Opportunistische Investoren wie Flowers sind eine Chance. Denn wenn die Banken sich selbst nicht helfen können, dann sind andere Geldgeber gefordert.
Ausgerechnet einige der übelsten Spekulanten und Mitverursacher der Finanzkrise schlagen nun Profit aus den Problemen der Banken. Diesen Reflex mögen die Meldungen dieser Tage auslösen. Der Finanzinvestor Christopher Flowers greift sich ein Viertel des Dax-Konzerns Hypo Real Estate (HRE). Blackstone und ähnliche Investoren kaufen der Deutschen Bank und anderen Instituten zum Schnäppchenpreis Problemkredite ab.
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Im Visier von Investoren: der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. (© Foto: dpa)
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Das mag manch einem gegen den Strich gehen. Tatsächlich aber können Spekulanten wie Flowers und Co. zur Lösung der Krise beitragen, sie müssen es sogar.
Die vermeintlich nichtsnutzigen Spekulanten nutzen Wirtschaft und Gesellschaft in zweierlei Hinsicht. Sie mehren im besten Fall das Vermögen ihrer Geldgeber - in den USA sind das oft Pensionsfonds, also letztlich der "kleine Mann" -, und sie sorgen dafür, dass Märkte funktionieren. Letzteres ist der Schlüssel zur Bewältigung der Krise.
Chancen nutzen
Die Probleme, die vom amerikanischen Häusermarkt ausgingen, gefährden deshalb das gesamte Finanzsystem, weil die Kapitalmärkte versagten. Viele Kreditpapiere konnten nicht mehr gehandelt werden, weil niemand sie kaufen wollte; Banken mussten deshalb die Papiere abschreiben, häuften immer größere Verluste an und gerieten in Kapitalnot; auch gegenseitig liehen sich die Banken kein Geld mehr.
Es ist daher ein Hoffnungsschimmer, wenn sich nun einige dieser Märkte wieder beleben. Während die meisten Banken noch immer mit zittrigen Händen ihr Geld zusammenhalten, gehen Investoren allmählich wieder neue Risiken ein. Denn ein Risiko ist es für Flowers, der HRE unter die Arme zu greifen, obwohl Vorstandschef Georg Funke die Risiken der Kreditkrise unterschätzt und seine Aktionäre schlecht informiert hat.
Aber nur wenn Finanzinvestoren bereit sind, sich auf Risiken einzulassen, können die Märkte ihre Funktion wieder erfüllen, Banken und Unternehmen mit Kapital zu versorgen.
Risiken gehen auch jene Spekulanten wie Blackstone ein, die mit der Deutschen Bank und anderen Instituten über den Kauf von milliardenschweren Kreditpaketen verhandeln. Es mag einem übel aufstoßen, dass teils die gleichen Investoren jetzt Profit aus Kreditkäufen ziehen wollen, deren überteuerte Firmenkäufe die Banken einst mit eben diesen Krediten finanzierten.
Natürlich handeln die Investoren hemmungslos opportunistisch, und es geht ihnen weder um das Wohl der Banken noch der Unternehmen. Aber es liegt in der Natur eines jeden Anlegers, Opportunitäten, also Chancen, zu nutzen.
Frisches Kapital stärkt die Bilanzen der Banken auf der einen Seite, der Verkauf von Krediten entlastet sie auf der anderen. Gelingt beides nicht, können Banken die Unternehmen und Bürger nur noch eingeschränkt oder zu deutlich höheren Zinsen mit Geld versorgen. Spätestens dann haben nicht mehr nur die Banken, sondern alle ein Problem.
In jeder Krise gibt es Gewinner
In den USA sind diese Folgen schon sichtbar, das Land steckt vermutlich in einer Rezession. Kommen aber die Investoren zurück und stabilisieren sich die Märkte weiter, dann besteht eine Chance, dass der Abschwung moderat bleibt. Noch immer ist die Gefahr sehr groß, dass es anders kommt.
Deshalb sollte nun niemand über Finanzinvestoren jammern, der sich eben noch beklagt hat, Staat und Steuerzahler müssten den Banken aus der selbstverschuldeten Misere helfen. Wer möchte, dass sich die Finanzbranche selbst hilft, muss akzeptieren, dass es Krisengewinnler gibt. Ja, es sind zum Teil die gleichen Finanzinvestoren, die zuvor auch vom Boom profitierten.
Vielleicht tröstet es den einen oder anderen, dass Blackstone, Flowers und Co. mit einigen der Firmen, die sie im Kaufrausch der vergangenen Jahre übernahmen, noch schwere Verluste erleiden werden. Das gehört zum Schicksal der Spekulanten. Aber es werden viele Spekulanten nötig sein, um den Banken genug Probleme abzunehmen, dass diese wieder ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen können. Und die besteht eben nicht primär im Spekulieren, sondern darin, Geld in produktive Investitionen zu schleusen.
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(SZ vom 18.04.2008/tob)
Rekord in Deutschland
dass die bösen Hedgefonds theoretisch die Rolle eines Geiers übernehmen. Liegt ein Unternehmen am Boden und steht nicht mehr auf, wird es gefressen und verwertet. Das ist auch gut so, denn so können gesunde Teile eines Unternehmens weitergeführt werden und bei der Gelegenheit wird häufig auch das versagende obere Management ausgeschaltet.
Problematisch wird es nur, wenn eine Bank dem Geier so viel Geld gibt, dass es fast jedes Unternehmen übernehmen und ausweiden kann. Dann geht es nicht darum, wirtschaftliche Kadaver zu verwerten sondern wie ein Vampir so viel Blut bzw. Geld wie möglich aus dem eigentlich gesunden Opfer zu saugen. Solange mehr Geld zu holen ist wie reingesteckt wurde, geht die Rechnung auf, der Wirt stirbt.
Dies ist leider nur möglich, wenn Banken mitspielen. Ich schreie ungerne nach Regeln, aber hier sehe ich Banken in der moralischen Verantwortung bei der Kreditvergabe. Rechtlich wird sich solchen Vampirattacken nicht beikommen lassen. Schließlich darf jeder kaufen, was ihm gefällt.