Die BayernLB feiert ihr 125-jähriges Bestehen mit viel guter Laune und einem Buch über sich selbst. Schade ist nur, dass die wichtigsten Jahre darin nicht vorkommen.
Historiker bevorzugen das Abgeschlossene. Ereignisse, mit denen die Welt im Reinen ist und die durch Quellen eindeutig belegbar sind. Geschichten dagegen, die im Fluss sind, sind ihnen oft suspekt, da niemand weiß, wie diese ausgehen. "Das ist nicht unsere Kernkompetenz", sagt Axel Drecoll, einer von drei Historikern des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, die ein Buch zur 125-jährigen Geschichte der BayernLB geschrieben haben. So gibt es viele Details zur Arbeit der 1884 gegründeten Landeskulturrentenanstalt, zur Landesbodenkreditanstalt, zum Giroverband Bayerischer Sparkassen und zur Bayerischen Gemeindebank. Aber nur wenig zu der Frage, warum die Bank heute in der schwersten Krise ihrer Geschichte steckt.
Die BayernLB feiert sich selbst - und lässt das dunkle Kapitel Finanzkrise in der Jubiläumsschrift außen vor. (© Foto: ddp)
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Eine Zäsur - vor Krisenbeginn
Denn die Geschichte der Landesbank endet im Jahr 2005. "Wir mussten irgendwo eine Zäsur setzen", sagt Drecoll. "Da kein Ende der jetzigen Krise abzusehen ist, war 2005 der einzig sinnvolle Schnitt."
2005, das war das Jahr, in dem die Gewährträgerhaftung abgeschafft wurde, jenes Finanz-Trapez, bei dem der Staat die Garantie für Landesbankengeschäfte übernahm und mit dem Insolvenzen de facto ausgeschlossen waren. Ausgerechnet hier, wo die Geschichte der BayernLB erst richtig in Fahrt kommt, reißt der Faden ab.
Vieles gibt es also nur im komprimierten Zeitraffer oder gar nicht: Bevor die Refinanzierung nach dem Wegfall der Staatsgarantien teurer und schwieriger wurde, saugte sich die Bank - so wie die meisten anderen Landesbanken auch - noch einmal mit Geld voll. Der Rest ist Finanzkrisengeschichte. Man hatte mehr Geld, als man für das tägliche Kreditgeschäft brauchte, also pumpte man es in vermeintlich lukrative Geschäfte, deckte sich am US-Markt mit riskanten Wertpapieren ein - und fiel dabei auf die Nase. Milliardenlöcher, der Rücktritt von Bankchef Werner Schmidt, der Aufstieg des früheren HVB-Managers Michael Kemmer an die Spitze, der milliardenschwere Rettungsschirm des Freistaats, die Erschütterungen im politischen München, das alles ist nun Stoff für künftige Analysen. Horst Möller, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, hält eine Erklärung parat, die man auf vielfältige Weise interpretieren kann: "Wir haben einen Sicherheitsabstand einzuhalten", sagt er.
Viele Protagonisten aus der jüngsten Geschichte der BayernLB waren am Montagabend übrigens zur Ausstellungseröffnung gekommen. Und sie alle schienen guter Dinge, trotz Finanzkrise.
Mit Bossa Nova nach vorne
Unter der Prominenz aus Wirtschaft und Politik: Ex-BayernLB-Chef Schmidt, Bayerns Sparkassenpräsident Siegfried Naser. Prosecco, Bier, Bellini, dazu eine dieser eleganten Party-Jazz-Combos, die vom Cole-Porter-Songbook bis zu den Bossa-Nova-Klassikern der 60er Jahre alles spielen. Ja, fast hätte man meinen können, die Krise sei schon vorbei. Fast. Wäre da nicht BayernLB-Chef Kemmer gewesen, der darüber sprach, wie die Bank aus ihrer aktuellen Krise herauskommen will. Und dabei sehr ernst wirkte.
Natürlich hätte es bessere Momente geben können, um das 125-jährige Jubiläum einer Landesbank zu feiern. Um ganz groß zurückzuschauen, und ein bisschen nach vorn. Prosecco schwenken in Zeiten von Milliardenverlusten hat einen fahlen Beigeschmack; und auch als PR-Objekte bieten sich Landesbanken in diesen Tagen kaum an. Dass man sich am Montagabend dennoch selbst feierte, mag einen anderen Grund haben: Die Stimmung in der Bank ist angespannt, viele verlieren gerade ihren Job. Der Blick zurück in eine Krisen-Geschichte soll da vielleicht motivieren. "Es war eine wechselvolle Geschichte", sagt Kemmer. Und immer habe sich die Bank aus schwierigen Lagen "befreien können".
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(SZ vom 24.06.2009/mel)
Surfrider Beach in Malibu
Was nur Prosecco? Arme Schlucker...
in die sie sich selbst hineingeritten hat. TOLL!!