Nicht die geplante Dresdner Elbüberquerung ist ein Skandal, sondern ihre Gestalt.
In der Bautypologie gibt es drei Begriffe, die über ihre Bedeutungsebenen hinausreichen - weiter noch, als dies andere Architekturmuster vermögen. Nämlich das Dach, der Brunnen und die Brücke. Die Brücke aber überspannt die Distanz zwischen der praktischen Konstruktion und dem theoretisch-geistigen Konstrukt nicht nur am leichtesten, sondern auch am bildhaftesten. Unter den symbolträchtigen Architekturen ist daher kein Bauwerk so mächtig wie das Brückenbauwerk.
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Der Dresdner Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) präsentierte am 30. 7. 2007 im Rathaus der sächsischen Landeshauptstadt die Baupläne für die Waldschlösschenbrücke. Offizieller Baubeginn ist der 13. August 2007. (© Foto: dpa)
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In den Weltreligionen, Kulturgeschichten und Mythen dienen Brücken als metaphorische Verbindungen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, dem Alltag und der Geisteswelt. In der nordischen Mystik etwa erzittert die Brücke, sobald das Leben sie, die doch zugleich auch dem Tod gehört, überschreiten will. Im Koran ist das Paradies nur über eine Brücke zu erreichen, die so schmal ist wie die Klinge eines Schwertes.
Der Pontifex Maximus schließlich, der Papst, ist ein Brückenkonstrukteur im ursprünglichen Sinn des Wortes. Denn das lateinische "pons" heißt Brücke - und "facere" heißt machen, herstellen. Der oberste Repräsentant der katholischen Kirche hat sein Amt demnach von den heidnischen Architekten geerbt, die in Rom die erste Brücke erbaut haben. Sie waren nicht nur für die Verkehrstüchtigkeit der Brücke zuständig, sondern auch verantwortlich für den Verkehr der Menschen mit dem Flussgott Tiber.
Monument des Starrsinns
Alle noch immer geläufigen Redewendungen gehen auf bildmächtige Zuschreibungen zurück. Man baut beispielsweise dem Gegner eine goldene Brücke; oder im Gegenteil: Man bricht alle Brücken hinter sich ab. Und die Eselsbrücke meint einen Weg, so breit und unübersehbar, dass er sogar von einem Esel nicht verfehlt werden kann. Die Eselsbrücke, mit der man sich etwas sichert und fasst, ohne es zu begreifen, ist seit jeher ein trotz Dummheit begehbarer Weg.
Und hier kommen die sächsische Landesregierung und ihr Ministerpräsident Georg Milbradt ins Spiel. Denn auch ihm, dem Pontifex der Dresdner Waldschlösschenbrücke, steht noch immer eine andere Brücke offen. Und es ist sogar eine des Begreifens, Umdenkens und Einlenkens. Eine goldene Brücke ist das, die ihn zurückführen würde ins Lager der Vernunft. Aber das gilt nur bis zum 13. August. Wenn aber wie geplant an diesem Tag die Baustelle für die umstrittene Brücke durch das Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal auf Geheiß der Regierung eingerichtet wird, dann wird Georg Milbradt der einzige Mensch in der Geschichte der Brücken-Mythologie sein, der später einmal von sich behaupten darf, er habe sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen - indem er eine einzige geschlagen hat: als Monument des Starrsinns.
Infrastrukturell sinnvoll
Aber dennoch ist man in Dresden gerade dabei, mit aller Macht jene Brücke zu bauen, die nur dem Wahnsinn der Rechtsbürokratie dienen kann. Zumindest in der geplanten Form wird sie kaum tauglich sein, etwas anderes als den unbedingten politischen Machtwillen von A nach B zu transportieren. Wobei in der Formel "in der geplanten Form" auch die Lösung liegen könnte, der brückenhafte Kompromiss zwischen den nur scheinbar verfeindeten Lagern der Brückenbauer und Brückengegner. Denn es wäre hilfreich, sich nicht so sehr mit dem "ja" oder "nein" zu befassen. Sondern mit dem WIE.
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Wirbel um Obama-Biographie
nicht auch noch einmal so 15 bis 16 Jahre über diese Brücke diskuttieren?
Warum hat sich 2005 unmittelbar zum Brückenwettstreit keiner der Auskenner und Kulturerbebewahrer außerhalb von Dresden gemeldet, sondern erst nachdem ein Nichtbundesbürger die UNESCO auf den Frevel hinwies und diese dann die große Glocke bemühte?
Hat sich schon einmal jemand gefragt, warum Dresden die "ökonomostische" Variante gewählt hat und nicht eine kühne, die Ewigkeit beschwörende, auf dem Erbe der ganzen alten heidnischen Brückenbaupioniere (oder zumindest dem im Sächsichen heimischen Pöppelmann) beruhende Brücke?
Was hätte die UNESCO wohl Ende des 19. Jahrhunderts zu den Plänen des "Blauen Wunders" gesagt (Teufelszeug?).
Die Brücke ist nun einmal in den Brunnen gefallen, weil alle diejenigen, die glauben etwas dazu zu sagen, zu haben, eben jetzt erst merken, dass sie mit ihrem Dach über dem Brunnen erst kommen nachdem die Brücke hinein gefallen ist.
Auch ich habe den Eindruck das eigentliche Problem ist, dass man sich aufgrund der verhärteten Fronten nie gescheit über ein "wie" hat unterhalten können. Es hat ja ursprünglich einen Wettbewerb gegeben, aber nachdem klar wurde, dass der Entwurf des Gewinners den ästhetischen Ansprüchen an ein so sensibles Umfeld nicht genügt, hätte man die Flexibilität besitzen müssen, erneut auf die Suche nach einem geeigneten Entwurf zu gehen. Die neuen Vorzeichen hätten sicherlich dazu geführt, dass mutigere und kreativere Vorschläge gemacht worden wären, die vielleicht aufwändiger und teurer gewesen wären, aber eine integrierende Wirkung hätten entfalten können.
Wozu haben wir denn so viele gute Architekten in diesem Land?
Um uns jetzt durch eine so unsensible Entscheidung in der ganzen Welt zu blamieren?
Lasst sie doch noch ein wenig herumspinnen und Ideen entwickeln!
Wenn man zwei gegensätzliche Positionen vereinen will kostet das immer Energie, das ist das Wesen der Fusion. Man könnte es also als völlig normal ansehen, dass die Lösung des vorliegenden Problems ein mehrstufiges Entscheidungsverfahren erfordert.
Wahrscheinlich aber sah sich Milbradt als Gejagter, dem keine Wahl mehr blieb als die Flucht nach vorn, und es hätte ihn wohl erheblich geschwächt jetzt alles nochmal aufzurollen.
Leider aber werden solche ästhetischen Fragen in der deutschen Politik auch traditionell nicht ernst genug genommen, in Deutschland muss eine Brücke eben halten und aus Beton sein, fertig. Zu welchen Ergebnissen solches Denken führt kann man an grässlich verbauten Innenstädten von Bochum über Wuppertal bis Stuttgart prima beobachten: Keiner fühlt sich darin wohl, dreissig Jahre nach dem Bau wird über Abriss oder Grundsanierung diskutiert. Schuld sind wahrscheinlich ebenfalls die langwierigen Entscheidungsprozesse, die immer in Machtkämpfe ausarten, die den Blick auf das wesentliche, Form UND Funktion nämlich, verstellen.
Hier hatten monarschische Strukturen der Demokratie scheinbar einiges Vorraus, jedenfalls steht der Rest der imposanten Dresdner Innenstadt seit eher dreihundert als dreissig Jahren, und bisher hat niemand einen Abriss von Semperoper & Co. angeregt.
Warum nicht eine Brücke bauen, die vom Stil her zu Dresden passt? Keine moderne, sondern z.B. eine barocke ....