Von Von Eike Schrimm

In der Stadt gibt es immer zu wenig Grün. Wie gut, dass der Landeswettbewerb für Wohnungsbau die Bauherren ganz natürlich zum Wuchern anspornt.

Wer auf der Etage wohnt, hat wenig Grün um sich herum. Wenn überhaupt sind Balkon, Loggia oder Terrasse die einzigsten Ausstiegsmöglichkeiten, die dem Bewohner bleiben. Allerdings muss die Freifläche vor dem Haus gar nicht groß sein, damit auch sie zu einem beliebten Treffpunkt wird und die Menschen sie als Naherholungsgebiet nutzen - wie die Gewinner des bayerischen Landeswettbewerb für Wohnungsbau "Plätze, Höfe, Gärten" demonstrieren. Günther Beckstein, bayerischer Innenminister und Schirmherr des Wettbewerbs, fordert deshalb das Land heraus: "Hoffentlich fallen diese ausgezeichneten Ideen auf fruchtbaren Boden, so dass Bauherren und Eigentümer von Wohnanlagen sie nachahmen."

Anzeige

38 Teams aus Architekten, Landschaftsplanern und Bauherren haben am Wettbewerb teilgenommen, den die Oberste Baubehörde, die bayerische Architektenkammer und der Verband Bayerischer Wohungsunternehmen ausgelobt haben. "Die Wohnqualität wird nicht allein durch Grundriss und Ausstattung der Wohnung bestimmt. Auch die Gestaltung von Höfen tragen maßgeblich zur Wohnzufriedenheit und zur sozialen Stabilität in einer Wohnanlage bei", begründet Maria Auböck, Vorsitzende der Jury, die Bedeutung der unbebauten Fläche in der Stadt. Gerade im verdichteten Wohnbau sei es für das soziale Klima wichtig, dass Kindern und Erwachsenen nahe der Wohnung Flächen zum Spielen, Entspannen und Kommunizieren geboten werde.

Die Jury hat 16 Projekte gekürt: sechs gleichwertige Preise, sechs gleichwertige Anerkennungen und vier lobende Erwähnungen. Die Anforderungen waren Gebrauchstüchtigkeit, Wirtschaftlichkeit, herausragende Wohnqualität und hochwertige Gestaltung der Gebäude und Außenanlagen. Neun Sieger befinden sich in und um München, jeweils zwei in Regensburg, Nürnberg und Ingolstadt, ein Sieger in Neu-Ulm. Mal haben sie überzeugt, weil sie Höfe in Lebensräume verwandelt haben, mal haben sie überrascht, weil sie Bewohner aus dem ersten Stock direkt an den eigenen Garten angeschlossen haben. Auf jeden Fall sind sie alle gelungene Vorbilder, wie die Natur direkt vor der Haustür Wurzeln schlagen kann.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de)