Eine Sondersteuer auf Banker-Boni soll die Gehalts-Exzesse am Finanzplatz London zügeln. In Deutschland findet dieser Plan keine Anhänger.
In Deutschland und Großbritannien steigt der Druck auf die Banker, ihre Gehälter zu deckeln. Die britische Labour-Regierung verlangt bei Boni-Zahlungen über 25.000 Pfund (umgerechnet 27.600 Euro) die Hälfte für den Staat kündigte Finanzminister Alistair Darling an. Die Abgabe gelte für alle Banken und Bausparkassen und sei bis zum 5. April befristet. Die Einnahmen von geschätzten 608 Millionen Euro sollen in die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit fließen.
Eine Sondersteuer soll den Boni-Wahn am Finanzplatz London zügeln. (© Foto: getty)
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Von solch drastischen Maßnahmen ist die deutsche Regierung weit entfernt. Die Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank wollen lediglich Vorschläge des Finanzstabilitätsrats (FSB) auf freiwilliger Basis vorziehen. Die Antworten der Bankbosse sollen noch diese Woche in Berlin besprochen werden.
Die Gehaltsexzesse der Banker gelten als ein Auslöser der schweren Finanzkrise, die seit zweieinhalb Jahren weltweit von den Notenbanken und Regierungen bekämpft wird. Mit hohen Boni werden die Investmentbanker dazu verleitet, in kurzer Frist riskante Spekulationen einzugehen und so vor allem Geld in die eigene Tasche zu wirtschaften.
Der international besetzte FSB hat zur Unterbindung der unmäßigen Gehaltssteigerungen mehrere Maßnahmen vorgeschlagen. Boni dürfen danach nicht garantiert, müssen aber öffentlich gemacht werden. Sie sollen von der nachhaltigen Wertentwicklung der Bank abhängen, zum großen Teil über einen Zeitraum von drei Jahren gestreckt und zeitanteilig gezahlt werden. Macht eine Bank Verluste, soll dies auf die Boni durchschlagen. Die Bafin hat Banken und Versicherern einen Entwurf mit neuen Regeln für die Gehälter zugeschickt. Betroffen sind Institute, die mit Risiken handeln und international arbeiten.
Bundesbankpräsident Axel Weber unterstützte die Bafin-Initiative mit deutlichen Worten. "Das ist ein Minimum-Beitrag, den die Banken leisten können, um akzeptiert zu werden", sagte er in Richtung Boni-Banker. Die Banken hätten keine Erträge erwirtschaften können, wenn sie nicht massiv durch den Staat und die Notenbanken gestützt worden wären. "Die mittelfristigen Erfolge müssen der Maßstab für die Gehaltsstruktur sein", fügte Weber hinzu. Die Relation zwischen dem bisher meist geringen Fixgehalt und den weitaus höheren Boni müsse sich ändern. Die Bafin hatte in ihrem Entwurf bereits klargemacht, für die meisten Institute - also für die kleineren Sparkassen und Volksbanken - seien die Anforderungen irrelevant. Nur "bedeutende Finanzinstitute" seien gemeint. Die mit staatlichem Kapital gerettete Commerzbank hat bereits neue Regeln für die Gehälter angekündigt.
Rigoroses Vorgehen
Das rigorose Vorgehen der britischen Regierung erklärt sich aus der anderen Dimension, welche die Boni-Exzesse am Finanzplatz London erreicht haben. Nach Schätzungen des Centre for Economics and Business Research haben die britischen Banken trotz Finanzkrise dieses Jahr sechs Milliarden Pfund an Boni ausgeschüttet, doppelt soviel wie zuvor. Auf der anderen Seite sollen die britischen Steuerzahler 850 Milliarden Pfund für die Rettung der Banken gezahlt haben. Die Zahl stützt sich auf Berechnungen des britischen Rechnungshofs. Es handelt sich um Eigenkapital, Garantien und Bürgschaften. Deren Umfang ist in Deutschland weitaus geringer.
Investmentbanker in der City reagierten verärgert auf den Vorstoß ihres Schatzkanzlers. Sie erinnerten daran, dass sich die großen Industrie- und Schwellenländer bei ihren Vorschlägen für Boni-Regeln nicht auf eine absolute Obergrenze geeinigt hätten. Experten bezweifeln, ob eine nur für eine bestimmte Berufsgruppe geltende Sondersteuer juristisch wasserfest ist.
Weber lehnte eine Steuer auf Gehalts-Sonderzahlungen mit dem Hinweis ab, dies würde die Boni nicht im Vorfeld verhindern und erst nachträglich abschöpfen. Besser wäre ein Umdenken auf längere und nachhaltige Fristen.
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(SZ vom 10.12.2009/tob)
Surfrider Beach in Malibu
Sie schreiben
"Mut und Mumm zeichnen sich nicht gerade als die! deutschen Attribute aus.... "
und verwechseln damit das VOLK mit dessen Regierung(en)!
DENN es ist Aufgabe der jeweiligen Regierung und der sie tragenden Parlamentsmehrheit, Gesetze zu erlassen, die derartige Excesse wie nicht nur die Banker, sondern z.B. auch die Chefs der Pflicht-Krankenversicherungen sich durch ihre unfähigen, erfolgreich "eingeseiften" Aufsichtsorgane genehmigen lassen, durch besonders hohe Steuerbelastungen zu neutralisieren und zur Tilgunmg der exorbitanten Staatsschulden zu verwenden.
Deutsche Regierungen, besonders die derzeitige, werden DAS selbstverständlich NICHT tun. Dazu sind die sie tragenden Parteien viel zu eng mit exakt dieser Manager-Spezies "verbandelt"!
Und das Staatsvolk der Deutschen schaut dem Treiben ihrer Regierungen gelassen zu!
Weil "Nur die dümmsten Kälber.............selber wählen!"
Mut und Mumm zeichnen sich nicht gerade als die! deutschen Attribute aus....
Absolut hervorragende Idee.
Die Banker-Boni sind eines der Exzesse, die das kapitalistische System pervertiert haben: Da hat eine Kaste versucht, enorme Gewinne einzustreichen, ohne daß entsprechendes Risiko dem gegenüber stand. Bzw. genauer: Das Risiko wurde schön auf die Allgemeinheit verteilt, der Gewinn aber nicht.
Man kann nicht öffentlich der Allgemeinheit Kapitalismus predigen, und für sich selbst Sozialismus einfordern. Wer die Vorteile des Kapitalismus für sich haben möchte, der muß auch dafür geradestehen, wenn es danebengeht. Da die Banker niemals das Risiko für sich tragen werden, ist es ein richtiger Schritt, daß sie auch konsequent als Angestellte in Zukunft behandelt werden. Denn "Unternehmer" waren diese Burschen nie.