Harsche Kritik an Angela Merkel: BayernLB-Chefvolkswirt Pfister wirft der Kanzlerin Schwarzmalerei vor. Deutschland, so sein Credo, befände sich gar nicht in einer Wirtschaftskrise.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Weltwirtschaft schwer getroffen, doch der Chefvolkswirt der BayernLB wehrt sich gegen die Schwarzmalerei - und greift namentlich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hart an.

BayernLB, dpa

Wollte Angela Merkel die Parlamentarier nur "tüchtig erschrecken"? BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Pfister glaubt das. (© Foto: dpa)

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Die Aussage, dass sich Deutschland derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg befinde, werde von der Kanzlerin zu "inflatorisch gebraucht", beklagte Jürgen Pfister. Da dürfe sich Merkel dann nicht über die Warnungen von DGB-Chef Michael Sommer und SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan vor sozialen Unruhen wundern.

Obwohl die führenden Forschungsinstitute prophezeien, die deutsche Wirtschaft werde in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen, handelt es sich Pfisters Meinung zufolge bei der gegenwärtigen konjunkturellen Lage noch gar nicht um eine Wirtschaftskrise. Man könne lediglich von einer "Finanzkrise" und von einer "tiefen Rezession" sprechen. Aber Rezessionen gebe es nun mal "so regelmäßig wie den Winter".

Er selbst erkläre sich Merkels scharfe Äußerungen mit der bevorstehenden Bundestagswahl. Wenn sich im Sommer die erwartete wirtschaftliche Erholung zeige, wolle die Bundeskanzlerin womöglich als "Retterin der Nation" dastehen. Außerdem könnte Merkel es für nötig gehalten haben, "die Parlamentarier tüchtig zu erschrecken", damit sie die staatlichen Konjunkturprogramme absegnen.

Sanierungskonzept bei EU eingereicht

Pfisters Bank hat in den vergangenen Monaten wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt. Nun hofft das krisengeschüttelte Institut auf grünes Licht aus Brüssel für das umfangreiches Sanierungskonzept.

In dieser Woche würden die Eckpunkte des Restrukturierungsprogramms bei der EU-Kommission eingereicht, sagte ein Sprecher der BayernLB. Zu den Inhalten äußerte er sich nicht. Mit einer Entscheidung wird bis zum Sommer gerechnet.

Die Zustimmung aus Brüssel ist Bedingung für die staatliche Hilfe an die BayernLB. Die Landesbank muss darlegen, dass sie durch den Sanierungsplan überlebensfähig ist, nachdem sie im vergangenen Jahr durch Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in den Sog der Finanzkrise geraten war und das Jahr mit einem Verlust von 5,1 Milliarden Euro abschloss. Alleine vom Freistaat Bayern musste die zweitgrößte deutsche Landesbank mit rund zehn Milliarden Euro gestützt werden.

Kern des Sanierungsplans ist eine deutliche Verkleinerung der BayernLB. Weltweit werden rund 5600 der zuletzt rund 20.000 Arbeitsplätze gestrichen. Nach jahrelanger Auslandsexpansion will die BayernLB sich künftig primär um das Geschäft in Bayern, Deutschland und ausgewählten Regionen in Europa kümmern. Die Niederlassungen und Repräsentanzen in Asien, Mailand und Montreal schließt die BayernLB, die Standorte in New York und London werden deutlich verkleinert.

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(sueddeutsche.de/dpa/ddp-bay/Reuters/tob/pak)