Der neue Chef der BayernLB, Michael Kemmer, hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und redet gern offen.
Die Führungskräfte der BayernLB staunten nicht schlecht. Ihr neuer Chef Michael Kemmer war am 3. März gerade erst frisch im Amt, als er sie morgens um acht Uhr zu einer Spontan-Konferenz im Stehen einlud. "Kemmer hielt eine freie Rede, anschließend gab es eine offene Diskussion", erinnert sich einer, der dabei war.
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Michael Kemmer, neuer Chef der BayernLB kommt nicht aus der Sparkassenorganisation. (© Foto: dpa)
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Nur wenige Stunden später erhielten die 17.000 Mitarbeiter des Hauses den ersten Rundbrief vom neuen Vorstand. "Es ist mir ein sehr wichtiges Anliegen, mich gleich zu Beginn meiner neuen Tätigkeit direkt an Sie alle zu wenden", schrieb Kemmer. Ihm sei "sehr bewusst, dass die BayernLB sich in einer schwierigen Phase befindet".
Neuer Kommunikationsstil
Wie schwierig, wusste der frühere Hypo-Vereinsbank-Manager zu diesem Zeitpunkt genau. Seit Sommer 2006 hatte er als Finanzchef unter dem zurückgetretenen BayernLB-Chef Werner Schmidt gearbeitet. Ihm war klar, dass die Landesbank nicht nur Milliardenbelastungen wegen der US-Hypothekenkrise zu verdauen hatte. Auch mit der Kommunikation hatte es zuletzt nicht funktioniert. "Kemmers Vorgänger Schmidt hat es so gemacht, wie er es 40 Jahre lang gewöhnt war", heißt es aus dem Institut. Nicht nur gegenüber seinen eigenen Mitarbeitern soll er sich des öfteren im Ton vergriffen haben. Auch die Vertreter der BayernLB-Eigentümer - Bayerns Finanzminister Erwin Huber und Sparkassenpräsident Siegfried Naser - soll er bisweilen "abgebürstet" haben, wie es heißt.
Sein 50-jähriger Nachfolger steht daher nicht nur für einen Generationswechsel, sondern auch für einen neuen Kommunikationsstil. "Kemmer geht auf die Leute zu und fragt sie um Rat", sagen enge Mitarbeiter. Dies sei "neu". Das Aufsichtsgremium der Landesbank, der Verwaltungsrat, hat Kemmer ausdrücklich um mehr Transparenz gebeten. "Kemmer hat uns versprochen, dass er mehr auf Journalisten zugeht und besser informiert", verlautet aus dem Gremium.
Nicht betriebsblind
Ein eigenes Profil muss er dabei aber erst noch entwickeln. Kemmer ist im Gegensatz zu Schmidt kein Sparkassenmann. Fehlende Netzwerke bei Bayerns Sparkassen könnten ein Manko sein bei einem Institut, das zur Hälfte von den bayerischen Sparkassen und zur anderen Hälfte vom Freistaat Bayern gehalten wird. Vielleicht aber ist gerade dies auch ein Vorteil - und macht den "neuen Zeitgeist im Hause" aus, wie es aus der BayernLB-Zentrale in der Münchner Brienner Straße heißt. Kemmer wolle jetzt "Ruhe in die Bank bekommen", zitieren Mitarbeiter ihren Chef.
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Die ganze Finanzbranche, angefangen bei Banken bis hin zu "windigen" Private-Equities und den dort agierenden 25-jährigen "Senior-Investment-Managern" wird sich leider nichts Grundlegendes mehr ändern. Man "gewinn-maximiert" weiter, man spekuliert weiter, man wird neue Finanz-"Produkte" schnüren, usw. usw. Dies entspricht dem Zeitgeist, mit Spekulation leichter und schneller Geld verdienen zu wollen (auch mit ein paar unausgegorenen Finanz-Sprüchen), als mit realer Wirtschaftsleistung. Wo ist der Mehrwert der Spekulanten? Bei solch' unappetitlichem Verhalten muß man sich nicht wundern, wenn linke Außenseiter (z.T. mit Recht) fröhliche Auferstehung feiern (fiel mir im Vorfeld von Ostern einfach so ein).
Endlich, muss man sagen, scheint es in die richtige Richtung zu gehen mit der Baylaba. Man möchte es den gebeutelten Mitarbeitern gönnen. Mit Kemmer hat man wohl den Richtigen gefunden. Nüchtern, professionell, uneitel, frei von Sparkassenmief und doch kein kompletter Aussenseiter.
Es war höchste Zeit sich in Sachen Führungsverhalten und Sachkompetenz in das 21. Jahrhundert zu bewegen. Die Zeit der Landesbankvorständsfürsten mit wilhelminischem Dünkel, die ausser Dampfplaudern und das Runterputzen ihrer "Untergebenen" nicht viel beherrschen, ist endgültig vorbei.