Deutsche-Bank-Chef Ackermann und der Finanzminister Schäuble loben sich gegenseitig. Und immerhin - die Finanzinstitute ducken sich nicht weg.
Es gibt Wirtschaftsführer, die sich in Zeiten der Krise wegducken. Plötzlich müssen andere ins Rampenlicht, es soll nur nichts am ersten Mann im Unternehmen hängen bleiben.
Mit der Kraft der zwei Herzen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (l.) und Finanzminister Wolfgang Schäuble. (© Foto: Reuters)
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Und wenn es sich um ein firmenübergreifendes Problem handelt, dann soll das bitte der Staat regeln. Josef Ackermann geht in der Griechenland-Krise einen anderen Weg.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat von Anfang an im griechischen Drama mitgewirkt - und dabei sorgfältig darauf geachtet, nicht als Teil des Problems zu erscheinen, sondern als Teil der Lösung. Er hat in Athen privatwirtschaftliche Hilfe zu organisieren versucht, lange bevor die Situation so eskalierte, dass nun die Welt den Griechen mit 110 Milliarden Euro über drei Jahre unter die Arme greifen muss.
Eine andere Idee lautete, dass die Banken sich an jenen 8,4 Milliarden Euro beteiligen, die Deutschland in einem ersten Schritt dieses Jahr zur Verfügung stellt. Beides scheiterte letztlich an der Bundesregierung, die diese Form der Unterstützung nicht wollte. Jetzt kommt der Banker auf Umwegen zum Ziel, indem Banken und Versicherungen das internationale Hilfspaket für Griechenland indirekt stützen.
Damit ist die Diskussion da gelandet, wo sie hingehört. Denn eine direkte Unterstützung des Hilfspakets, wenn sie rechtlich überhaupt zulässig wäre, hätte staatliches und privates Handeln verwischt. Sie hätte auch Verantwortlichkeiten falsch zugeordnet. Denn an der aktuellen Misere sind nicht die kreditgebenden Banken schuld.
Bei aller berechtigten Kritik an den Geldhäusern im Zusammenhang mit dem Handel hochriskanter Finanzprodukte kann man ihnen die soeben abgewendete Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht wirklich anlasten. Nicht der, der Geld verleiht, ist der Sünder, sondern der, der über seine Verhältnisse lebt. Und was wäre im übrigen gewesen, wenn die Gelder eines Tages tatsächlich verloren wären: Dann hätte derselbe Staat, der den Banken harakirihaftes Verhalten vorwirft, diese explizit ins Risiko getrieben.
Wenn dagegen die Finanzunternehmen nun ankündigen, weitere KfW-Anleihen zu zeichnen, mit denen der deutsche Hilfsbeitrag finanziert wird, dann helfen sie sinnvoll. Sie halten den privaten Geldhandel am Laufen, der sonst womöglich zum Erliegen käme; vielleicht kommen die Staaten sogar mit weniger als 110 Milliarden Euro weg.
Umgekehrt könnte sich die Hilfszusage für die Banken sogar rechnen, denn sie kaufen Anleihen mit hohen Zinsen, weil die Euro-Länder die Rückzahlung verbürgen. Die Banken und Versicherungen kündigen ferner an, bestehende Kreditlinien für den griechischen Staat und die Banken des Landes offenzuhalten. Auch das ist in ihrem eigenen Interesse. Andernfalls nämlich müssten sie ihre Forderungen womöglich abschreiben.
Für die Regierung und die Banken ist das eine "win-win"-Situation; beide profitieren: Die Bundesregierung, die wenige Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ein unpopuläres Milliardenpaket durchs Parlament bringen muss, kann darauf verweisen, dass man die "bösen" Banken an der Lösung der Probleme beteiligt.
Und Ackermann, politisch und medienöffentlich perfekt beraten, tut etwas fürs Image seiner Branche: Seht her, wir übernehmen Verantwortung. Nicht von ungefähr lobten sich am Dienstag der Bankchef und der Finanzminister gegenseitig. Ein bisschen Lob kann nicht schaden, aber man sollte nicht übertreiben. Die Banken helfen, ja. Sie ducken sich nicht weg, immerhin. Aber sie tun das im eigenen Interesse.
Diese Form der Kooperation darf freilich nicht dazu führen, dass die Banken nun aus Dankbarkeit von anderem verschont werden. Wenn die Banken doch so schön helfen, könnte man meinen, dann braucht es ja gar keine neuen, strikteren Regeln mehr.
Das Verbot bestimmter Spekulationsgeschäfte und der Zwang zu mehr Eigenkapital sind nur zwei Beispiele für Maßnahmen, die zur Hochzeit der Verwerfungen allgemein für dringend sinnvoll erachtet wurden und nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Die Bewältigung der großen Krise steht noch am Anfang.
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(SZ vom 05.05.2010/hgn)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Die Griechen wehren sich gegen die EU-Hilfe, selbst wenn es Todesopfer kostet, die Bundesbürger wollen in der Mehrzahl nicht zahlen. Was soll das Ganze also?
Im Übrigen lese man Karl May: "Ein Jude betrügt zehn Christen, ein Grieche zehn Juden,..."
@ersatzreifen
Nicht alles, was Sinn macht und richtig wäre, wird allenthalben auch als sinnvoll und richtig erachtet. Es gibt in der Griechenland Tragödie zwei Gewinner und sehr viele Verlierer. Zum einen gehören zu den Gewinnern die Banken, die Griechenland viel Geld geliehen haben und dies auch weiterhin zu entsprechend hohen Zinsen (dank Rating-Agenturen) tun. Zum anderen ist dies die Kaste der Profiteure in Griechenland, die sich durch ihre Nähe zu einem geschlossenen politisch und wirtschaftlich organisierten Komplex mit Hilfe öffentlicher Gelder stark bereichern konnten und nun weder zur Rechenschaft gezogen noch regresspflichtig gemacht werden. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt an der Besonderheit des griechischen Systems über das in letzter Zeit ja viel berichtet wurde.
Natürlich gibt es bei einem solchen Spiel auch Verlierer - und zwar nicht wenige. Verlierer sind sie zum Teil deswegen, weil es eben kein Moratorium gibt, dass den Schulden- oder wenigstens den Zinsdienst für eine Zeit zur Genesung der Staatsfinanzen aussetzen würde. Die Banken würden ihre Titel ja nicht verlieren, sie müssten sie auch nicht mindern oder gar abschreiben, aber sie müssten eben für eine Zeit auf den Zinsgewinn verzichten. Dies mag den Banken wohl niemand zumuten und daher lässt man lieber den Steuerzahler im Rest Europas sowie den einfachen Bürger in Griechenland im Besonderen bluten und macht sie zu den Leidtragenden eines rigorosen Sparkurses.
Warum fängt man immer beim schwächsten Glied in der Kette an zu sparen und zu fordern? Weil die die wenigsten Mittel haben, sich dagegen zu wehren. Und wenn sie sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren, machen sie sich ganz schnell strafbar. So einfach ist das. Es lebe der Kapitalismus, es lebe die Demokratie.
Lieber Ersatzreifen,
Ja, sie liegen falsch. Des es geht ja nicht um das eine oder das andere, sondern wenn Griechenland aufhoert seine Glaeubiger zu bedienen wird es keine liquiden Mittel mehr auf dem Finanzmarkt mehr finden und schliesslich auch nicht mehr seinen Vertraegen mit seinem Personal nachkommen koennen. Das ist die partialanalytische, mikrooekonomische Betrachtung.
In dem so beliebten "Gesamtheitlichen" kann ich Ihnen keinen Vorwurf machen, dafuer ist das wirtschaftliche Verstaendnis in der Bevoelkerung einfach abgrundtief miserabel. Es ist schade dass die Redaktionen hier wenig mithelfen Sachlichkeit einzubringen. Aber ein innerlich aufgewuehlter Leser klickt einfach haeufiger die Werbelogos auf der Seite hier.
Viel Vergnuegen in Deutschland,
Ihr Oekonom im Usland...
sich engagiert, dann kann dahinter nichts Gutes stehen. Wer kennt denn nicht das Märchen vom Rotkäppchen und Josef ist der Wolf.
Im Zuge der Griechenlandkrise stelle ich mir eine Frage. Um den Konkurs und die daraus resultierende Zahlungsunfähig G. abzuwenden, überweisen die europäischen Staaten in naher Zukunft 120 mrd Euro nach Griechenland. Aber um welche Zahlungsunfähigkeit handelt es sich hier? Geht es darum, dass die Griechen die Löhne ihrer Beamten weiterhin bezahlen können oder darum, dass sie weiter die Zinsen für ihre Auslandsschulden begleichen können. Sollte letzteres der Fall sein, zahlen wir doch im eigentlichen Sinne nicht Griechenland Geld sondern den Gläubiger Banken, damit diese nicht auf ihren Schulden sitzen bleiben. Die Banken hätten also demnach kein Risiko mehr bei der Kreditvergabe. Richtig gedacht oder liege ich völlig daneben?
Sähe eine vernünftiges Sanierungsprogramm nicht wie folgt aus? Man richtet einen Moratorium ein, dass die Griechen über einen gewissen Zeitraum von jeglichen Zinszahlungen entbindet, damit sie das daraus ersparte Geld für die Sanierung des Haushalts verwenden können, welcher unter Aufsicht der EU steht.
Was ich mir da gerade zusammengereimt hat, liest sich fast zu einfach aber macht in meinen Augen Sinn. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.
Paging