Banken am Pranger Wetten gegen den Kunden

Ermittlungen offenbaren ein pervertiertes Finanzsystem: Große Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank, verkauften Papiere, gegen die sie gleichzeitig wetteten.

Ein Kommentar von Harald Freiberger

Was würde passieren, wenn ein Autohändler einem Kunden einen Wagen verkauft und gleichzeitig darauf spekuliert, dass dieser möglichst schnell rostet? Er würde wahrscheinlich schnell von einem Gericht verurteilt, wenn man ihm sein Tun nachweisen kann.

Die neueste Geschichte aus der Bankenwelt klingt ähnlich: Große Investmentbanken, darunter auch die Deutsche Bank, haben professionellen Anlegern wie Versicherungen hochriskante Papiere mit Immobilienkrediten verkauft.

Gleichzeitig wetteten sie in einem anderen Geschäft auf einen Wertverfall eben dieser Papiere. Der Vorwurf, der im Raum steht, ist, dass die Banken wissentlich Ramsch verkauft haben. Schlimmer: Dass sie auch noch davon profitierten, wenn der Ramsch sich als Ramsch entpuppte und sein Preis verfiel. Deswegen haben die US-Aufsichtsbehörden jetzt Ermittlungen aufgenommen.

Noch muss man vorsichtig sein, wenn man die Praxis der Banken beurteilen will. Noch steht nicht fest, ob sie wirklich gegen Regeln verstoßen haben. Es kann sich auch um ein Absicherungsgeschäft handeln, wie sie in der Finanzwelt weit verbreitet sind: Man kauft oder verkauft ein bestimmtes Wertpapier, gleichzeitig macht man ein Gegengeschäft, das einen möglichen Verlust mildert.

Ob die Banken rechtswidrig gehandelt haben, ist noch nicht klar. Was sich aber erneut offenbart, ist ein pervertiertes Finanzsystem. Absicherungsinstrumente wurden einmal erfunden, um einem möglichen Preisverfall realer Produkte wie Schweinehälften vorzubeugen.

Hier aber ist es darum gegangen, ein irreales Geschäft durch ein anderes zu sichern. Die neue Dimension ist, dass man dabei gegen den eigenen Kunden wettet.

Auf der Streckbank der großen Krise

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