Bargeld Kleinstmünzen braucht doch wirklich niemand

Bargeld ist ein Freiheitssymbol - ganz im Gegensatz zu Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

(Foto: dpa)

Ein- und Zwei-Cent-Münzen entwerten den Euro. Es ist gut, dass Italien sie abschafft. Wer jetzt aber über die Bargeld-Abschaffung diskutiert, verkennt seine Symbolkraft.

Kommentar von Marc Beise

Italien schafft das Kleingeld ab. Von 2018 an will die römische Regierung keine neuen Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr prägen lassen, alle Preise sollen auf fünf Cent gerundet werden. Wenn es dazu kommt, wäre das einmal eine gute Nachricht aus der Welt des Geldes. Keine neuen Krisenmeldungen rund um den Euro, über die Verschuldung der südeuropäischen Länder, die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sondern ein alltagspraktisches Projekt, das hierzulande zur Nachahmung empfohlen sei.

Braucht man also noch die kleinen, roten Kupfermünzen? Nicht wirklich. Acht Nennwerte hat das Euro-Bargeld-System seit seiner Einführung vor 15 Jahren, ebenso viele übrigens wie zu D-Mark-Zeiten. Damals allerdings gab es eine Münze mehr am oberen Ende, das Fünf-Mark-Stück, dafür keine 20 Pfennige. Aus der guten alten Zeit kennt man Sätze wie: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist der Mark (des Talers) nicht wert - was der Volksmund bemerkenswerterweise nicht auf Cent und Euro übertragen hat. Das kann viele Gründe haben, vielleicht aber auch einfach nur den, dass der Sinn des Spruchs aus der Mode geraten ist.

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Es gilt, die Geburtsfehler des Euro-Systems zu korrigieren

Im Grunde schaffen die Kleinstmünzen gar keine Wertschätzung des Geldes, sondern entwerten es eher. Der Euro wird mit ihnen kleingemacht, und praktisch ist das auch nicht: Was kann man sich für einen oder zwei Cent wirklich kaufen? Stattdessen animieren sie zu krummer Preisgestaltung, was nicht im Interesse der Kunden ist. Viel spricht also dafür, die Münzenparade erst mit dem Fünf-Cent-Stück beginnen zu lassen. Wenn man dann noch einen weiteren Geburtsfehler des Euro-Systems korrigierte, dass nämlich das 50-Cent-Stück größer ist als das doppelt so werthaltige Ein-Euro-Stück, dann wäre die Münzwelt in einer neuen und besseren Ordnung.

Wer allerdings die Gelegenheit nutzen will, wie dies im Zusammenhang mit der italienischen Ankündigung auch gleich wieder geschehen ist, das Bargeld insgesamt abschaffen zu wollen (so die Forderung mancher Wissenschaftler und Banker, unter anderem mit Blick aufs Schwarzgeld), der verkennt die Symbolkraft und den praktischen Wert des Geldes.

Zwar ist ein digitales Zeitalter angebrochen, in dem man auch Finanzgeschäfte zunehmend unbar abwickelt. Und klar, alles wird einfacher werden, wenn in Zukunft eine Universalkarte für alle Transaktionen ausreicht oder einfach das Handy über einen Sensor gezogen wird. Aber Geld ist eben mehr als nur ein Zahlungsmittel, es ist konstituierender Bestandteil des Kapitalismus und auch einer freiheitlichen Gesellschaft. Bargeld sichert dem Menschen einen Kernbereich von Unabhängigkeit, dessen Grenze weder von Cyberattacken noch von geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbank überwunden werden kann.

Bargeld ist geprägte Freiheit

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Wer den Banken nicht traut, kann Geld abheben, kann Guthaben materialisieren und nach Hause tragen. Das ist vermutlich unvernünftig, aber es ist die eigene Entscheidung. So viel Freiheit also sollte sein. Die ganz kleinen roten Kupferdinger braucht man dazu allerdings nicht.