Große Banken sollen für die Folgen der Finanzkrise zahlen - sagt US-Präsident Obama. Aber die neue Steuer trägt nichts zur Lösung der Probleme bei.
Es ist angewandtes Verursacherprinzip: Die Rettung der großen US-Banken hat die Steuerzahler bisher unmittelbar 90 bis 120 Milliarden Dollar gekostet, und es ist nur recht und billig, wenn sich die Steuerzahler diese Summe wieder von den Banken zurückholen.
Je mehr man die Abgabe für Banken spezialisiert, desto willkürlicher wird sie. Warum fallen zum Beispiel nur die 50 größten Finanzinstitute unter die Steuer und nicht die 60 oder 70 größten? (© Foto: dpa)
Anzeige
So jedenfalls sieht die Logik hinter der Sondersteuer aus, die Präsident Barack Obama am Donnerstag vorstellte. Nun funktioniert Steuergerechtigkeit in der Theorie besser als in der Praxis. Die Finanzgeschichte ist auch eine Geschichte der unbeabsichtigten Konsequenzen.
Konkret hat eine allgemeine Abgabe auf Banken fast notgedrungen zur Folge, dass auch deren Kundschaft, also der Rest der Wirtschaft, belastet wird. Das gilt etwa für eine Transaktionssteuer, die viele Europäer, unter ihnen die deutsche Bundesregierung, gerne erheben würden.
Je mehr man die Abgabe aber spezialisiert, desto willkürlicher wird sie, wie Obamas Pläne zeigen. Warum fallen zum Beispiel nur die 50 größten Finanzinstitute unter die Steuer und nicht die 60 oder 70 größten? Warum muss die US-Tochter der Deutschen Bank zahlen, nicht aber der Konzern General Motors, der mit Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt wurde? Zugunsten der Obama-Steuer lässt sich immerhin anführen, dass sie die Wirtschaft kaum schädigen dürfte - ganz einfach, weil sie so klein ist.
Nach den Plänen soll sie in zehn Jahren 90 Milliarden Dollar bringen; rein statistisch macht das 180 Millionen Dollar pro Institut und Jahr. Das ist nicht ganz irrelevant, aber fast. Goldman Sachs zahlt in normalen Jahren zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar Steuern. Unter solchen Bedingungen bleibt der Schaden für den Rest der Wirtschaft begrenzt, und Obama hat zumindest Verständnis dafür verdient, dass er mit einer eher symbolischen Aktion dem Gerechtigkeitsgefühl seiner Landsleute nachkommt.
Der eigentliche Einwand gegen die Sondersteuer ist ein anderer: Sie trägt nichts zur Lösung der Folgeprobleme der Finanzkrise bei, sie lenkt im Gegenteil von dieser Lösung ab. Tatsächlich ist die Nach-Krisenpolitik auf gefährliche Weise ins Stocken geraten.
Eigentlich wollten die Regierungen international abstimmen, ob und wie sie die Banken für einen Teil der Krisenkosten haftbar machen können. Daraus dürfte angesichts von Obamas Steuer erst einmal nichts werden. Eigentlich sollten die sehr klugen Beschlüsse des Weltfinanzgipfels von Pittsburgh schnell in nationales Recht umgesetzt werden und 2011 in Kraft treten. Bisher ist aber nichts Gesetz geworden.
Eine wesentliche Ursache dafür ist: Obama verliert zusehends den Rückhalt für seine Wirtschaftspolitik. Die Republikaner haben längst auf Fundamentalopposition geschaltet; die Demokraten im Kongress werden immer unberechenbarer. Begonnen hat alles zwar mit der umstrittenen Gesundheitsreform, aber die Grabenkämpfe betreffen nun auch die Fragen der Bankenregulierung.
Das Repräsentantenhaus hat zwar ein relativ weitreichendes Reformpaket beschlossen, dem stimmte jedoch kein einziger Republikaner zu. Im Senat ist ein konkurrierender Entwurf anhängig, der sich in wichtigen Punkten unterscheidet.
Der demokratische Senator Christopher Dodd, der einen Kompromiss hätte aushandeln sollen, hat inzwischen auf eine Wiederwahl verzichtet, weil er angesichts der verheerenden Stimmung keine Chancen mehr für sich sah. Damit wurde er zur "lahmen Ente", wie man in Washington sagt; er hat keine Verhandlungsmacht mehr.
Teile des Kongresses führen zudem einen verbissenen Kampf um die Entmachtung der Notenbank Federal Reserve. Der politische Prozess in Washington trägt zunehmend irrationale Züge, und niemand vermag vorauszusagen, wie das Ergebnis am Ende aussieht.
In dieser Situation hat Obama nun mit der Bankensteuer eine neue Front eröffnet. Man kann nur hoffen, dass dies zur Klärung beiträgt und nicht das Chaos noch vergrößert.
- Banken "Massive Profite und obszöne Bonuszahlungen" 14.01.2010
- US-Präsident in Not Der Sizilianer in Obama 13.01.2010
- USA: Rekorddefizit Fatale Zahlen von Minister Geithner 14.01.2010
- US-Untersuchungsausschuss Mea culpa auf bankisch 13.01.2010
- Untersuchungsausschuss Finanzkrise Banker auf der Zeugenbank 13.01.2010
(SZ vom 15.01.2010/hgn)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
"Es ist angewandtes Verursacherprinzip: Die Rettung der großen US-Banken hat die Steuerzahler bisher unmittelbar 90 bis 120 Milliarden Dollar gekostet, und es ist nur recht und billig, wenn sich die Steuerzahler diese Summe wieder von den Banken zurückholen."
Soweit Nikolaus Piper, der gegen diese Logik eine Reihe von Gegenargumenten anführt und die Effizienz dieser "Obama-Steuer" anzweifelt.
Hier widerspreche ich Piper.
Es handelt sich doch um eine "Strafsteuer", bei der es nicht in erster Linie auf wünschenswerte ökonomische Effekte ankommt sondern auf empfindliche Bestrafung für begangene, volkswirtschaftlich gefährliche Finanzgeschäfte und auf prophylaktisch wirkende Warnung auf Bank- und Konzernmanager.
So gesehen ist Obamas Aktion durchaus sinnvoll und gerecht.
Die Ackermänner in aller Welt sollen wissen, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie durch ihre wirtschaftskriminellen Handlungsweisen die Weltwirtschaft wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen.
Sellten so einen Schwachsinn, und das in einer angeblich "renommierten" deutschen Zeitung gelesen.
Alleine schon die Wiedergutmachung mit einer Lösung der Krise in einem Topf zu schmeißen ist hanebüchen.
DAS EINE HAT MIT DEM ANDEREN ABER SOWAS VON ÜBERHAUPTNIX ZU TUN !
Mit dieser Argumentation als Grundlage bräche unser ganzes Wertesvstem, samt Straf- und Privatrecht zusammen, wenn verursachte Schäden an Dritten, selbst unbeabsichtigte, nicht mehr einklagbar wären, weil Sie keine "Lösung" der Tat darstellen. Von Strafe ist hier noch nicht mal die Rede und auch nicht von Resozialisierung der Täter.
Und die ist dringlichst nötig, wenn man sich die Argumentation der amerikanischen Großbanken zu Gemüte führt: "Wir haben die Gelder ja bereits an den Staat zurückgezahlt" Hier läßt sich null Schuldgefühl gegenüber den Kunden und der Wirtschaft feststellen, die durch die Finanzkrise erst in´s straucheln kamen und auch noch kommen. Ganze Länder sind Pleite "...aber wir haben die Staatshilfen ja wieder zurückbezahlt"
Ein Artikel wie dieser, der diese Denke der Bankster nicht nur unterstützt, sondern auch noch verteidigt gehört nicht nur in den Müll, der gehört verboten und der Verfasser einer Resozialisierung unterzogen.
Und wenn Sie sich jetzt beleidigt fühlen, können Sie gerne meinen Klarnamen haben.
" Nach den Plänen soll sie in zehn Jahren 90 Milliarden Dollar bringen; rein statistisch macht das 180 Millionen Dollar pro Institut und Jahr. Das ist nicht ganz irrelevant, aber fast."
Bin wie Herr Piper der Meinung, dass der Banken-Beitrag viel zu gering ist. Also erhöhen wir um das 10fache.
Oder Herr Piper, wollen Sie das sooo nicht gemeint haben und wollten nur einen billige Begründung bieten?
Koalition: Führungsfrage Angela Merkel und der Kampf mit den Kraftmeiern
Und muss sagen, dass ich einige neue Aspekte für mich mitgenommen habe.
Natürlich bringt diese Steuer nichts. Würde sie etwas bringen, d.h. würde sie das Gezocke und Gegiere der Banker in die Schranken weisen, würde sie gar nicht erst diskutiert werden --- nicht nur die meisten Medien, sondern auch die meisten Regierungen und insbesondere der US-Präsident befinden sich derart im Würgegriff der Banken, dass jede Zuwiderhandlung gegen deren gierende Interessen geradezu unmöglich scheint.
Ein Einfluß mit Verfallsdatum natürlich; die exorbitanten Verschuldungen der Staaten in Folge der Wirtscahftskrise zeigen auf, dass kein Gemeinwesen auf Dauer das Raffen und Zocken der Banker er-tragen kann. Es zeigt allerdings auch, dass dem Zusammenbruch der Banken der Zusammenbruch der Volkswirtschaften vorausgehen wird --- so lange werden die Banker ihr Spielgeld einfordern, um weiterzuzocken und weiterzuzocken, bis zum bitteren Ende.
Paging