Börse Der Aktienkurs steht in den Sternen

Astrologen glauben fest daran, dass das Geschehen an der Börse vorbestimmt ist. Ein Ortstermin in Bamberg.

Von Max Hägler

Auf den ersten Blick gibt es keine großen Unterschiede zwischen dem Deuten von Sternen und Aktienkursen. Linien, Graphen, Zahlen, unlesbare Abkürzungen und Namen sind beiden Disziplinen gemein - und der erwartungsvolle Blick in die Zukunft. Doch zumindest eine, die Aktienprognose, hat geirrt. Da halfen die ganzen Widerstände und Unterstützungslinien nichts - wer sich nur auf die Chartanalyse verlassen hat, ist in den vergangenen Monaten mit Aktien auf die Nase gefallen.

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Lassen sich mit einem Blick in die Sterne Kursstürze vorhersagen?

(Foto: Foto: AP)

Karl-Heinz Waldenberger hat trotzdem beides mitgebracht an diesem Abend im VIP-Raum der Bamberger Sporthalle. Sternbilder und Aktiencharts legt er nebeneinander. Er will aufzeigen, wie sogenannte Konjunktionen hoch oben am Himmel zeitlich gleichlaufen mit Kursstürzen an den Börsen. Angeblich geht das -"nur der Weizenpreis hat letztens nicht so reagiert, wie ich mir das ausgemalt habe", sagt er. Vielleicht kann dieser Mann mit dem Blick in die Sterne Ordnung hineinbringen in das derzeitige menschengemachte Chaos auf der Erde, kann vorhersagen, wie sich die Zahlen entwickeln, die Kurse und die Wirtschaft im Allgemeinen.

"Ich glaub' ned an Ufos, muss man dazusagen."

Nennt er sich doch vielversprechend "Spica", nach dem hellsten Stern im Bild Jungfrau. Klingt gut und ist wohl naheliegend bei dem Job: Spica ist Finanzastrologe, bringt Solarwinde und Sternenkonstellationen mit den Gründungsterminen von Börsen zusammen und eben auch ihren Abstürzen. Und liegt damit nach eigenen Angaben oft richtig. Wobei er, so versichert Waldenberger, dabei durchaus bodenständig sei: "Ich glaub' ned an Ufos, muss man dazusagen."

Normalerweise verbreitet Spica seine Prognosen in einem Internetforum, heute ist er nach Bamberg gekommen. Der Unterstützerkreis des örtlichen Bundesligisten "Brose Baskets" hat ihn zum gemeinsamen Blick in die Sterne geladen. Mit dabei die lokale Prominenz: Oberbürgermeister Andreas Starke, ein Mann von der SPD. Mehrere Autoverkäufer, ein lustiger, glatzköpfiger Fondsmanager, der Filialchef einer großen deutschen Bank, viele Damen mit Perlohrringen. Und eine Frau, die mit ihrem Mann Hyaluronsäure vertreibt, zum Unterspritzen von Falten. Mit ihrem Mittel könne man herunterhängende Mundwinkel gealterter Geschäftsmänner in Form bringen, sagt sie der neugierigen Tischrunde. Und dass sie sich sehr dafür interessiere, zu welcher Anlagestrategie nun ein Finanzastrologe rät in diesen Krisenzeiten.

Zumindest klingt es nach Erfolg, was Spica sagt. "Ich arbeite auf die erste Milliarde hin", sagt er. Die Leute sind still. Irgendwie arbeitet ja jeder auf seine erste Milliarde hin. Auch wenn man es vielleicht nicht so offen sagen würde wie der selbstbewusste Astrologe auf der Bühne in seinem T-Shirt, Sakko und Jeans.

Finanzastrologie als Kunst

Sein wichtigster Ratschlag an die Leute, die es ihm gleichtun wollen: nicht den Astrologen glauben. Mit den selbstgestrickten Vorhersagen in Frauenzeitschriften habe Finanzastrologie nichts zu tun. "Und ein Merkur-Horoskop für Ihr Geld, sowas existiert auch nicht." Ihm gehe es nicht um Schicksale oder konkrete Prognosen. Vielmehr könne man durch aufwendige Berechnungen gewissermaßen "Landschaften der Zeit" entdecken, meint Spica und lässt Grafiken mit Sternbildern über die Leinwand flimmern. "Das, was ich mache, ist eine künstlerische Form, so etwas wie Musik." Die Frau vom Faltenvertrieb wird später begeistert meinen: "Ich finde den gut. So wie diesen Beuys, der Kloschüsseln verkauft hat."

Lesen Sie auf der folgenden Seite, auf welche Weise Karl-Heinz Waldenberger die Sterne deutet.