Bankschließfächer Nur so sicher wie die Tresorwand

Wie sicher sind Schließfächer? Und ist ihr Inhalt versichert?

(Foto: dpa)

Der spektakuläre Tunnel-Bankraub von Berlin verunsichert viele Kunden. Sollen sie ihre Wertgegenstände weiter in einem Bankschließfach verwahren? Wie geschützt ist der Inhalt der Boxen tatsächlich und wer haftet bei Diebstahl? Fragen und Antworten.

Von Artur Lebedew

Als Bauarbeiter getarnt gruben die Gangster einen 30-Meter-Tunnel direkt in den Tresorraum einer Volksbank in Berlin. Sie knackten mehr als 250 Schließfächer, krallten sich den Inhalt und flohen. Dabei sollten all die wertvollen Dinge in den Fächern doch sicher sein.

Schmuck, Bargeld, Briefmarkensammlung - Wertgegenstande verwahren Deutsche gern in Schließfächern. Bei vielen Banken warteten Kunden sogar jahrelang, bis sie endlich ein Schließfach mieten dürften, sagt Julia Topar, Sprecherin des Bankenverbandes in Berlin. Der Coup der Diebe von Berlin wirft jedoch Fragen über die Fächer auf.

Wie sicher sind Bankschließfächer?

In der Regel gilt: die Schließfächer sind so sicher, wie die Tresorwand, hinter der sich die meisten befinden. Einbrecher, die sie überwinden, haben leichtes Spiel: "Mit einem Stemmeisen und Muskelkraft kann man ein normales Schließfach aufbrechen", sagt Julia Topar. Allerdings sei es nahezu unmöglich, die Panzertüren einer Bank zu knacken. Den Raub in der Berliner Volksbank sieht sie dabei als "Ausnahme".

Ist der Inhalt in meinem Schließfach versichert?

Im Normalfall nicht. Nur die wenigsten Bankkunden versichern den Inhalt ihrer Schließfächer. Einige Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder die Volksbank bieten gegen Aufpreis eine Tresorinhaltsversicherung an. Diese garantiert den Wert des Inhaltes im Falle von Feuer- und Wasserschäden sowie Raub und Diebstahl. Der Preis hänge von der vereinbarten Versicherungssumme ab und der Frage, wie gut die Schließfächer in der Bank gesichert seien, sagt Topar. Die Zurich Versicherung, Hausversicherer der Deutschen Bank, deckt Schließfachinhalte bis zu 500.000 Euro ab. Der Jahresbeitrag für eine Prämiensumme bis 42.000 Euro liegt bei 25 Euro.

Und wenn meine Bank keine Tresorinhaltsversicherung anbietet?

Jeder kann den Inhalt seines Schließfaches auch extern versichern. Dabei gelten ähnliche Regeln wie bei der Tresorinhaltsversicherung. Doch nicht jedes Institut macht mit. Für die Versicherungen sei die Sache oft heikel, sagt Topar. Denn welche Gegenstände sich in den Schließfächern befinden, wüssten nur die Kunden selbst. Auch die Bank erfahre nicht, welchen Wert der Inhalt hätte. Deshalb befürchteten manche Versicherer, bei der Prämiensumme betrogen zu werden und werben nicht offensiv für diesen Versicherungstyp. So deckt die Zurich Versicherung nur die Schließfachinhalte von Deutsche-Bank-Kunden ab. Bei der Allianz allerdings können Kunden auch unabhängig von ihrer Bank den Schließfachinhalt versichern.

Gibt es andere geeignete Versicherungsarten?

In vielen Fällen deckt auch eine Hausratsversicherung Schaden und Verlust des Fach-Inhaltes ab. Das ist die Versicherung, die auch bei Diebstählen aus Wohungen und Häusern einspringt, zum Beispiel bei Fahrrädern, die aus Kellern geklaut werden. Kunden sollten aber auch hier ihren Versicher fragen, ob ihre Hausratsversicherung für den Inhalt eines Bankschließfaches geradesteht. Die pauschale Entschädigungssumme beschränkt sich bei vielen Verträgen auf 20.000 Euro.