Von Nikolaus Piper

Der schöne alte Begriff "Dienstmädchen-Hausse" ist eine Beleidigung für all die Dienstmädchen, die etwas von Aktien verstehen und ihre Ersparnisse klug angelegt haben. Einerseits.

Andererseits kann man damit sehr schön jene Phase im Börsenzyklus beschreiben, in dem plötzlich alle, nicht nur Dienstmädchen und Dienstmänner, entdecken, dass die Aktienkurse steigen, und noch dabei sein wollen. Für Profis ist das meist der letzte Zeitpunkt, um noch mit Gewinn aus Aktien auszusteigen und in Geldmarktpapiere zu investieren.

Bei uns in... New York

Bei uns in... New York: Hier hat der Brooklyner Rapper Jay-Z im November an der Wall Street für einiges Aufsehen gesorgt. (© Grafik: sueddeutsche.de)

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Das gilt natürlich auch für Währungen, und von daher könnte man die Kurse von derzeit knapp unter 1,50 Dollar für den Euro durchaus aus amerikanischer Sicht als "Dienstmädchen-Baisse" bezeichnen. Oder vielleicht besser als "Jay-Z-Baisse". Der Brooklyner Rapper Shawn Corey Carter mit dem Künstlernamen Jay-Z hatte im November an der Wall Street für einiges Aufsehen gesorgt. In seinem neuen Video "Blue Magic" spielen die New Yorker Gangster nicht mit Dollars, sondern mit Bündeln von 500-Euro-Noten. Wenn schon die Unter- und Halbwelt ihre Währungsreserven umschichtet, dann muss es um den Greenback schlecht bestellt sein, dachten viele. Also nichts wie raus aus dem Dollar?

Eher im Gegenteil. Seit dem Wirbel um Jay-Z nehmen jene Analystenberichte auffallend zu, in denen ein Wiederaufstieg der amerikanischen Währung vorausgesagt wird. Stephen Jen zum Beispiel, Analyst bei Morgan Stanley, sagt für das nächste Jahr eine regelrechte "Dollar-Rally, besonders gegenüber dem Euro und dem Pfund" voraus.

Für den Augenblick freilich können sich die Europäer noch uneingeschränkt an den Folgen der Jay-Z-Baisse freuen. Touristen aus Deutschland, Frankreich und England kommen derzeit in Scharen zum Weihnachtseinkauf nach Manhattan. Vielleicht tragen sie damit ein klein wenig zum Ende dieser Baisse bei: Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten ist bereits im Oktober spürbar gesunken - logische Konsequenz einer deutlich unterbewerteten Währung. Zugleich bedeutet es, dass vermehrt Euro gegen Dollar getauscht werden, und das hilft der amerikanischen Devise.

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(SZ vom 07.12.2007/mah)