die Investoren zu bringen. Seitdem kamen in Deutschland allenfalls kleine Fische an die Börse, einige große scheiterten damit kläglich.

Frankfurter Börse; ddp

Ein Broker im Handelssaal der Frankfurter Börse: Noch halten sich die Unternehmen mit einem Start an die Börse zurück. Doch Experten rechnen damit, dass sich das in den kommenden Monaten ändern könnte. (© Foto: ddp)

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Am Dienstag wagte sich nun der erste Börsenneuling 2010 aus der Deckung. Es handelt sich um keinen richtigen Börsengang einer Firma, sondern um eine Sonderform davon, die Spac genannt wird. Die Gesellschaft, die zu diesem Zweck erst gegründet wurde, heißt Helikos. Sie ist dazu da, erst einmal 250 Millionen Euro bei Investoren einzusammeln.

Der versteckte Gewinner

Die Aktien werden ab 2. Februar an der Frankfurter Börse gehandelt. Helikos dient als Investment-Vehikel, das kein eigenes Geschäft macht, sondern nur dazu da ist, mit dem eingesammelten Geld innerhalb der nächsten zwei Jahre eine andere Firma zu übernehmen.

Diese Firma soll ein so genannter "Hidden Champion" aus Deutschland sein, also ein weitgehend unbekanntes Unternehmen, das in seinem Bereich weltweit eine wichtige Rolle spielt. Der Hidden Champion übernimmt die Börsennotierung von Helikos und kann mit dem Geld sein weiteres Wachstum finanzieren - sofern die Helikos-Investoren zustimmen.

Diese wiederum profitieren, wenn der Börsengang erfolgreich ist. Für die übernommene Firma hat ein Spac den Vorteil, dass sie den Börsengang mit all seinen Risiken nicht selbst organisieren muss.

Im letzten Moment abgesagt

Wie riskant das sein kann, haben in den vergangenen Wochen in Deutschland mehrere Firmen erfahren: Kurz vor Weihnachten wollte der Bauriese Hochtief seine Tochter Concessions, die Anteile an mehreren Flughäfen hält, an die Börse bringen. Das sollte eine Milliarde Euro in die Kasse spülen, doch im letzten Moment musste der Schritt überraschend abgesagt werden. Es fanden sich nicht ausreichend Investoren, die den gewünschten Preis für die Aktie zahlen wollten.

Hochtief verwies auf die "jüngsten Verwerfungen auf den Kapitalmärkten" und meinte damit vor allem die Dubai-Krise. In Investorenkreisen heißt es dagegen, es habe auch am Zeitpunkt gelegen: Kurz vor Weihnachten hätten viele ihre Bücher schon geschlossen und wagten keine Risiken mehr.

Allenfalls ein Trippelschritt

Nicht viel besser erging es zur selben Zeit dem dänischen Wind- und Solarparkbetreiber Scan Energy, der ebenfalls in Deutschland Aktien auf den Markt bringen wollte. Er machte die "Zurückhaltung der Investoren" dafür verantwortlich.

Die Bilanz für 2009 sieht trübe aus: Nur der chinesische Mobilfunkzulieferer Vtion ging in Deutschland an die Börse. Dabei handelt es sich mit einem Erlös von 56 Millionen Euro aber eigentlich um keinen Gang, sondern allenfalls um einen Trippelschritt.

"Gut gefüllte Pipeline"

Das 250-Millionen-Geschäft von Helikos könnte nun die Initialzündung für ein besseres Jahr 2010 sein. Georg Hansel, Chairman des europäischen Aktienemissionsgeschäfts der Deutschen Bank, die die Transaktion betreut, glaubt nicht, dass Helikos zum "Eisbrecher für andere Börsengänge" wird; dazu sei das Produkt Spac zu speziell. Andererseits habe die Deutsche Bank aber "eine sehr gut gefüllte Pipeline" mit einer Reihe größerer Mandate.

Hansel erwartet deshalb, dass 2010 ein gutes Jahr für Börsengänge wird. Schon im zweiten Quartal werde man einige größere Börsengänge im Umfang von mehr als 500 Millionen Euro sehen. Die Börsengänge seien zum einen nötig, weil Finanzinvestoren die Eigenkapitalausstattung ihrer Beteiligungen verbessern oder ganz aus diesen aussteigen wollen. Und nicht zuletzt brauchten zahlreiche Unternehmen Geld, um künftiges Wachstum zu finanzieren.

Die Investmentbank JP Morgan sieht das ähnlich: Allein im ersten Halbjahr sei mit zehn bis 15 Börsengängen zu rechnen, eine Reihe davon könnte über eine Milliarde Euro erreichen, so der für das Geschäft zuständige Joachim von der Goltz.

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(SZ vom 13.01.2010/mikö)