Tricks, Irrglaube, falsche Sicherheit und Gier: Die Finanzkrise ist ein eindrückliches Lehrstück dafür, wie ausgerechnet das Streben nach mehr Sicherheit zu einem gigantischen Scherbenhaufen führte.
Unvorstellbare Summen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten rund um den Globus in Nichts aufgelöst: 400 Milliarden Dollar, vielleicht auch eine halbe Billion Dollar. Niemand weiß es genau. Es scheint auch kaum noch einen Unterschied zu machen.
Das Herz der Finanzwelt: Manhattan (© Foto: AFP)
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Für die Banken übersetzen sich diese Zahlen allerdings in bisher nicht gekannte Lasten: In den USA drohen zahlreiche Banken zu kollabieren. Die weltgrößte Vermögensverwalterin, die UBS, die unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise vor Kraft nur so strotzte, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und sogar Deutschlands Biederinstitute wie die IKB oder einige Landesbanken können die Krise nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen.
Ihre enorme Wucht unterscheidet die Krise von frühen Katastrophen am Finanzmarkt. Und noch etwas ist anders: Vielen Banken wähnten sich bis unmittelbar vor Ausbruch der Krise in Sicherheit.
Ein Ausfall in 1000 Jahren
Darum ist es jetzt nicht damit getan, den ganzen Irrsinn der Kreditkrise auf die Gier einer Branche zu reduzieren. Dass Gier eine treibende Kraft war, streiten nicht einmal Banker ab. Doch die Krise belegt, dass in diesem Fall ein ganzes Investmentsystem den Beteiligten über den Kopf gewachsen ist: Es herrschte blinder Glaube an Modelle voller verheerender Fehler.
Darum ist die Finanzkrise mehr als eine Hypothekenkrise. In ihr steckt auch eine Systemkrise. Sie hat die sicher geglaubte Ordnung an den Finanzmärkten durcheinandergerüttelt.
Für die Ordnung sorgt eigentlich das Notensystem der Wirtschaft - über sogenannte Ratings, die von Gesellschaften wie Moody's, Standard & Poor's oder Fitch vergeben werden.
Die Regel lautet vereinfacht: Wertpapiere und Unternehmen, die ein geringes Ausfallrisiko besitzen, bekommen eine gute Note, riskante Papiere eine schlechtere. Im besten Fall lautet die Note AAA, also "Triple-A", im schlechtesten Fall ist es ein D. Konkrete Ausfallwahrscheinlichkeiten nennen die Ratingagenturen zwar nicht, doch eine Faustregel besagt: Eine AAA-Anlage hat eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent, sprich: ein Ausfall in 1000 Jahren.
Diese Ratings lenken den Strom des Geldes, weil sie die Unterscheidung zwischen sicher und unsicher ermöglichen und damit zwischen renditearm und chancenträchtig.
Lange Zeit war die Welt ganz einfach: Experten schätzen, dass maximal ein Prozent aller Anlagen und Institutionen ein AAA-Rating hatte - Unternehmen wie Exxon Mobile und Staaten wie Deutschland gehören zum Klub der Auserwählten.
Doch in den letzten Jahren ist das Angebot von Anlagen mit dem Dreifach-A förmlich explodiert - man hat einfach synthetische Wertpapiere entwickelt, die scheinbar so ausfallsicher waren, dass sie ein Triple-A-Rating bekommen durften.
Ratings dominieren Bankgeschäft
Mit dem Angebot reagierte der Finanzmarkt auf die rasant wachsende Nachfrage nach diesen Wertpapieren. Zuvor waren Regeln eingeführt worden, die die Welt der Banken revolutioniert hatten: die Eigenkapitalvorschriften des Basel-II-Abkommens. Ein sperriger Name für einen einfachen Vorgang: Das Bankgeschäft sollte sicherer gemacht werden, indem die Banken intern mehr Geld für riskante Anlagen zurücklegten. Den Maßstab für das Risiko wiederum sollte das Rating liefern. Darum ist mittlerweile das gesamte Bankgeschäft von diesen Ratings dominiert: Selbst Privatkunden bekommen eine Risikoeinstufung dieser Art.
Das Bizarre ist, dass ausgerechnet die Regeln, die das Bankgeschäft sicherer machen sollten, ganz entscheidend die Kreditkrise begünstigt haben. Da riskante Investments durch den Zwang zu mehr Eigenkapital teurer werden, setzten die Banken alles daran, intern vor allem Papiere mit besten Ratings im Bestand zu haben: Für sie muss die Bank besonders wenig Eigenkapital vorhalten.
Die Unterschiede sind enorm: Schon für Anlagen mit einem einfachen A musste ein Vielfaches mehr Eigenkapital vorgehalten werden als für ein AAA.
Das Triple A versprach den Banken ein hohes Maß an Sicherheit: "Selbst wenn jemand lieber ein gut einschätzbares herkömmliches Papier mit schlechterem Rating gekauft hätte - er griff zum Triple A, sparte viel Geld und kein Prüfer auf dieser Welt würde ihm ein Problem machen", sagt ein Bankinsider.
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Was in dem Artikel am Schluss irritiert, ist, dass so getan wird, als könne man doch mit Modellen weitermachen und aus schlechten Krediten gute machen. Man "näht auf Kante" und sieht nicht, dass es immer ein großes Risiko ist, bis zum Rand zu gehen.
Das ausgefeilteste System wird nicht dafür sorgen, dass klamme Kreditnehmer plötzlich eine hohe Bonität haben.
Man wird sich überhaupt nicht auf Ratingagenturen und Ratings verlassen dürfen, sondern wirklich im Einzelfall hinschauen müssen: Trau, schau wem! Erfahrene Kreditsachbearbeiter in den Banken brauchen wir, nicht neue Modelle.
Welchen Wert amerikanische Immobilien haben sieht man
jetzt nach dem Hurrican ike .
Ein bischen Wind und es bleibt nur ein Haufen Bretter u. Latten.
Wer gibt diesen Leuten nun wieder neuen Kredit um sich wieder ein paar Bretterbuden
hinzustellen?
wenn es unter den tausenden von Bankern nur 10 solche gibt...
und die Wahrscheinlichkeit ist gross - ich allein kenne schon 3 Schweizer...
banken sind kapitalsammelstellen, die über einen unverstellbar großen volkswirtschaftlichen riemen verfügen und somit d i e zentralen der volkswirtschaft sind.
wenn ich diesen ausgezeichneten artikel lese, frage ich mich, was die aufgaben der banken, speziell der offentlich-rechtlichen eigentlich ist. kreditwürdigkeit prüfen, anleger schützen, volkswirtschaftliche aufklärung der bevölkerung oder doch bloße gewinnmaximierung auf teufel komm raus und abschieben von verantwortung auf mathematiker und ratingagenturen.
die bayerische landesbank hätte nur mal ein bißchen recherche betreiben müssen, um die leerstehenden objekte dieser tranchen mal anzuschauen. in den usa ist der immobilienkauf wie ein mietvertrag, abhauen wenn beim nachbarn die gardine nicht gefällt ist dort üblich. es gibt keine heimatverbundenheit, die leute ziehen im leben bis zu 50 nal um....
Ist es ein Fehler von Basel II gewesen, Finanzmarktinnovationen nicht vorherzusehen, die beim Beschluss von Basel II noch nicht existierten? Das Ziel von Basel II war ja gerade, einerseits für eine bessere Eigenkapitalausstattung zu sorgen (mit der Folge, dass die Banken in off-balance-sheet-Konstruktionen geflüchtet sind (unterstützt von den US-Bilanzierungsregeln)), und andererseits auch die Risikokomponente der verschiedenen Bankgeschäfte berücksichtigen wollte. Da war natürlich die Risikobewertung anhand der Ratingagenturen ein praktischer Ausweg, da bis dahin die Ratings für Staaten und Unternehmen in der Regel sehr zuverlässig waren. Insofern gab es Lücken in den Regeln von Basel II, die Banken mit hinreichend schlechten Willen ausnutzen konnten. Ein Punkt, den der Autor meiner Meinung nach zu wenig berücksichtigt, ist die Rolle, die die Off-Balance-Sheet-Konstrukte bei der Blase hatten, denn dadurch konnten die Banken den Eigenkapitalvorschriften ja viel wirkungsvoller ausweichen als durch den Kauf von AAA-Anleihen.
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