Alle Hoffnung war vergebens: Die gemeinsame Zinssenkung der Notenbanken zeigt keine Wirkung. Der Dax schlitterte am Ende des Handelstags ins Minus - und der Dow Jones fiel unter die 9000-Punkte-Marke.
Die Beruhigungsspritze der wichtigsten Notenbanken zeigt weiterhin kaum Wirkung: Nach der gemeinsamen Leitzinssenkung fielen die weltweiten Börsen am Donnerstag erneut.
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Talfahrt für den Dax: In der letzten Handelsstunde fiel der deutsche Leitindex noch ins Minus. (© Foto: dpa)
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Getrieben von Rezessionsängsten haben die US-Börsen am Donnerstag den siebten Tag in Folge mit massiven Verlusten beendet. Nach einem regelrechten Ausverkauf zum Handelschluss schlossen die drei wichtigsten Indizes auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schoss 7,3 Prozent in den Keller auf seinen mit 8579 Punkten tiefsten Stand seit Juni 2003. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 8579 und 9448 Punkten. Kurz nach der Eröffnung der Wall Street war der Dow noch um 140 Punkte nach oben geschossen, ging dann aber wieder auf Talfahrt wie die übrigen weltweiten Aktienmärkte.
Auf den Tag genau vor einem Jahr hatte der Index mit 30 führenden US-Werten seinen bisherigen Rekordschlussstand von 14.164,53 Punkten erreicht. Seither verlor er damit rund 40 Prozent.
Der breiter gefasste S&P-500 rutschte mit einem Verlust von 7,6 Prozent das erste Mal seit mehr als fünf Jahren unter 950 Zähler und schloss bei 909 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbuchte ebenfalls seinen stärksten Verlust seit 2003 und schloss mit 5,5 Prozent im Minus bei 1645 Punkten. Der wichtigste deutsche Börsenindex Dax zeigte sich zunächst stabil, drehte dann jedoch in der letzten Handelsstunde deutlich ins Minus und ging 2,5 Prozent tiefer bei 4887 Punkten aus dem Handel.
Mit ein Grund für den Absturz unter die Marke von 9.000 waren drastische Kursverluste bei den Aktien von General Motors. Der mit Milliardenverlusten kämpfende US-Autobauer stürzte um weitere 31 Prozent auf nur noch 4,76 Dollar ab - sie lag damit so tief wie seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht. Auch in Europa sinkt der GM-Absatz jetzt. Dem Konzern droht zudem eine weitere Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit.
Im krisengeschüttelten Island wurde unterdessen der Handel bis Montag sogar komplett ausgesetzt. Der Betreiber der isländischen Börse in Reykjavik begründete den Handelsstopp mit der "ungewöhnlichen Marktsituation" auf der Atlantikinsel. Die Regierung musste nacheinander die drei größten Geldhäuser verstaatlichen, um einen "Staatsbankrott" zu verhindern.
Bangen um Ungarn
Nach Island hat die Finanzkrise auch Ungarn schwer erschüttert. Die Landeswährung Forint und Staatsanleihen verbuchten kräftige Verluste, weil an den Märkten die Sorge über die hohe Verschuldung des Landes sowie den Zustand der heimischen Bankbranche zunahmen.
Der Handel mit ungarischen Staatsanleihen brach zeitweise komplett zusammen. Die Regierung und die OTP-Bank dementierten Marktgerüchte, die größte Bank des Landes stehe vor der Verstaatlichung. Die Aktie des Instituts büßte 14 Prozent ein. Der Forint fiel zum Euro um fast vier Prozent. Volkswirte halten Ungarn in der derzeitigen Krise für sehr verwundbar, weil das Land hoch verschuldet ist und das Bankensystem stark von ausländischem Geld abhängig ist.
Lange Durststrecke
Trotz der Talfahrt der Börsen konnten sich vor allem Bankentitel behaupten, die nach den dramatischen Kurseinbrüchen der vergangenen Tage deutlich zulegten. Die Commerzbank war mit einem Kurssprung von 7,98 Prozent auf 10,75 Euro der Tagessieger unter den 30 führenden Aktienwerten. Die Papiere der Hypo Real Estate stiegen um 7,04 Prozent auf 4,41 Euro. Analysten erklärten die Kursgewinne vor allem mit einer Gegenbewegung wegen der vorausgegangen Einbrüche.
Ein Händler in Frankfurt sagte zur deutschen Börse: "Nach dem Schock von gestern beruhigt sich die Lage nun erstmal wieder ein bisschen." Allerdings bedeute das nicht, "dass der Sturm schon ganz vorbei ist".
Nach Einschätzung einiger Analysten werden Börse und Wirtschaft so lange schwächeln, bis die Immobilienpreise in den USA nicht mehr fallen und die Banken wieder genug Geld zur Verfügung haben.
Der EuroStoxx 50, der die größten europäischen Unternehmen umfasst, lag zeitweise bei knapp zwei Prozent im Plus, drehte dann aber auch in die Verlustzone. Er schloss bei 2629 Punkten und gab damit um 2,5 Prozent oder 66 Punkte nach.
Nikkei im Minus
In Asien hatte die Talfahrt der Börsen am Morgen begonnen. Der japanische Nikkei für 225 führende Werte schloss auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. "Selbst wenn es die Regierungen schaffen, die Sorgen um die Finanzkrise und das fehlende Vertrauen zu lindern, bleiben die Ängste um die Wirtschaftsentwicklung bestehen und der Markt wird sich dann darauf konzentrieren", erklärte ein Börsenexperte in Tokio die Nervosität.
Der Euro fiel erneut. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3682 (Mittwoch: 1,3731) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,7309 Euro. Der Ölpreis zog dagegen wieder leicht an. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im November kostete im Nachmittagshandel 89,20 Dollar und damit 25 Cent mehr als am Vortag.
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(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob/hai)
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Auch, wenn der Pessimismus momentan sehr groß ist, so denke ich, sieht die Welt in 1-2 Jahren schon wieder komplett anders aus. Ich vermute, dass auch viele dasitzen und abwarten, denn warum soll jemand kaufen, wenn soviele verkaufen wollen, und die Preise damit noch sinken?
Meine Hoffnung ist eben nach wie vor, dass die aktuelle Krise dazu führt, zu überdenken, ob man wirklich und immer bis an die Grenze seiner möglichen Schuldenaufnahme, sogar noch unter Einberechnung zukünftigen Wachstums, gehen sollte. Denn leider ist dieses Denken und Vorgehen nicht nur im Staat, sondern auch in Unternehmen und bei Privatleuten üblich. Und letztendlich führt solche Vorgehensweise immer zu den bekannten extremen Reaktionen.
Dann hätten man das Depot eben (teilweise) verkaufen oder zumindest absichern sollen, als sie die Pläne gemacht haben und der Wert zu realisieren war. Oder man hätte eben mal einen Stop Loss, und wenn es 25% unter dem max. Depotwert ist, setzen sollen.
Wenn Sie wirklich ein ehemaliger Banker sind, dann sollten Sie auch wissen, dass die Börse keine Einbahnstrasse ist und auch die Mechanismen kennen.
Sie theoretisieren:
Wenn der Kurswert meines Aktiendepots von heut auf morgen um 50.000 geschrumpft ist, ist das kein virtueller Vorgang, sondern ein ganz reeller.
Die Investitionen (Wohnungskauf), die ich geplant habe, kann ich jetzt nicht verwirklichen Die Verluste bringen meine Lebensplanung etwas und die meiner Tochter ganz schön durcheinander.
P.S: Es ist nett, wie Sie den Depotwert und den realisierbaren Wert einem ehemaligen Banker (i.R.) erklären.
;))
Die US-amerikanischen ArbeitnehmerInnen, welche vor Jahresfrist noch von einem mehr oder weniger angenehmen RentnerInnendasein träumten, werden wohl länger arbeiten oder in größerer Zahl tatenlos einer (relativen) Altersarmut ins Auge schauen müssen.
Grund: Viele Pensionskassen investier(t)en das Beitragsaufkommen in Aktien, reduzierte bis ausbleibende Dividendenzahlungen, ...
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2 Billionen US-Dollar Verlust am Wert von 30 Unternehmen in 12 Monaten ...
... in dieser Börsenmarktentwicklung steckt immenser, zusätzlicher US-binnenpolitischer sozialer Sprengstoff, welcher sich auch außenpolitisch negativ auswiken kann.
So sehr ich den (Ver)ZockerInnen sonst was an den Hals wünsche, so sehr wäre es zu begrüßen, dass diese in mehrerlei Hinsicht katastrophale Abwärtsentwicklung an den Börsen endlich stoppt - nur glaube ich heute noch nicht daran.
"Dass dabei gewaltige Werte und Ersparnisse anderer Anleger vernichtett "
Virtuelle Werte anderer Anleger. Es gibt ein Unterschied zwischen dem Depotwert und dem realisierbaren Wert. Denn der Depotwert ist die Stückzahl multipliziert mit dem (letzten) Kurs. Nur heisst Kurs, dass der letzte Handel, im Extremfall einer Aktie, zu diesem Kurs stattgefunden hat. Es ist niemals sicher, ob sich alle Aktien im Depot zu diesem Kurs verkaufen lassen. Bei kleinen Anzahlen (gemessen an der gesamten emittierten Anzahl) mag das weitestgehend stimmen. Bei größeren definitiv nicht mehr.
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