Wer auf das Darlehen verzichtet, erhält bei einigen Kassen eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung.
Bausparen, in Zeiten des Aktienbooms eher als langweilig verpönt, ist wieder in Mode gekommen: Viele Bausparkassen erzielten 2002 bei den Neuverträgen zweistellige Zuwachsraten. Und auch in diesem Jahr steigt die Nachfrage weiter an. Beim Thema Bausparen denken die meisten Bundesbürger aber immer noch an ein zinsgünstiges Darlehen für die eigenen vier Wände - und nicht an eine sichere und rentable Geldanlage.
Anzeige
Bausparen ohne Bauen
Dabei kann sich der Abschluss eines Bausparvertrages auch für Anleger lohnen, die gar kein eigenes Heim errichten wollen. Wer sich sieben Jahre bindet und seinen Sparerfreibetrag noch nicht ausgeschöpft hat, kann zumindest bei einigen Anbietern Renditen von fast fünf Prozent jährlich herausholen, mit der staatlichen Förderung sind sogar bis zu sieben Prozent drin. "Für Sparer, die großen Wert auf Sicherheit legen, gibt es derzeit kaum eine bessere Anlage", sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.
Besonders attraktiv ist das Bausparen als reine Kapitalanlage für Kunden, die von der staatlichen Förderung doppelt profitieren können. Denn Geld vom Staat gibt es im Doppelpack:
Wer als Arbeitnehmer vermögenswirksame Leistungen von seinem Gehalt abknappst und auf ein Bausparkonto überweist, erhält eine Arbeitnehmersparzulage. Diese liegt bei 48 Euro im Jahr (maximal 10 Prozent der geförderten Sparleistung von 480 Euro jährlich). Die Einkommensgrenzen für die Sparzulage sind allerdings extrem niedrig: Das zu versteuernde Einkommen darf 17.900 (Verheiratete: 35.800) Euro nicht überschreiten. Sonst gibt es keine Zulage.
Wer zusätzlich 512 (Ehepaare: 1024) Euro im Jahr einzahlt, bekommt eine Wohnungsbauprämie von zehn Prozent. Das sind 51,20 (Ehepaare: 102,40) Euro. Voraussetzung: Das zu versteuernde Einkommen darf 25600 (Ehepaare: 51.200) Euro nicht übersteigen.
Zuschüsse nutzen
Insgesamt kann ein Ehepaar, beide Arbeitnehmer, also bis zu 1984 (2 mal 512 + 2 mal 480) Euro in einen Bausparvertrag anlegen, um Zulagen und Prämien in Höhe von insgesamt 198,40 Euro pro Jahr einheimsen zu können.
Testsieger des Rendite-Bausparer
Spitzenerträge mit speziellen Tarifen sind nach Angaben der Stiftung Warentest jedoch nur bei einigen Anbietern zu erzielen. Dazu zählen nach einer Untersuchung aus dem vergangenen Jahr die Quelle Bausparkasse (Tarif: Q8 direkt Plus D), Huk-Coburg (W-Plus), BHW (D maxx) und die Debeka (nur ein Tarif im Angebot). Die meisten Landesbausparkassen bieten dagegen keine Rendite-Bausparverträge an.
Beispielrechnungen
Was die Tarife im Einzelnen bringen können, zeigen zwei Beispielrechnungen, die die Quelle Bausparkasse und die Huk-Coburg für die SZ erstellt haben:
Musterfall eins:
Der verheiratete Arbeitnehmer Hans Thiel hat Anspruch auf Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage. Er hat zum 1. Januar 2003 einen Bausparvertrag bei der Quelle Bausparkasse mit dem Tarif Q 8 direkt Plus abgeschlossen und zahlt jeweils am Monatsende 126 Euro (davon sind 40 Euro vermögenswirksame Leistungen) ein, um für sich und seine Frau die Höchstförderung bei der Wohnungsbauprämie auszuschöpfen und von der Arbeitnehmersparzulage in vollem Umfang zu profitieren.
Nach insgesamt 84 Monats-Sparraten soll der Bausparvertrag aufgelöst werden. Die Bausparsumme beträgt 13.000 Euro. Eine Baufinanzierung ist nicht geplant.
Das Ergebnis:
Werden die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulagen nach sieben Jahren ausgezahlt, erhält Familie Thiel mit den staatlichen Zuschüssen rund 13.660 Euro. Das entspricht einer Rendite von 7,16 Prozent. Aber auch ohne Förderung würden die Thiels mit ihrem Bausparvertrag besser abschneiden als mit jedem normalen Ratensparvertrag: Dann liegt die Auszahlung bei rund 12505 Euro. Die Rendite beläuft sich auf 4,69 Prozent. Zum Vergleich: Eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von sieben Jahren warf am Freitag eine Rendite von 3,33 Prozent ab.
Musterfall zwei:
Die allein stehende Arbeitnehmerin Doris Müller ist Kundin bei der Huk-Coburg. Der Zahlungsmodus für ihren Bausparvertrag ist genauso wie im ersten Musterfall. Als Single muss sie bei einer Bausparsumme von 8000 Euro aber nur 83 Euro (davon sind 40 Euro vermögenswirksame Leistungen) monatlich einzahlen, um die doppelte Förderung voll ausschöpfen zu können.
Das Ergebnis:
Bei ihr beläuft sich die Auszahlungssumme nach sieben Jahren auf 8791 Euro mit Förderung. Die Rendite liegt bei 6,67 Prozent. Ohne die staatliche Finanzspritze kommt sie auf eine Auszahlung von 8097 Euro bei einer Rendite von 4,31 Prozent.
Ohne Abschlussgebühr zum guten Ergebnis
Die relativ hohe Verzinsung ist bei beiden Musterfällen auf zwei Faktoren zurückzuführen. Beide Anbieter belohnen den Verzicht auf das Baudarlehen, indem sie die bei Bausparverträgen übliche Abschlussgebühr zurückerstatten. Sie beläuft sich bei den beiden Tarifen auf ein Prozent der Bausparsumme. Außerdem ist der Bonus von drei Prozent, der zusätzlich zum Basiszins in Höhe von zwei Prozent gezahlt wird, relativ hoch. "Man darf sich aber nicht von der Nominalverzinsung von insgesamt fünf Prozent irritieren lassen. Die effektive Verzinsung ist niedriger, weil die Kontoführungsgebühren und die Nicht-Verzinsung der Abschlussgebühr negativ auf die Rendite durchschlägt", sagt Verbraucherschützer Gottschalk.
Hohe Bausparsumme meiden
Der Finanzexperte rät beim Abschluss von Rendite-Bausparverträgen ohne Bauabsichten immer auch auf die Höhe der Bausparsumme zu achten. "Wer diese überdimensioniert, zahlt nicht nur eine unnötig hohe Abschlussgebühr. Der Kunde riskiert auch, dass nach Ablauf der Sperrfrist von sieben Jahren der Vertrag nicht zugeteilt wird. Denn je höher die Bausparsumme, desto länger muss der Bausparer warten, bis er uneingeschränkt über sein Guthaben verfügen kann", erläutert Gottschalk.
Rendite-Bausparen vor dem Aus
Wer von überdurchschnittlich hohen Zinsen bei den speziellen Bauspartarifen profitieren will, muss sich allerdings beeilen. In der Branche ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die meisten Anbieter der Rendite-Bausparverträge an neuen Tarifen mit niedrigeren Zinsen arbeiten. Dies gilt unter anderem sowohl für die Huk-Coburg wie auch für die Quelle Bausparkasse. Am 1. Juli könnten die neuen Angebote bereits auf den Markt kommen und die derzeit noch vertriebenen Rendite-Hits ablösen.
(Von Thomas Öchsner)