Der Chef der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, gilt als sparsam und hart - nun muss er erklären, warum sein Institut von der US-Hypothekenkrise getroffen wurde.
Werner Schmidt versucht, auch in schwierigen Situationen zu lächeln. Zum Beispiel am vergangenen Sonntag in der Münchner Allianz-Arena beim Spiel Bayern München gegen Werder Bremen. Als Bayerns Torjäger Luca Toni in der ersten Halbzeit einen Elfer verschoss, zog Schmidt nur lässig an seiner Zigarette, nippte an seinem Weißwein - und lächelte.
BayernLB-Chef Werner Schmidt. (© Foto: dpa)
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Den 64-jährigen hochgewachsenen, früheren Leistungsschwimmer mit dem Rücken eines Wohnzimmerschrankes kann nur wenig erschüttern. Eine Eigenschaft, die er in seinem Job als Chef der BayernLB braucht. Bei Deutschlands zweitgrößter Landesbank ist er zwar der Boss, aber zuletzt schien es oft so, als würden andere für ihn sprechen. Zum Beispiel Bayerns Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber. Dem Freistaat gehören 50 Prozent der Anteile an der Bank - und so kommt es manchmal zu seltsamen Rollenverteilungen.
Politische Machtspiele
Huber war es, der vor einigen Wochen andeutete, die Bank könnte tiefer im Kreditkrisen-Sumpf stecken als bislang angenommen und wohl einen höheren Abschreibungsbedarf haben. Als Huber schließlich zurückruderte und der Presse erklärte, die Liquidität des Instituts sei "gewährleistet", wurde es den Bankern der BayernLB mulmig zumute.
"Das sind Dinge, über die normalerweise ein Vorstand zu berichten hat", heißt es aus der Bankzentrale in der Münchner Brienner Straße. Eine gültige Regel - die aber offenbar nicht für Landesbanken gilt. Und nicht für Schmidt. Die permanente Umklammerung durch die Politik, die mit den Jahren ausgefeilte Diplomatie im Umgang mit den bayerischen Sparkassen, denen die andere Hälfte der Bank gehört - Schmidt, der gebürtige Schwabe, hat gelernt, wie man sich in München durchsetzt.
Gelernt hat er seinen Job ganz unten, da, wo Landesbankenpolitik mitgemacht wird. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Böblingen besuchte der Manager die Württembergische Sparkassenakademie, später studierte er Volkswirtschaft. 1971 heuerte er bei der Landesbank Stuttgart an und wurde 1986 Vizechef des Instituts. Zwei Jahre lang war er Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bevor er 2001 auf den Chefposten der BayernLB wechselte.
Prädestiniert schien er deshalb für einen einschlägigen Auftrag: Die Zusammenführung von BayernLB mit der größeren LBBW zur so genannten "Südschiene". Doch auch hier konnte Schmidt bislang nicht schalten und walten wie andere Banker: Denn eine Fusion mit den größeren Stuttgartern könnte am Finanzplatz München Arbeitsplätze kosten - und genau dies fürchten die Unionspolitiker in Bayern. Kaum vorstellbar zudem, wie sich Schmidt mit seinem Stuttgarter Erzrivalen Siegfried Jaschinski arrangieren sollte. Der BayernLB-Boss und der LBBW-Chef gelten nicht gerade als enge Freunde.
Dabei weiß Schmidt durchaus, wie man den Wert einer Großbank durch Zukäufe vermehrt, seit er im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro für die österreichische Bank Hypo Alpe Adria ausgab. Schmidt hatte da den richtigen Riecher: Das Institut hatte von Kärnten aus den Balkan erobert. Für die BayernLB bieten sich damit interessante Expansionsmöglichkeiten. Da konnte es Schmidt verschmerzen, dass er kurz zuvor im Übernahmekampf um die österreichische Gewerkschaftsbank Bawag den Kürzeren ziehen und dem US-Finanzinvestor Cerberus den Vortritt lassen musste.
In München gefürchtet
In München gilt Schmidt als hart, aber fair. Als er bei den Bayern anfing, strich er erst einmal kräftig Arbeitsplätze und sanierte das Haus. Das verschaffte ihm Respekt, aber auch viele Gegner. Vielen ist seine manchmal schroffe Art ein Dorn im Auge, andere halten ihn schlicht für arrogant. Wenn Schmidt in Fahrt kommt, verfällt er ganz ins Schwäbische. Im an Lokalpatriotismus nicht armen München gibt es viele, die ihn deswegen nicht mögen.
Seit Mittwoch haben seine Gegner ein neues Argument in der Hand: Deutschlands zweitgrößte Landesbank muss Belastungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro wegen der internationalen Kreditkrise wegstecken. Vorbereitet auf die Hiobsbotschaft hatten erwartungsgemäß bayerische Politiker aus Regierung und Opposition. Ausbaden muss es nun Werner Schmidt. Der Schwabe gilt als sparsam; eine Eigenschaft, mit der er wie viele seiner Landsleute gerne kokettiert. Nun aber muss er erklären, warum auch die BayernLB bei der Investition ihrer Gelder ein zu großes Rad drehen musste und sich mit riskanten Papieren verhob.
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(SZ vom 14.02.2008/jkr/mah)
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