Viele Banken sind gar nicht mehr erpicht auf das Geld neuer Kunden - entsprechend niedrig sind die Zinsen. Wie Sparer trotzdem gute Angebote finden.
Eigentlich kennt man Banken als Institutionen, die sich freuen, wenn Kunden ihnen Geld bringen. Seit einiger Zeit aber stellt sich die Situation ganz anders dar: Eine Reihe von Geldinstituten haben genug Kundengelder, sie sind gar nicht mehr erpicht darauf, neue zu bekommen.
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Derzeit herrscht die skurrile Situation, dass manches Institut wegen zu vieler Kunden am liebsten schließen würde. Für die Aufstellung, wo die Kunden am meisten Zinsen für Tagesgeld bekommen, auf das Foto klicken. (© Foto: Getty Images)
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Das lässt sich auf dem Markt für Tagesgeld gut beobachten, einer Anlageform, die in den vergangenen Jahren sehr populär geworden ist. "Manche Institute verstecken die Zinsen schamhaft, sie sind nicht mehr darauf angewiesen, neue Kunden zu werben", sagt Horst Biallo, Betreiber des Vergleichsportals www.biallo.de.
Auf biallo.de sind täglich aktualisierte Tabellen veröffentlicht, über die Anleger erkennen, welche Banken gerade die besten Zinsen bieten. "In letzter Zeit haben die Bitten von Banken zugenommen, nicht mehr in unseren Vergleichsrechnern zu erscheinen", sagt Biallo.
Kein wirkliches Interesse am Neugeschäft
Das deutet darauf hin, dass manche Banken derzeit kein wirkliches Interesse am Neugeschäft haben. Man lehne diese Bitten aber ab, um Verbrauchern den bestmöglichen Marktüberblick zu verschaffen.
Hintergrund ist, dass die Banken derzeit einen Überschuss an Kundeneinlagen haben. Das Geschäftsmodell der meisten Direktbanken ist es, dass sie über Tages- und Festgeld Einlagen ins Haus holen, um diese als Ratenkredite oder Baufinanzierungen weiterzureichen.
Im Moment gibt es einen Überhang bei den Einlagen. Das liegt daran, dass sich viele Anleger von Aktien verabschiedet haben und lieber Zinsprodukte wählen, auch wenn diese derzeit nicht viel bringen.
Vor gut einem Jahr noch völlig anders
Sicherheit geht vor. ING-Diba, die größte europäische Direktbank, verfügt derzeit zum Beispiel über Einlagen von 75 Milliarden Euro, aber nur 50 Milliarden davon sind als Baufinanzierungen oder Ratenkredite verliehen.
Vor gut einem Jahr war das noch völlig anders. Nach der Pleite von Lehman im September 2008 herrschte soviel Unsicherheit, dass sich die Banken gegenseitig kein Geld mehr liehen.
Sie waren auf Kundengelder angewiesen, um ihre Kredite zu finanzieren. Manche, zum Beispiel Autobanken, warben damals mit hohen Zinsen. Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich dies umgekehrt: Der Handel der Banken untereinander ist wieder weitgehend intakt, dazu können sich die Institute bei der Europäischen Zentralbank billig mit Geld versorgen. Dies führt zu der skurrilen Situation, dass manches Institut wegen zu vieler Kunden am liebsten schließen würde.
Nachlassender Wettbewerb
Eine Möglichkeit wäre es auch, die Zinsen deutlich zu senken. Kunden bleiben dann automatisch aus. Doch davor scheuen die Banken zurück, weil sie damit bereits bestehende Kunden vergraulen würden. Außerdem ist es für sie strategisch wichtig, in den einschlägigen Tabellen stets oben aufzutauchen. Ist man einmal draußen, besteht die Gefahr, dass die Kunden einen vergessen.
Die Zinsen für Tagesgeld sind schon seit Monaten relativ niedrig. Das liegt zum einen an den niedrigen Leitzinsen, aber auch daran, dass der Wettbewerb nachgelassen hat.
Die Spitze mit einem Zinssatz von 2,10 Prozent teilen sich derzeit vier Institute: die niederländische Akbank, die Bank of Scotland, Cosmos direct und NIBC-Direct (Grafik). Dahinter folgen zwei Banken, die 2,00 Prozent Zinsen bieten: 1822 direkt und ING-Diba. Die Stiftung Warentest kürte kürzlich die Bank of Scotland zum besten Tagesgeld-Anbieter, weil diese relativ hohe Zinsen gewährt und keine komplizierten Nebenkonditionen hat.
Gute Verzinsung auch für Neukunden
"Wichtig ist es, darauf zu achten, welchem Einlagensicherungssystem die jeweilige Bank angehört", sagt Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Anleger sollten auf keinen Fall mehr Geld anlegen, als gesichert ist, sondern lieber den Betrag auf mehrere Institute verteilen.
Manche Banken bieten eine gute Verzinsung auch nur für Neukunden; wer schon Kunde ist, bekommt weniger. Bei der ING-Diba sind es zum Beispiel 2,0 Prozent für neue und 1,5 Prozent für bestehende Kunden.
Anleger sollten zudem darauf achten, dass das Tagesgeld nicht an andere Sonderkonditionen geknüpft ist. Cortal Consors zahlt 3,5 Prozent für Tagesgeld, was derzeit absoluter Rekord wäre. Doch dies gilt nur, wenn der Anleger gleichzeitig ein Depot bei der Bank eröffnet und darauf zwölf Monate lang Wertpapiere über mindestens 6000 Euro liegen lässt.
"Solche Lockangebote sind gerade beim Tagesgeld häufig, weil das Produkt ein wichtiges Marketinginstrument ist", sagt Verbraucherschützer Handstein. Banken wollten den Kunden damit an sich binden und ihm anschließend andere Produkte wie Fonds oder Zertifikate verkaufen, an denen sie mehr verdienen.
Auf solche Angebote sollten Anleger nur eingehen, wenn sie sich vorher genau informiert haben. Im Zweifelsfall entscheidet man sich besser nicht für das Tagesgeld - was manchen Banken derzeit ohnehin lieber ist.
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(SZ vom 23.03.2010/pak)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Noch eine Anmerkung zu den hier genannten Banken. Finger weg von der 1822direkt - gute Zinsen nur für ein paar Monate, damit man zu ihnen kommt, danach wird man mies behandelt - eigene Erfahrung und siehe auch aktuelle Finanztest.
Bank of Scotland ist ein wenig gewöhnungsbedürftig im Banking, aber ansonsten O.K., gut ist auch die NIBC-Direct, schneller Service und auch schnelle Abwicklung.
Zitat: "Das liegt daran, dass sich viele Anleger von Aktien verabschiedet haben und lieber Zinsprodukte wählen, auch wenn diese derzeit nicht viel bringen."
Falsch, das die Banken satt mit Geld sind liegt daran, daß sie von der Zentralbank Geld zu Minizinsen bekommen, das Geld aber nicht weiter an Unternehmen verleihen - wozu die Minizinsen eigentlich gedacht waren.
Viel lieber nutzen die Banken das billige Geld um sich selbst zu sanieren, als die Wirtschaft mit flüssigen Mitteln zu versorgen.
Das "teure" Tagesgeld der Kunden hat man dazu doch nicht nötig, das Geld der Zentralbank ist doch viel günstiger.
Bargeld ist doch wohl derzeit die Anlageklasse mit dem höchsten Risiko... So gesehen müßte man mir auf Bargeld schon eine satte zweistellige Verzinsung bieten damit ich mich von meinen "riskanteren" Anlagen trenne.
das niedrige Zinsniveau für "sichere Anlagen" bewirken, dass der Wunsch nach höherer Rendite der Anleger mit höherem Risiko u.a. über Investments in Firmengründungen oder Firmenanleihen befriedigt werden kann.
Denn sobald Festgeld nur noch 1-2% bringt, dann sollten eigentlich Unternehmen keine Kreditklemme kennen. Denn Unternehmensanleihen werden nach wie vor mit etwa 5% aufwärts bedient. Seltsam dass die Wirtschaft trotzdem über eine Kreditklemme klagt. Wer sich das Geld nicht von der Bank leihen kann, der sollte dem Kapitalmarkt eben 4-8% bieten und es sich von dort holen. Denn dazu ist der eigentlich gedacht.
Sicher zahlen die genannten Institute einfach mehr Zinsen, weil sie so gute Menschen sind und eigentlich gar kein Geschäft machen wollen...
Vielleicht aber kriegen diese Banken über die EZB gar keine Gelder mehr im Tender zugeteilt und müssen sich anderweitig Kapital besorgen. Da der deutsche Anleger an sich schnell vergisst - alles kein Problem.
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