Banknoten 500-Euro-Schein unter Terrorverdacht

Die EU-Kommission prüft die umlaufende Geldmenge. Unter besonderer Beobachtung steht der 500-Euro-Schein.

(Foto: dpa)
  • Die EU-Kommission untersucht künftig, welche Rolle der 500-Euro-Schein bei Geldwäsche und Terrorfinanzierung spielt.
  • Die Banknote wird im Alltag kaum genutzt, hat jedoch den Ruf, unter Kriminellen beliebt zu sein.
Von Vivien Timmler

Nach den Attentaten in Paris will die EU-Kommission es Terroristen in Europa schwerer machen, sich zu finanzieren. Unter anderem will sie die außergewöhnlich hohe Anzahl von Banknoten, die in der Eurozone im Umlauf sind, untersuchen. Laut Europäischer Zentralbank (EZB) waren das 2015 insgesamt etwa 18,9 Milliarden Stück. Das sind 1,4 Milliarden Noten mehr als im Vorjahr. In den vorherigen Jahren waren jeweils nur knapp eine Milliarde hinzugekommen.

Jetzt untersucht die EU-Kommission insbesondere die Rolle des 500-Euro-Scheins, er steht im Verdacht, bei Geldwäsche und Terrorfinanzierung genutzt zu werden. "Die Noten sind bei Verbrechen stark nachgefragt ... aufgrund ihres hohen Wertes und ihres geringen Volumens", heißt es laut der Financial Times in einem Papier der EU-Kommission. Die Verwendung solcher Banknoten, gerade der 500-Euro-Note, sei demnach von Strafverfolgern als großes Problem identifiziert worden.

Die EU-Kommission will deshalb künftig mit der europäischen Polizeibehörde Europol zusammenarbeiten. Diese soll bereits Möglichkeiten erarbeiten, den Missbrauch der Noten durch Terroristen und andere Kriminelle einzudämmen. Dabei dürfte es jedoch vorerst auch bleiben, denn die exklusive Kontrolle über die Stückelung der Euro-Noten im Umlauf hat die EZB. Die Zentralbank hat sich ihrem Präsidenten Mario Draghi zufolge zwar schon mit dem Thema beschäftigt, sei aber noch zu keiner Entscheidung gekommen.

Erst kürzlich hatten Finanzpolitiker der SPD sogar die Abschaffung der 500-Euro-Note gefordert. Auch der Chef des EU-Amtes für Betrugsbekämpfung, Giovanni Kessler, hatte dafür plädiert.

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Keine andere Banknote hat einen so schlechten Ruf

Im Alltag wird der 500-Euro-Schein kaum genutzt. Er hat den Ruf, unter Kriminellen besonders beliebt zu sein. Dank ihm können diese große Käufe in bar tätigen, ohne beim Bezahlen Spuren zu hinterlassen. Ohne den 500er würden sie schnell ein "Volumenproblem" bekommen, wie Experten sagen. Sprich: Ganoven würden nicht mehr so hohe Summen in ihren Geldkoffern transportieren können.

Derzeit sind nach EZB-Angaben etwa 614 Millionen 500-Euro-Scheine im Umlauf. Zwar machen sie nur 3,2 Prozent der Euro-Banknoten im Umlauf aus, mit einem Gesamtwert von knapp 307 Milliarden Euro entspricht das aber fast einem Drittel des Gesamtwerts aller umlaufenden Euro-Noten. Statistisch gesehen besitzt also jeder Einwohner der 19 Euro-Länder "1,8 Exemplare" des 500ers - auch wenn viele Menschen den violetten Schein noch nie in der Hand gehabt haben dürften.

Die Deutschen - allgemein als Bargeld-Liebhaber bekannt - mögen den großen Schein, ist er doch quasi der "neue Tausender" aus D-Mark-Zeiten. Spanier, Franzosen und Griechen hingegen konnten sich lange nicht mit dem 500er anfreunden, schließlich gab es vor der Euro-Einführung in ihren Ländern solche Scheine nicht. In Frankreich hörte die Stückelung beim 500-Francs-Schein auf (umgerechnet etwa 76 Euro), in Spanien war es die 10 000-Peseten-Note (etwa 60 Euro). In Griechenland war der wertvollste Drachmen-Schein, der 10 000er, sogar nur etwa 30 Euro wert.

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Alle sagten, dass es ihn gibt, aber keiner hatte ihn je gesehen: den 500-Euro-Schein. Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass vor allem Kriminelle seine einschlägigen Besitzer sind. Damit lösen sie bei krummen Geschäften das "Volumenproblem". Soll die EZB den Geldschein deshalb abschaffen? Aber nicht doch. Marc Beise mehr ...