Billigstrom-Anbietern droht die Insolvenz Wenn der Richter den Stecker zieht

Der Strom war billig, doch das Unternehmen dubios: Bei der Teldafax-Pleite verloren Tausende Stromkunden Geld. Doch es war kein Einzelfall: Laut einer Studie droht nun auch anderen Billigstrom-Anbietern die Insolvenz.

Von Alina Fichter

Der Mann ist verzweifelt, mit so etwas hatte er nicht gerechnet: "Weil Teldafax pleite ist, werde ich meine im voraus gezahlten Beträge, 2400 Euro, wahrscheinlich nie wieder sehen", schreibt er auf einer Internetseite. Mit seinen Sorgen ist er nicht allein. 750 000 ehemalige Kunden des Billigstrom-Anbieters, der im Sommer insolvent ging, wollen ihr Geld zurück, das sie vorgestreckt hatten, um später günstig heizen zu können - wie es aussieht: vergeblich.

Doch damit nicht genug. Jetzt legt eine Studie der Unternehmensberater von A.T. Kearney offen, dass die windigen Praktiken von Teldafax - das Unternehmen finanzierte laufende Kosten mit eben jenen Vorauszahlungen von Kunden -, offenbar kein Einzelfall sind. "Das Geschäftsmodell von Discount-Anbietern ist nicht profitabel, es lässt sich nicht nachhaltig fortführen", fasst Volker Lang das Ergebnis der Studie zusammen. Was so viel heißt wie: Neue Pleiten sind nicht ausgeschlossen.

Die Billigstromanbieter haben keine Lehren aus der Pleite von Teldafax gezogen", stellt auch sein Kollege Hanjo Arms fest. Die Pleite-Firma hatte Kunden mit Strom-Angeboten gelockt, die unter dem Einkaufspreis lagen. Das zwang sie, zu wachsen. Nur mit den Vorauszahlungen der Neuankömmlinge blieb sie flüssig. Vorübergehend wenigstens. Irgendwann brach das Gebilde zusammen.

Doch auch bei anderen Billiganbietern tut sich eine erschreckende Finanzlücke auf, wie die Berater von A.T. Kearney feststellten. Die Tarife seien nicht kostendeckend, heißt es in der Studie, die Firmen nähmen "negativen Margen" hin - also: Verluste. Ein Beispiel macht das deutlich. Eine typische Familie verbraucht im Jahr 3500 Kilowattstunden Strom, das kostet sie beim Discounter zwar nur etwa 780 Euro - es hat aber anderswo seinen Preis. Dem Unternehmen beschert sein Dumping-Angebot ein Minus von 40 Euro. Die Lage spitzt sich zu, wenn die Einkaufspreise von Strom steigen - und genau das ist absehbar.

Die Verbraucher haben aus dem Fall Teldafax nichts gelernt

Fatal daran ist, dass sich immer mehr Menschen von Billigpreisen locken lassen. Seit ihrer Gründung strömten jährlich 30 000 Kunden zu den drei größten Discountern, allein im vergangenen Jahr entschied sich die Hälfte aller Wechsler für einen solchen. Tendenz: steigend.

Die Billigstrom-Anbieter mögen nichts aus dem Fall Teldafax gelernt haben, schwerer aber wiegt wohl: auch die Verbraucher nicht. Allein am Tag nach der Teldafax-Pleite gewann ausgerechnet Flexstrom 3000 neue Kunden - obwohl das Berliner Unternehmen, mittlerweile Discount-Marktführer, auf ähnlich riskante Vorkasse-Modelle setzt.

Der Grund für den Erfolg ist einfach. "Der Aufstieg der Billigstromanbieter wäre ohne Vergleichsportale im Internet nicht möglich. Ihre Geschäftsmodelle bedingen sich", sagt Arms. Die Stromfirmen sind auf neue Kunden angewiesen, klar, und laut einer Studie der Ratingagentur Assekurata informieren sich vier von fünf Wechslern mit Hilfe von Check 24, Verivox und Co. Diese wiederum kassieren für jeden Vertrag, den sie vermitteln, Bares - angeblich bis zu 130 Euro. Da aber meist nur Menschen auf ihre Seiten surfen, die sich vom Anbieterwechsel eine beträchtliche Ersparnis erhoffen, setzen sie eben auf Billigstrom-Firmen.