Von Nikolaus Piper

Die Wall-Street-Banken ziehen eine alarmierende Bilanz der Kreditkrise.

Schadensbilanz in New York: Citigroup, die größte Bank der USA, hat im letzten Quartal netto nicht weniger als 9,83 Milliarden Dollar verloren. Das Institut musste 18,1 Milliarden Dollar aus Verlusten mit zweitklassigen Hypothekendarlehen ("Subprime Loans") abschreiben.

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Die Dividende wird, entgegen früheren Beteuerungen des Managements, um 41 Prozent gekürzt, was zeigt, wie ernst die Lage ist. Außerdem dürfte Citi 20.000 von ihren bisher noch 300.000 Arbeitsplätzen abbauen. Von unterschiedlichen Investoren bekommt die Bank 12,5 Milliarden Dollar an dringend benötigtem frischem Kapital.

An der Wall Street ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Die Banken müssen ihre Geschäftsergebnisse für das Krisenjahr 2007 vorlegen, und den Anfang machen gleich jene beiden Institute, die sich am schlimmsten mit hochriskanten Hypotheken verspekuliert haben: Neben Citigroup ist das Merrill Lynch, wo die Zahlen am Donnerstag kommen.

Den Banken geht es derzeit wie Zauberlehrlingen: Sie werden die Geister nicht mehr los, die sie einst riefen. Sie schufen hochkomplexe Finanzinstrumente, mit denen sich in guten Zeiten viel Geld verdienen ließ, die aber in der Krise eine mörderische Dynamik entfalten können.

Vereinfacht ausgedrückt kauften sie bei amerikanischen Geldverleihern Hypothekenkredite, bündelten sie und vertrieben sie weiter auf dem Kapitalmarkt. Darunter waren auch riskante Darlehen an Hausbesitzer mit geringer Kreditwürdigkeit. Theoretisch hätten sich die Risiken so gleichmäßiger auf den globalen Finanzmärkten verteilen sollen, praktisch konzentrierten sie sich jedoch wieder bei den Banken, weil diese selbst massiv im Handel mit den fragwürdigen mitmischten.

Einige Institute, bei denen das Risikomanagement stimmte, konnten bei dem gefährlichen Spiel durchaus profitieren. Die Investmentbank Goldman Sachs schloss 2007 mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte ab. Der New Yorker Hedgefonds-Manager John Paulson verdiente im vergangenen Jahr drei bis vier Milliarden Dollar, weil er im rechten Augenblick auf den Zusammenbruch der Hypotheken-Spekulation gewettet hatte.

Warum die Dinge ausgerechnet bei Citigroup so schlimm liefen, lässt sich leicht erklären. Das Finanzkonglomerat wurde in den neunziger Jahren hastig vom damaligen Chef, dem charismatischen Sandy Weill, zusammengekauft, ist also selbst das Ergebnis einer gewagten Spekulation. Zeitweise erwog Citi sogar den Kauf der Deutschen Bank. Doch das Institut blieb eine Art Finanzsupermarkt ohne eigene Firmenkultur, was sich vor allem im Risiko-Management verheerend auswirkte. So wurde Citigroup zum größten Investor im Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren, ohne es zu beherrschen.

Der neue Chef von Citigroup, Vikram Pandit, muss nun, mitten in der Krise, aus dem Supermarkt eine richtige Bank machen - oder auch verschiedene Banken. Die Zerschlagung von Citigroup ist zu einer Option geworden.

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(SZ vom 16.1.2008/hgn)