Die Verunsicherung bei Aktionären von Kreditinstituten ist größer denn je: Welche Zeitbomben verbergen sich noch in den Bilanzen?
Wie ein alter grauer Teppich zog sich am Mittwoch der Himmel über die Frankfurter Bankentürme. Drinnen saßen grübelnd Analysten, die sich gefragt haben mögen, ob es da bald Dreck regnet - und ob es ein Wolkenbruch, ein Dauerregen oder nur ein sanftes Nieseln sein wird.
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Bei Hypo Real Estate (HRE) war es ein Wolkenbruch gewesen. Die Münchner Hypothekenbank hatte am Tag zuvor fast 400 Millionen Euro abgeschrieben, nachdem sie bislang betont hatte, von der Hypothekenkrise in den USA nicht betroffen zu sein. Die Aktie stürzte um ein Drittel ab, und seitdem grübeln sie im Frankfurter Bankenviertel, was in den nächsten Wochen bei anderen Kreditinstituten ans Licht kommt.
Unterschiedliche Risiken
Was HRE angeht, glaubt die Ratingagentur Fitch, dass nach dem reinigenden Gewitter die Aussichten solide sind. "Die Kapitaldecke ist adäquat, die Risiken dürften jetzt gut abgedeckt sein", sagt Thomas von Lüpke, Bankenanalyst bei Fitch. Für die Branche insgesamt stellt er sich aber auf Dauerregen ein. "Wir werden für das vierte Quartal noch einige große (negative) Zahlen sehen", sagt er. Zudem werde es im ersten Quartal weitere Abschreibungen geben. "Und es ist eine Illusion zu glauben, wir hätten dann volle Transparenz."
Der Grund seien Bewertungsspielräume, die Banken nutzten, je nachdem, welches Maß an Abschreibungen sie sich leisten könnten. Dennoch sieht von Lüpke nach aktuellem Stand keinen Anlass, die Noten für die Kreditwürdigkeit deutscher Banken generell zu senken. Die Abschreibungen würden bei den meisten Banken nicht so an die Substanz gehen, dass Herabstufungen erforderlich werden.
Worauf also müssen sich Aktionäre einstellen? Erstens sagt es wenig über die mögliche Aktienentwicklung, wenn sich eine Ratingagentur positiv äußert, da sie die Gläubiger und nicht die Aktionäre im Blick hat.
Das Beispiel HRE macht dies anschaulich. Zweitens sind die Risiken von Bank zu Bank sehr unterschiedlich. "Die Richtung ist mit HRE zwar vorgegeben", sagt Konrad Becker, Bankenanalyst bei Merck Finck. Aber man könne daraus keine Schlüsse auf den Abschreibungsbedarf anderer Banken ziehen.
HRE hatte nach eigenen Angaben ihre Bestände an Anleihen, die mit Immobilienkrediten und anderen Schuldpapieren unterlegt sind, um ein Drittel abgeschrieben. Die Commerzbank hat bisher 337 Millionen Euro abgeschrieben und angegeben, sie sei mit 1,2 Milliarden Euro am Markt für US-Subprimes investiert. Damit hätte auch die Commerzbank problematische Papiere um knapp ein Drittel abgeschrieben.
Aber hinter Kürzeln wie CDO, RMBS und ABS verbergen sich sehr unterschiedliche Kredite mit sehr unterschiedlichen Risiken. Zu den Zeitbomben in den Bilanzen kommen zudem für einige Banken Risiken, die außerhalb der Bücher in Zweckgesellschaften liegen. Die Ratingagentur Moody's meldete am Mittwoch, die Wertpapiere in solchen Vehikeln hätten fast die Hälfte ihres Wertes verloren.
Spekulationen um Commerzbank
An der Börse spekulierten Anleger am Mittwoch auf weitere Verluste bei der Commerzbank. Gerüchte über eine Sonderabschreibung machten die Runde, die Aktie verlor zeitweise mehr als vier Prozent. Ein Sprecher bekräftigte aber die Ergebnisziele für 2007 - was nicht heißt, dass keine weiteren Abschreibungen kommen.
Ähnliches gilt für die Aareal Bank. Die Wiesbadener Hypothekenbank hatte im Sommer angegeben, die Kreditkrise betreffe sie nicht. Im dritten Quartal musste die Bank dann doch Abschreibungen vornehmen - wenn auch nur über 15 Millionen Euro; sie schloss weitere Wertberichtigungen für das vierte Quartal nicht aus. Ein Aareal-Sprecher sagte jedoch, die Bank werde ihre Jahresziele erreichen, es werde keine bösen Überraschungen geben.
Für die Deutsche Bank hatte Vorstandschef Josef Ackermann mehrfach bekräftigt, nach Abschreibungen von 2,2 Milliarden Euro im dritten Quartal seien keine weiteren Korrekturen zu erwarten. "Wie eine Bank dasteht, hängt entscheidend vom Risikomanagement ab", sagt Analyst von Lüpke. Unter dem Gesichtspunkt sei die Deutsche Bank sehr gut dran. Besonders hohe Abschreibungen mussten bislang Landesbanken wie die WestLB und die LBBW vornehmen. Die Mittelstandsbank IKB und die SachsenLB konnten nur durch spektakuläre Rettungsaktionen gerettet werden.
Anleger bestrafen derzeit vor allem Banken, die behaupten, die Krise betreffe sie nicht. "Man glaubt nicht mehr, dass irgendeine Bank ohne Schaden da rauskommt", fast Analyst Becker die Stimmung zusammen. "Im Moment kann man nur auf Tauchstation gehen."
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(SZ vom 17.1.2008/hgn)
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