Resignation, Ärger, Trotz: Londons Banker jammern über die Steuer auf Boni. Trost spenden teure Präsente - und Alkohol.
Vor dem Londoner Pub Market Porter steht eine Gruppe junger Männer. Sie lachen und prosten sich zu. Unter ihnen ist Banker Simon Rintel. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, weißes Hemd und auffällige Manschettenknöpfe - die Uniform der Business Class. Die Krawatte hat Rintel abgelegt. So schimpft es sich besser.
Die Bonussteuer, die Finanzminister Alistair Darling als 50-prozentige Sondersteuer einführte, wird als "Super-Tax" bezeichnet. Um sich davon nicht die Laune verderben zu lassen, sind bei Londons Banker mehrere Pint Bier als Trostspender nötig. (© Foto: Reuters)
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Trostspender: mehrere Pint Bier
"Natürlich nervt uns die Bonussteuer", sagt der 34-Jährige. Doch solle man sich davon die gute Laune verderben lassen? "Nein." Seine Kumpel nicken. Mehrere Pint Bier dienen hier als Trostspender. So hilft der Alkohol darüber hinweg, dass die millionenschweren Prämienzahlungen an die Banker in diesem Jahr deutlich magerer ausfallen.
Der Wind weht eiskalt an diesem Dezembertag im Stadtteil Southwark. Doch die Stimmung in der bekannten Bierschwemme ist ausgelassen, in der Geschäftsleute aus den Büropalästen am Themse-Ufer, Gemüse- und Fischhändler vom Borough Market und ein buntes Volk von Wochenmarktbesuchern aufeinander treffen.
Von Krise, Rezessionsängsten und Bonuskater ist nichts zu spüren. Rintel gibt für seine Freunde die nächste Runde Bier aus. Er arbeite in einer großen Londoner Bank als Wertpapierhändler, erzählt er. Vor zwei Jahren, als an der Londoner Börse die Kurse noch in den Himmel schossen, habe er eine sechsstellige Prämie kassiert, fügt der schlaksige junge Mann hinzu.
Und dieses Jahr? Er zuckt mit den Schultern. "Wenn es allzu schlimm wird, ziehe ich nach Hongkong oder Shanghai um", sagt er. Dort, wo es noch keine Bonussteuer gibt, geschweige denn "bösartige" Politiker, die die Banker nun für die größte Wirtschaftskrise seit 80 Jahren verantwortlich machen wollten.
So wie Rintel denken viele seiner Kollegen. Während die Vorbestellungen für teure Sportwagen oder Immobilien-Verträge für schicke Designer-Lofts schon mal storniert werden, will man sich zumindest die gute Laune nicht verderben lassen.
Darling verhindert die Bonusfreude
Bankmanager erhalten üblicherweise in den ersten Monaten eines neuen Jahres ihre Boni für das abgelaufene Jahr. Für 2007 beliefen sich die Prämienzahlungen am Finanzplatz London noch insgesamt auf 8,5 Milliarden Pfund. Allein 4000 Banker in der City erhielten eine Prämie von jeweils mindestens eine Million Pfund. Dann kam die Finanzkrise: 2008 sank die Gesamtausschüttung auf 3,6 Milliarden.
In dieser Saison hatten Londons Geld-Auguren eigentlich wieder eine deutliche Steigerung erwartet - auf etwa sechs Milliarden. Doch die Freude in der Geldbranche war verfrüht. Mitte Dezember kündigte Finanzminister Alistair Darling eine 50-prozentige Sondersteuer auf Bonuszahlungen von mehr als 25.000 Pfund an.
Zunächst soll die "Super-Tax" zwar nur bis April 2010 gelten. Doch Darling hat bereits damit gedroht, die Frist zu verlängern, falls die Banken die Prämienexzesse nicht beenden.
Nun herrscht in der "Square Mile", dem Stadtgebiet zwischen Bishopsgate, Victoria Embankment und Fleet Street, eine Mischung aus Trotz und Resignation. Die etwa 500 Banken, die sich hier auf der Fläche eines Dorfes ballen, melden wieder steigende Gewinne.
Hexenjagd auf Banker
Von einst 350.000 Arbeitsplätzen gingen in der Branche mindestens 50.000 verloren. Doch viele Mitarbeiter sehen sich nun wegen der Bonussteuer um die Früchte ihrer Arbeit betrogen. "Wir werden von den Politikern in der Öffentlichkeit nur noch als gierige Spekulanten hingestellt", klagt ein Bankmanager. "Das Ganze läuft auf eine Hexenjagd hinaus." Er befürchtet, dass der Finanzplatz London seine motivierten Talente verlieren könnte.
Szenenwechsel ins Londoner Luxus-Einkaufszentrum Westfield: Dort drängeln sich vor Weihnachten die Geschenkekäufer. Es sind viele Bankerfamilien darunter, die gerne im mondänen Kensington oder Chelsea wohnen. Gekauft wird alles, was gut und teuer ist - von der Prada-Winterjacke bis hin zum kostbaren Brillant-Geschmeide. Die Geschäfte melden gute Umsätze. An der Searcy's Bar verkauft sich der Champagner gut. "Die Leute wollen sich nicht das Feiern verderben lassen", sagt die Kellnerin.
Da gibt man sich bei der Royal Bank of Scotland schon bescheidener. Mitarbeiter der verstaatlichten Bank haben für die Weihnachtsfeier einen Gutschein in Höhe von jeweils zehn Pfund (elf Euro) erhalten. Das reicht im Master Gunner Pub in Londons Finanzviertel für zwei Pint Bier und eine Packung Kartoffelchips.
"Wir wollen kein Geld verschwenden", sagt ein Banksprecher. "Aber es gehört zu unserer Tradition, einen kleinen Zuschuss für die Mitarbeiter-Partys zu zahlen." Vielleicht übt sich die Bank auch in schottischer Sparsamkeit.
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(SZ vom 23.12.2009/cmue/tob)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Kleine Milchmädchenrechnung:
Wenn man nur die 2007 ausbezahlten Prämien nimmt und sie durch die Anzahl der 350.000 Beschäftigten dividiert, erhält man einen netten ´Zuschuß von durchschnittlich ca. 24.000
Wohlgemerkt. Nur die Prämie für die jemand bezahlen mußte.
Ich kenne die Zahlen nicht auswendig, aber bei uns würden sich sicherlich ein nicht zu geringer Teil der Bevölkerung über ein Jahreseinkommen in der Höhe richtig freuen.
Das Merkwürdige ist, dass überall zu lesen steht, man müsse diesen Leuten so viel Geld zahlen, weil es so furchtbar wenige von diesen Überfliegern gebe.
In Wirklichkeit ist doch die Arbeit gar nicht so schwierig. Eine Kristallkugel hat keiner davon. Die Leute werden eher dafür bezahlt, dass sie nicht wirklich nachdenken, sondern Spieler sind.
Weil jemand in einer Zeit, wo alle Preise steigen, Geld verdient, ist er noch lang kein begnadeter Händler, sondern vielleicht einfach ein überbezahltes Rädchen in einer Unsinnsmaschine.
Ein Nimbus wird um einen Beruf herum geschaffen, der absolut nicht angemessen ist. Derweil werden Menschen, die wirklich Werte schaffen, viel zu schlecht bezahlt.
Im Grunde haben es manche Berufsgruppen geschafft, sich selber für unersetzlich und superwichtig zu erklären. Und die anderen in ihrer Schockstarre schauen zu und schaffen es nicht laut zu sagen:
"Aber der Kaiser hat doch gar nichts an."
ist die Tatsache, dass die Politik diese Bankster auch weiterhin gewähren läßt und nicht die erforderliche Courage hat die Gesetze so zu verändern, dass diese auch die Konsequenzen Ihres handelns
zu tragen haben.
Ergo verstärkt sich beim Bürger der Eindruck, das ist eh alles eine Mischpoke, die dort auf Kosten der Allgemeinheit, es sich sehr gut gehen läßt.
An eine Strafrechtliche Aufarbeitung ist hier auch nicht gedacht, was besonders pervers ist vor den Hintergrund dessen dass dieser Staat,
Milliarden, die er nicht hat und hatte, den Typen zur Verfügung gestellt hat um Ihren Betrug zu sozialisieren.
Deshalb ist es dringend erforderlich das alle Wahlberechtigten sich
an kommenden Wahlen beteiligen und diesen Verätern des Allgemeinwohles,ihre Grenzen aufzeigen.
jammern auf hohem niveau. aber so lange die jungs bier trinken gehoeren sie nicht zur bankelite. die trinken champagner. interessant finde ich den umzugsgedanken wg. bonisteuer. auch unsere sogenannte elite droht staendig damit an anderen orten ihr geld verdienen zu wollen. am besten alle ins gleiche flugzeug setzen und in den ort ihrer traeme ausfliegen. sinken dor die "elitengehaelter"und die jungs bekommen wirklich was zu klagen.
"So hilft der Alkohol darüber hinweg, dass die millionenschweren Prämienzahlungen an die Banker in diesem Jahr deutlich magerer ausfallen."
So, das kostet jetzt aber 5 Euro in die Plattitüden-Kasse. Mindestens!