Bankgebühren In der Mittagspause wird abkassiert

Wenn Geld Geld kostet: Gebühren am Bank-Automaten stoßen auf Kritik (Symbolbild)

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Banken erhöhen die Gebühren, die Kunden zahlen müssen.
  • Nun verlangen Banken auch Geld, wenn Kunden außerhalb der Öffnungszeiten zum Automaten gehen.
Von Harald Freiberger

Die Banken werden beim Kassieren von Gebühren immer erfindungsreicher. Drei Volks- und Raiffeisenbanken in Hessen verlangen von ihren Kunden je nach Tageszeit ein Entgelt beim Abheben vom Geldautomaten. Zwei der Institute berechnen die Gebühr von Geschäftsschluss bis zum nächsten Morgen, das dritte auch zwischen 13 und 14 Uhr. Das ergab eine Untersuchung des Finanzportals www.biallo.de bei den fast 1000 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland.

"Wir vermuten, dass sie das tun, weil ihre Kunden vermehrt diese Zeit zum Geldabheben nutzen", sagt Horst Biallo, der Gründer des Portals. Die Raiffeisenbank Oberursel und die Frankfurter Volksbank bestätigten der SZ ein solches Entgelt außerhalb der Geschäftszeiten. "Wir legen damit die höheren Sicherheitskosten um", begründete es ein Sprecher der Volksbank.

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Die Untersuchung bestätigt einen Trend, den Biallo vor zwei Wochen schon für die Sparkassen feststellte: Gut 40 der bundesweit rund 400 Institute nehmen inzwischen ein Entgelt für das Abheben am Automaten von den eigenen Kunden. Rund 20 dieser Sparkassen gewähren noch zwei bis fünf gebührenfreie Abhebungen pro Monat, die andere Hälfte kassiert gleich beim ersten Mal ab. Meist liegt die Gebühr zwischen 30 und 50 Cent.

Die Untersuchung bei den Volks- und Raiffeisenbanken kommt nun zu noch deutlicheren Ergebnissen. Demnach verlangen rund 160 der knapp 1000 Institute eine Gebühr von 0,05 bis 1,02 Euro, mehr als 100 davon tun dies sogar beim ersten Mal. Biallo vermutet, dass ihre Anzahl noch höher ist. "Rund ein Drittel der untersuchten Institute hat kein Preisleistungsverzeichnis auf der Website und nur rudimentäre Preisangaben", sagt er.

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken erklärt, ihm seien keine Mitgliedsbanken bekannt, die nicht wenigstens ein gebührenfreies Kontomodell anbieten. Das stimme aber nicht für alle Institute, sagt Biallo. "Diese Banken bieten also keinerlei Möglichkeit, auf teurere Girokonten auszuweichen, um die Geldabhebegebühren zu vermeiden."

Der Portal-Gründer kritisiert die mangelnde Transparenz der Banken. Hilfreich wäre für Kunden eine Anzeige, wann beim Abheben eine Gebühr anfällt, so wie es für fremde Kunden vorgeschrieben ist. Eine Reihe von Instituten habe aber mitgeteilt, dass dies nicht geschehe.

Verbraucherschützer prüfen die Gebühren

Die Gebühren beim Geldabheben werden nun auch zum Fall für die Verbraucherschützer. "Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass die Information irreführend ist und/oder Verbraucher unangemessen benachteiligt werden, werden wir die Darstellung oder Klausel abmahnen beziehungsweise eine gerichtliche Klärung herbeiführen", sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen will sich die Fälle genauer ansehen. "Verbraucher, die solche Entgelte in ihren Preisverzeichnissen finden, können dies Verbraucherzentralen oder bei marktwaechter.de melden", sagt Frank-Christian Pauli vom Verband. Man prüfe die rechtliche Zulässigkeit dieser Entgelte noch.

Grundsätzlich seien sie nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht ausgeschlossen, doch im Detail strittig. "Nach unserer Ansicht gehört das Abheben vom eigenen Konto zum Kernbereich der Nutzung eines Girokontos und sollte neben einem Kontoführungsentgelt nicht extra bepreist werden", sagt Pauli. Aus diesem Grund wende man sich auch an die Politik: Der Gesetzgeber müsse klarer festlegen, wann eine Bank eine Leistung extra bepreisen könne und wann nicht.

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