In der Finanzkrise hat sich das Modell der Investmentbank überholt: Die Zukunft gehört wieder ganz der altmodischen Geschäftsbank.
Ein Video sagt mehr aus als tausend Worte. An diesem Montag, der Verkauf der 97 Jahre alten Investmentbank Merrill Lynch an die Bank of America war gerade besiegelt, sah man auf den Fernsehschirmen zwei Männer bei einer Pressekonferenz. Links den Chef von Merrill Lynch, John Thain, rechts neben ihm sein künftiger Chef, Kenneth Lewis, der Boss der Bank of America (BoA). Thain ist einer der bisher unbestrittenen Stars der Wall Street.
(© Foto: AFP)
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Vor seinem Wechsel zur Merrill Lynch hatte der Harvard-Absolvent die New Yorker Börse in ein profitables Unternehmen umgebaut. Sein Maßanzug sitzt perfekt, er hat kein Gramm Körpergewicht zu viel, seine Gestik ist zurückhaltend und vornehm. Lewis dagegen kommt aus der Provinz. Er ist in Mississippi geboren, seine Bank sitzt in North Carolina. Der Banker gestikuliert ziemlich unelegant, er trägt etliche Pfunde zu viel mit sich herum und pflegt seinen Südstaaten-Akzent.
Grundstürzende Veränderung
Es ist der Provinzler Lewis, nicht Thain, der künftig bestimmen wird, wie die Dinge im amerikanischen Finanzsystem zu laufen haben. Der soeben eröffnete, ökologisch vorbildliche Wolkenkratzer der Bank of America mitten in Manhattan wird zum neuen Machtzentrum der amerikanischen Finanzwelt.
Der Aufstieg der Bank of America zur Retterin der Wall Street illustriert besser als alles andere, welche grundstürzende Veränderung in New York gerade stattgefunden hat. In gerade einmal einem halben Jahr sind drei der einstmals respektabelsten Investmentbanken vom Kurszettel der New York Stock Exchange verschwunden: Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch. Zurück bleiben noch zwei: Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Die Kategorie der "Wall-Street-Bank", die einst den Puls des Finanzplatzes New York bestimmte, gibt es nicht mehr. Die Zukunft gehört der normalen, altmodischen Geschäftsbank.
Lesen Sie weiter, wie der Glamour abhanden kam - und ein Drama entstand.
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Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
Zitat Insgesamt wird das Geschäft mit Geld weniger riskant, weniger profitabel, strenger reguliert und viel langweiliger werden. Provinziell eben. Zitat Ende
Wie langweilig, in der Tat, wenn Anlegers Geld tatsächlich noch DA ist nach was immer für Marktturbulenzen. Diesen provinziellen Aspekt haben Sie doch glatt vergessen zu erwähnen!
Wie schon des öfteren in der Vergangenheit gezeigt. Auch da haben die Weltwirtschaftskrisen in den USA ihren Ausgang genommen.
Nicht nur die vielen US-Staaten wurden in den Abgrund gerissen, sondern gleich fast die "ganze" Welt. Und auch die nächste Weltwirtschaftskrise wird wieder in den USA ihren Ausgang nehmen. Garantiert! Und das trotz jahrzehntelanger größter Ressourcenverschwendung, trotz jahrzehntelanger größter Umweltverschmutzung, trotz jahrzehntelanger größter Ausbeutung von Entwicklungsländern, trotz jahrzehntelanger rücksichtslosester Kriegs- und Umsturzpolitik in der ganzen Welt zur Machterhaltung und -verbreitung und trotz rücksichtslosester Wirtschafts- und Währungspolitik durch die USA. "Die USA exportieren ihre wirtschaftlichen Probleme", meinen ja richtigerweise viele Wirtschaftsfachleute.
Einen weiterer Effekt findet in diesem ansonsten guten Artikel keine Erwähnung: Die Wall-Street wird Ihre Sonderstellung unter den Börsen dieser Welt weitgehend eingebüßt haben. Das kann nur gut sein für Investoren, die im Gegensatz zu Spekulanten auf mittel- bis langfristige Entwicklungen setzen.
Die Verluste des einen sind immer die Gewinne des anderen. Das wird in der allgemeinen Jammerei gerne vergessen. Zu den Verlierern zählen sicher jene, auf die der Spruch "Gier frißt Hirn" zutrifft, denen 10-20% sichere Rendite nur ein mitleidiges Kopfschütteln entlockt und bereits von Gewinnwarnung (ein perverses Wortungetüm) gesprochen wird.
Zu den Gewinnern werden weltweit jene Investoren zählen, die hinter einem käuflichen Papier, ob Aktie oder Darlehnsbrief, die gesunde Firma mit Zukunft sieht oder die Familie, die Ihren Traum vom Eigenheim mit allen Mitteln verwirklichen will.
Ja, lieber Herr Pieper,
Sie selbst haben in Ihrem Kommentar ja bereits darauf hingewiesen. Früher waren es die Eisenbahn-Barone, man könnte beispielsweise noch die Ölmagnaten oder die US-Finanzaristokratien (Gründer der FED) oder das Diamantenkartell nennen. Oder wie wäre es mit den heutigen Oligarchen in Russland oder ganz aktuell den Rohstoffspekulanten, oder...?
Pauschal ausgedrückt: Überall dort, wo es keine Kontrolle oder Regulierung gibt, treiben es die finanziell Potenten eben besonders exzessiv. Wir werden sehen, welche Sau als nächstes durchs Dorf getrieben wird.
Heramano
...und dann in vermehrter Form zurück zu denen, die dann noch mehr haben. Sonst wär's ja keine Bank, sondern Robin Hood.