Billigtextilien Nur wenige Siegel taugen etwas

Ob Pullis oder Jeans anständig produziert wurden, lässt sich mitunter an einem der zahlreichen Label erkennen, die für grüne Textilien werben. Einfach machen sie es dem Verbraucher aber nicht. Denn erstens gibt es eine Fülle von Siegeln, aber nur wenige, die etwas taugen. Und zweitens verbürgen sie sich für höchst unterschiedliche Standards.

Die größte Anerkennung genießen das blaue Label Naturtextil IVN und der Global Organic Textile Standard (GOTS). Sie kennzeichnen Textilien, die nach hohen Anforderungen umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden - und das schließt die gesamte Produktionskette ein. Wer das IVN-Etikett annähen will, muss Fasern verwenden, die zu 100 Prozent aus kontrolliertem Ökoanbau stammen; es sind nur wenige Farb- und Hilfsmittel zugelassen. Was die sozialen Kriterien angeht, gleichen sich IVN und GOTS, sie orientieren sich beide an Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dazu zählen das Verbot von Diskriminierung, Misshandlung, Zwangs- und Kinderarbeit. Beim Thema "gerechte Löhne" wird es schwammig. "Gerecht kann dabei der Mindestlohn des Herstellerlandes sein, auch wenn der nicht existenzsichernd ist", sagt Elke Meißner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kritische Konsumenten brauchen Geduld

Zudem sollten Verbraucher wissen, dass das GOTS-Logo nicht die Herstellung der Rohstoffe einschließt. Zur Ernte von Baumwolle werden aber oft Kinder aufs Feld geschickt. "Deswegen haben gute Textilien nicht nur ein GOTS- sondern auch ein Fair-Trade-Siegel. Damit kann man sicherstellen, dass ein Kleidungsstück nicht unter den berüchtigten Bedingungen von Billiglohnländern hergestellt wurde", sagt Meißner. Also mit Kinderhänden, zu schamlos niedrigen Löhnen und mit immensem Pestizid-Einsatz.

Wem vernünftige Sozialstandards wichtiger sind als ökologisch korrekte Kleidung, der sollte sich mit der Fair Wear Foundation beschäftigen und überprüfen, ob die eigene Lieblingsmarke dort Mitglied ist. Fair Wear hilft Herstellern, die Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferern zu verbessern. Unternehmen, die hier mitmachen, verpflichten sich dazu, Kleider ohne Zwangs- und Kinderarbeit herzustellen, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass in den Fabriken niemand wegen Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder der politischen Einstellung diskriminiert wird. Der Lohn muss zum Leben reichen.

Kritische Konsumenten, die Wert auf nachhaltig hergestellte Shirts und Hosen legen, müssen schon einiges an Zeit und Geduld in die Suche investieren. Wer dazu keine Lust hat, kann sich ganz pragmatisch fragen: Brauche ich wirklich einen neuen Rock? Oder ist der Kleiderschrank nicht schon voll genug? Es schont Mensch und Natur, wenn weniger Klamotten gekauft werden - und dafür eine gute Qualität. Je öfter ein Shirt getragen wird, desto besser. Und wenn man ein Teil satthat, kann man es ja in ein anderes tauschen, statt ein neues zu kaufen.