Ein Unbekannter erpresst offenbar die BKK Gesundheit mit geklauten Daten. In einem TV-Bericht erhebt Datenschützer Peter Schaar nun schwere Vorwürfe.
Bei der BKK Gesundheit hat sich ein Sicherheitsleck aufgetan. Die mit 1,4 Millionen Versicherten zweitgrößte Betriebskrankenkasse wird seit einigen Tagen mit gestohlenen Kundendaten erpresst, sagte eine Sprecherin zu sueddeutsche.de. Inzwischen habe die Kasse bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.
Bei der BKK Gesundheit sind offenbar hochsensible Kundendaten gestohlen worden. (© Foto: oh)
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Bereits am 29. Januar habe sich ein männlicher Anrufer zum ersten Mal gemeldet, berichtete die Sprecherin. Er habe der Kasse "nicht konkreter bezeichnete" Kundendaten zum Kauf angeboten und dafür Geld gefordert, jedoch keine konkrete Summe genannt. Das Unternehmen habe abgelehnt.
Vier Tage später habe der Mann noch einmal angerufen und gedroht, mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen.
Schwere Vorwürfe von Datenschützer Schaar
Ist die BKK Gesundheit fahrlässig mit den Daten ihrer Versicherten umgegangen? Das ARD-Magazin Kontraste berichtete am Donnerstagabend von einer schweren Sicherheitslücke bei der Krankenkasse. Fest steht: Zum 1. Februar hat das Unternehmen den Dienstleister Value 5 Healthcare engagiert. Das auf "Dialogmanagement" spezialisierte Unternehmen sollte die Kundenbetreuung unterstützen. Nach zwei Fusionen und der Ankündigung, künftig einen Zusatzbeitrag zu erheben, sei das Anrufvolumen stark angestiegen, sagte die Sprecherin der BKK Gesundheit zu sueddeutsche.de. Um dennoch eine 24-stündige Erreichbarkeit zu gewährleisten, habe sich die Kasse externe Unterstützung geholt. Die Mitarbeiter von Value 5 HealthCare hätten "eingeschränkten Zugang" zu den Kundendaten bekommen, sagt die Sprecherin - Zugriff hatten die Bediensteten demnach aber auch auf Krankeitsbilder und Diagnosen.
Ob es sich bei dem geheimnisvollen Anrufer um einen Angestellten der BKK Gesundheit handelt oder um einen Mitarbeiter des Callcenter-Dienstleisters, ist momentan noch unklar. In einer Pressemitteilung wird die Kasse trotzdem sehr deutlich. "Die Vorwürfe beziehen sich auf den Dienstleister", heißt es darin. Und weiter: "Obwohl derartige Vorwürfe aktuell noch vollkommen unbewiesen sind, hat die BKK Gesundheit den Zugang zu ihrem Rechner durch die Firma Value 5 HealthCare GmbH" abgeschaltet. Darüber hinaus sei das Gesundheitsministerium, das Bundesversicherungsamt und der Bundesdatenschutzbeauftragte informiert worden.
Letzterer meldet sich auch in dem Kontraste-Beitrag zu Wort - und erhebt schwere Vorwürfe. Bei der BKK Gesundheit sei offensichtlich beim Schutz personenbezogener Daten vieles versäumt worden, sagte Peter Schaar. Ein so leichtfertiger Umgang mit Sozialdaten sei ihm noch nicht untergekommen.
In der Tat seien Fehler gemacht worden, sagte die Unternehmenssprecherin zu sueddeutsche.de. So sei versäumt worden, das Bundesversicherungsamt von dem Auftrag an den Dienstleister in Kenntnis zu setzen. Auch die Versicherten seien nicht informiert worden, dass eine fremde Firma Zugriff auf ihre Daten bekommen könnte. Außerdem habe die BKK Gesundheit die Einhaltung ihrer Datenschutzstandards durch die Mitarbeiter von Value 5 HealthCare nicht kontrolliert.
Möglicherweise, so mutmaßt die Kasse, könnte der Anrufer im Rahmen der mehrtägigen Schulungen an sein Material gelangt sein. Dies ist allerdings noch nicht bewiesen. Jetzt müssen erst einmal die Frankfurter Ermittler den Fall prüfen. Value 5 HealthCare war zunächst für sueddeutsche.de nicht zu erreichen.
Im Video: Bei der größten deutschen Betriebskrankenkasse hat es offenbar ein Sicherheitsleck gegeben.
Weitere Videos finden Sie hier
(sueddeutsche.de/hgn)
67. Jahrestag der Bombardierung
Es kommt vielleicht noch mehr:
http://www.outbay.ch/phpBB3/viewtopic.php?f=3&t=2019
Ihre Herren Prantl und Leyendecker (und auch die Deutsche Bundesregierung) haben vor ein paar Tagen doch noch vehement argumentiert, dass Daten keine Sache sind und man sie deshalb nicht stehlen kann. Folgerichtig könne der Kauf solcher Daten auch keine Hehlerei sein.
Die Geschichte lehrt uns, dass es immer gefährlich war, Rechtsstaatlichkeit von Fall zu Fall zu definieren.
hätte mal besser die geklauten Daten an eine andere Versichungsgesellschaft oder, besser noch, vielleicht an den Arbeitgeberverband verkaufen sollen. Auf die Art wäre es keine Erpressung gewesen sondern eine Hilfestellung bei der Aufdeckung von potentiellen Betrugsfällen.
Und, wer jetzt Arges denkt ... ist selbst schuld.
man müsste schon über eine gewaltige Menge kriminelle Energie verfügen, wenn man als einfacher call-center Mitarbeiter in der Lage sein soll die Daten von hunderttausenden Menschen aus einem EDV-System herauszuziehen. Falls hier zB wie bei den meisten Versicherungen ein SAP System zugrundeliegt müsste man darin mit aufwändigen Querys die Daten der Versicherten in einem View bekommen, und dazu müsste man nicht nur erhebliche Berechtigungen im System besitzen sondern auch grosse Kenntnis vom zugrundeliegenden Datenmodell haben.
Ich vermute also viel eher, daß Leute aus der Administration oder interne Key-User die schuldigen sind. die externen Call-Center-MAs sind dazu idR nicht in der Lage. Die können nur immer einen Versicherten zur Zeit abrufen.. und bei Millionen kann das dauern ;-)
will ja ein Bundesland die Daten kaufen. Ah, ich habe es vergessen es geht ja nicht um Bankdaten!
Ein Skandal, das ich nicht lache!
Paging