Wie es ist, à la Jérôme Kerviel jeden Tag mit vollem Risiko an der Börse zu jonglieren - mit weniger Geld, aber genauso viel Euphorie und Panik.
Ich war ein kleiner Fisch. Ich war kein Profi, wie sie in den Großbanken sitzen und per Mausklick hunderttausende von Euros herum schieben. Oder im Fall Jérôme Kerviel auch mal fünf Milliarden Euro verzocken. Wenn es eine Hierarchie unter den täglichen Spekulanten gibt, so war ich auf der untersten Stufe. Ich schob hunderte von Euros herum. Ich schaffte es trotzdem, innerhalb einer Stunde mehrere tausend Euro in den Sand zu setzen. Es geht ganz leicht.
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Mein Leben als Spekulant: "Verkauft man die Position mit Gewinn, bekommt man eine Ahnung, was Größenwahn bedeutet: Euphorie plus eine Stimme, die einem leise einflüstert: Du hast es raus." (© Symbolfoto: ap)
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1. Alte und neue Blasen
Das tägliche Spekulieren auf eigene Rechnung, im Fachjargon Daytrading, ist kein Phänomen der Dotcom-Blase. Im Gegenteil: Die Szene wuchs nach dem Platzen der Blase an den Aktienmärkten 2000/2001 erst richtig an. Damals wurde Daytrading auch für Privatanleger möglich, dank schneller Internetverbindungen, Online-Broker und Finanzinstrumente, die nur wenig Kapitaleinsatz erfordern. Die meisten Daytrader hatten natürlich zur Zeit des Neuen Marktes Blut geleckt. Denn: Daytrading macht süchtig. Es ist nicht eins zu eins mit Spielsucht vergleichbar, aber es gibt zahlreiche Parallelen.
2. Amateure sind wie Profis
Die auflagenstärkste Zeitschrift für Daytrader, Traders', hat in Deutschland eine Auflage von 20000 Exemplaren. Ungefähr so hoch dürfte auch die Zahl aktiver Trader sein. Sie bleibt konstant. Einige kehren dem Gezocke irgendwann enttäuscht den Rücken, dafür kommen mindestens genauso viele Neue dazu. Manche von ihnen sind ehemalige Händler von Großbanken, die zuvor - wie Jérôme Kerviel oder der Engländer Nick Leeson - Absicherungsgeschäfte betrieben und es nun auf eigene Faust versuchen wollen. Die Arbeit eines Daytraders unterscheidet sich nur gering von der eines Profis wie Kerviel. Beide müssen innerhalb von Sekunden auf kleinste Bewegungen des Marktes reagieren, beide hantieren mit teilweise riesigen Summen und beide sind einem enormen Maß an Stress ausgesetzt. Nur arbeiten Daytrader auf eigene Rechnung.
Im nächsten Abschnitt: Die beiden größten Feinde des Daytraders.
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Eurovision Song Contest
Daytraden ist Spielcasino ....
Und - da hat der Autor recht - es ist wohl sehr ähnlich der Spielsucht ...
Sehr, sehr viel wahres steht in dem Artikel. Ich kenne ein paar Leute, die sich im Daytrading versucht haben. Irgendwann mal erwägt jeder Daytrader eine Umschulung auf einen weniger stressigen Beruf, wie z.B. Fluglotse...
Nur fürchte ich, daß dieser Artikel manche Leser dazu bringen könnte, den Aktienhandel insgesamt als 'Zockerei' zu verdammen. Meiner Meinung nach ist nichts falscher als das. Wenn man es so betreibt, wie es eigentlich gedacht war, dann ist die Börse kein Casino, sie ist ein Geschäft.
Auch als Kleinanleger *kann* man erfolgreich mit Aktien handeln. Natürlich nicht mit Daytrading. Aber mit einem mittel/langfristigem Horizont. Man muß sich halt für das Thema interessieren, und laufend so Dinge wie die wirtschaftliche Entwicklung, Branchenkonjunktur usw. mitverfolgen. Denn kurzfristig sind die Kurse völlig unberechenbar, langfristig steigen *gute* Werte während Phasen guter Allgemeinkonjunktur (Betonung liegt auf: Gute!). Man darf natürlich niemals so völlig irreale Renditen wie die im Artikel erwähnten 100% pro Woche (!) erwarten. Bescheidenheit ist auch für den Börsianer eine Zier.
Und ja, aber auch bei so einer Vorgehensweise kommen die im Artikel erwähnten Fallgruben zum Vorschein. Falls man z.B. im Jahr 2000 eine gewisse rosarote Aktie gekauft hat, und sich irgendwann mal herausstellt, daß man sich von inkompetenten Bankberatern oder der TV-Werbung einen völlig überbewerteten Müll hat andrehen lassen, dann *muß* man verkaufen, auch wenn man einen kleinen Verlust in Kauf nehmen muß. Keine Ausreden a la 'Ich will wenigstens noch 0 auf 0 rauskommen!' Verkaufen, Punkt.
Ich kann jedem, der sich für das Thema interessiert, als erste Lektüre die Werke des Altmeisters Kostolany empfehlen, insbesondere den Sammelband 'Der große Kostolany'. Ein herrlich erfrischend und mit einer Menge Ironie und Humor geschriebenes Buch, in dem extrem wichtige Perlen von Börsenweisheit drin versteckt sind.
"Es ist erstaunlich wie diese "alten Weisheiten" (Disziplin, SL, Moneymanagement) seit Jahren, Jahren, Jahren immer wiedergekäut werden - und doch alle Trader aus dem Markt gespült werden."
Diese Weisheiten sind auch einfach geschrieben. Sie einzuhalten, ist dagegen schwer. Und das hat psychische Gründe.
Fall 1: Sie gewinnen ein paarmal hintereinander. Dann werden Sie automatisch leichtsinning, weil Sie ja den Bogen raus haben. Wozu Moneymanamgement? Wenn ich alles einsetze, komme ich viel schneller bei der Million an.
Fall 2: Sie steigen ein und das Papier verhält sich entgegen Ihrer Erwartung. Jetzt werden Sie hunderttausend Gründe finden, warum der Trend gleich wieder umkehren muss. Außerdem finden Sie immer einen Analysten, der genau derselben Meinung ist und Sie fühlen sich damit bestätigt.
Und nicht zuletzt betreiben viele das als Hobby und sind der Meinung, sie sitzen mal ein paar Minuten am Computer und in sechs Monaten türmen sich die Millionen auf dem Konto.
Ein guter Trader schreibt das eingesetze Kapital sofort als Verlust ab,
kommt der Gewinn ist es OK und kommt der Totalverlust ist dies bereits einkalkuliert.
Durch diesen Trick wird die Psyche ruhig gestellt.....
Es ist erstaunlich wie diese "alten Weisheiten" (Disziplin, SL, Moneymanagement) seit Jahren, Jahren, Jahren immer wiedergekäut werden - und doch alle Trader aus dem Markt gespült werden. Meiner Meinung nach kann es ein Trader alleine NIE schaffen. In den Banken - jedenfalls jenen, die "funktionieren" - sind die Kontrollen strenger als bei einem Checkpoint im Gazastreifen. Wer als Daytrader Erfolg haben will muss sich also kontrollieren lassen - und zwar von der einzigen Instanz, die wirkliche Macht über ihn hat: seiner Frau!
Paging