Eine Steuer auf Börsengeschäfte könnte Milliarden Euro in die Staatskassen bringen. Wie viel genau - darüber gehen die Rechnungen auseinander.
Die SPD möchte die Börsenumsatzsteuer wiederbeleben, um Spekulanten abzuschrecken und dem Fiskus eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Deshalb könnten künftig an der Börse gehandelte Wertpapiere ab einem Umsatz von 1000 Euro mit 0,5 Prozent des Kurswerts besteuert werden; in Sonderfällen würden bis zu 1,5 Prozent fällig. Betroffen wären die Käufer von Aktien, Anleihen und Zertifikaten. Davon versprechen sich die Sozialdemokraten Einnahmen von 2,5 bis drei Milliarden Euro im Jahr. Wie die Steuer en détail aussehen könnte, bleibt bislang jedoch unklar.
Ein Börsenhändler sieht Finanzminister Steinbrück im Fernsehen zu: Steinbrücks SPD verspricht sich von einer Börsenumsatzsteuer Einnahmen in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro. (© Foto: AP)
Anzeige
Das Steueraufkommen von drei Milliarden Euro, mit denen die SPD kalkuliert, ist vor allem eine politische Größenordnung, hinter der noch kein fertiges Konzept steht. Vielmehr geht es den Sozialdemokraten vor allem darum, die im Wahlprogramm vorgesehenen Steuererleichterungen für Geringverdiener an anderer Stelle gegenzufinanzieren. "Gemessen am früheren Aufkommen der Börsenumsatzsteuer sind drei Milliarden Euro viel. Gemessen an dem, was eine solche Steuer theoretisch einbringen könnte, ist es wenig", heißt es in Parteikreisen.
Zugleich wird freimütig eingeräumt, dass die Steuer in erster Linie zusätzliche Einnahmen bringen und nicht etwa die Spekulation an den Finanzmärkten eindämmen soll. "Wäre das das Ziel, müsste man alle Finanztransaktionen besteuern und nicht nur jene, die über die Börse abgewickelt werden", heißt es in den Kreisen.
Vorbild ist Großbritannien. Die Bundesregierung sieht in der britischen Börsenumsatzsteuer zumindest ein "diskussionswürdiges Modell". Etwa 3,8 Milliarden Pfund nahmen die Briten 2006 mit Hilfe der Stamp Tax ein, einer Stempelsteuer, die 0,5 Prozent des Verkaufspreises bestimmter Wertpapiere beträgt. Die Summe entspricht 0,29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - nicht viel gemessen an der Größe des Finanzplatzes London.
Begehrlichkeiten werden geweckt
Doch in Großbritannien gibt es zahlreiche Ausnahmen von der Stamp Tax. Staatsanleihen, Derivate und die meisten ausländischen Wertpapiere werden von der dortigen Börsensteuer nicht erfasst. In der EU gibt es neben Großbritannien noch sieben weitere Länder, die den Handel mit Wertpapieren besteuern. Neun EU-Länder haben die Börsenumsatzsteuer allerdings abgeschafft, darunter 1991 auch Deutschland.
Nun weckt das Instrument wieder Begehrlichkeiten. Eine Wiedereinführung würde Berechnungen des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) zufolge etwa 35 Milliarden Euro in die Staatskassen spülen - bei einem Steuersatz von nur 0,1 Prozent. Das wäre ein Vielfaches der Einnahmen, die sich die SPD erhofft. Anders als die SPD unterwirft das Wifo in seiner Modellrechnung sämtliche Finanzgeschäfte der Steuer: den Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen, Derivaten und Devisen - auch am Terminmarkt; Börsengeschäfte ebenso wie außerbörsliche "Over-the-counter"-Transaktionen, die direkt zwischen zwei Vertragspartnern abgeschlossen werden. So ergibt sich eine gewaltige Bemessungsgrundlage.
Der Vorschlag könnte nach dem Geschmack der Grünen sein. Ihr finanzpolitischer Sprecher Gerhard Schick klagte jüngst: "Steinbrück will nur an die Börsengeschäfte - und lässt so den Großteil der Finanzgeschäfte unbehelligt." In Deutschland sei durch die enorme Expansion der Derivatebörse Eurex im Jahr 2007 allein das Handelsvolumen mit Finanzderivaten 52,6-mal so hoch gewesen wie die Wirtschaftsleistung, sagt Wifo-Forscher Stephan Schulmeister. Der Börsenhandel mit Aktien und Anleihen sei dagegen verschwindend gering. Viel Geld zu holen gibt es demnach vor allem am Terminmarkt - und außerhalb der Börsen.
- Bundestagswahlkampf SPD vor Streit über höhere Steuern 18.04.2009
- SPD-Steuerpläne "Schlimmste Form der Abzocke" 16.04.2009
- Tobin-Steuer Die SPD will an die Börse 11.02.2009
(SZ vom 05.05.2009/tob)
Moderne Verwaltung
Natürlich ist die Börsenumsatzsteuer eine Wahlkampfsau - aber das war die MwSt und Eigenheimzulage auch mal. Lieber Gott laß es bis September nicht zu einer Flut kommen.
Sorry Rumburak aber auch Sie haben mal wieder das Therma verfehlt :-) Glatte 6.
Wer Glücksspiel und Börse auf eine Stufe stellt sollte auch lieber ins Casino gehen denn von Börse versteht er/sie rein gar nichts.
Schalten Sie mal die Glotze ab und begeben Sie sich auf den Weg des Denkens - mit dem Kopf bitte, dem Eigenen! Wo wurde die Krise ausgelöst? Mit welchen Geschäftspraktiken wurde sie ausgelöst? Haben Sie es? Genau, das Drama (Betrug) fand außerhalb der Börse statt! Lehmann Zertifikate konnte man zwar an der Börse tauschen, der innere Wert dieser Papiere wurde aber immer noch in einer Investmentbank bestimmt. Und wenn Oma sowas kauft obwohl sie es nicht versteht dann ist doch nicht die Börse daran schuld! Befindet sich ein ganzes Volk in der mentalen Generalverdunklung??? Herr wirf Hirn vom Himmel!
8 % sind eine Grundsolide Gewinnerwartung! Wer sich mit weniger zufrieden gibt ist selber Schuld. Fragen Sie Ihren neten versicherungsvertreter
Tut mir leid redchili wenn ich die SPD zu hart verurteile, aber ich seh seit dem Sturz von Björn Engholm keine Lichtstreif mehr in diesem Laden. Sehen Sie einen? Frau Nales, H.Heil, H.Scholz? Mir wird schon wieder übel..... Ich bin Ossi und immer noch froh das der Spuk vorbei ist aber ich habe rote Gängelei bis zum erbr... erlebt.
Ich gebe Ihnen recht redchili, in diesem Land zu leben macht schon lange keinen Spaß mehr und es wird Zeit es zu verlassen. Wo gehen Sie hin? ich habe da eine tolle Idee :-)
Sowas dachte ich mir schon länger. Trifft es aber noch nicht ganz. Man müsste die Kursdifferenz beim Verkauf besteuern, sofern positiv. So etwa wie auch ein Glückspielgewinn versteuert wird. Und ähnlich hoch.
Gleichzeitig die Dividenden steuerlich frei oder gutstellen.
Damit würde das Gezocke eingedämmt werden und die Aktionäre hätten als "Eigentümer" auch endlich ein Interesse am langfristigen Wohlergehen eines Unternehmens.
Und der Markt käme vielleicht endlich auch in "vernünftige" Bahnen. Eine Gewinnerwartung von 8% oder mehr ist einfach Irrsinn. Wo in der realen Wirtschaft soll denn bitte dieser Gewinn realisiert werden?
da haben wir ja mal wieder einen schuldigen gefunden, der für alles büßen muss.
ich weiss nicht, was in vielen der kommentatoren hier vorgeht, aber ich werde einmal mehr im gefühl bestärkt, ich gehöre nicht in dieses deutschland.
wenigstens einen kleinen lichblick, wie den trotz spd-bashings dennoch guten beitrag von cgrube kann ich noch erkennen, aber soll halt jeder denken was er will.
die unendliche-fache besteuerung ist einfach nur ein wahnwitz, der denkt, dass 'zocker' damit bestraft werden geht nur einmal mehr dem wahlkampfgetöse auf den leim.
wodurch die weitere steuer gerechtfertigt sein sollte, fragt man sich vergebens... was kommt als nächstes? eine 'ich-geh-aus-dem-haus-steuer'?
nebenbei: mein jahresgesamteinkommen liegt weit unter 20.000 und ich bin gelegentlich an der börse tätig, insgesamt über einen zeitraum von mittlerweile 8 jahren mit über 8% rendite. bin ich ein zu bestrafender zocker? danke vielmals.
die börsenumsatzsteuer ist eine frechheit, wenn im gegenzug nicht mindestens eine völlige abgeltungssteuerbefreiung für aktiengewinne nach einer spekulationsfrist von einem jahr, realistischer lieber 6 monate herauskommt.
Verkaufen Sie mich bitte nicht für dümmer, als ich bin.
Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten dass die Aktien, die ein AktienHÄNDLER handelt, als Betriebsmittel zu werten sind? Ich würde es als Handelsware bezeichnen, d.h. die UST der eingekauften Waren kann ich selbstverständlich mit der, der verkauften Ware verrechnen... da dürfte volkswirtschaftlich trotzdem ein nettes Sümmchen herauskommen.
Aber Aktien als Betriebsmittel - kopfschüttel. Vielleicht sollte man einen Teil der Börsenumsatzsteuer in die Verbesserung der Betriebswirtscahftslehre investieren.
Steuern auf Großvermögen und Spekulation oder Mehrwert- und Verbrauchssteuererhöhung?
Denn der Pelz wird gewaschen, fragt sich nur wem:
Paging