Autoversicherung Wo es kracht

Autofahrer aus Bayern verursachen die meisten Blechschäden: Mit dem Wohnort steigt oder sinkt die Versicherungsprämie. Zu Beginn des Herbsts buhlen die Konzerne um Kunden.

Von Alina Fichter

In Kaufbeuren kracht es am häufigsten. Warum, das weiß niemand so genau, aber es ist ein Phänomen: Wenn der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im September seine alljährliche Statistik vorlegt, ist seit einiger Zeit klar, wo in Deutschland die Autofahrer ihre Kfz-Versicherung am stärksten belastet haben: in Kaufbeuren eben.

Wo ist die Autoversicherung teuer, wo ist sie günstig?

(Foto: SZ-Graphik: Michael Mainka)

So ist es auch in diesem Jahr, der Landkreis im Ostallgäu führt die aktuelle Übersicht an, genau wie im letzten Jahr, dicht gefolgt von Passau und Berlin. Das ist bitter für die Einwohner dieser Städte. Die Statistiker des GDV sehen sich nämlich nicht ohne Grund jedes Jahr genau an, wie oft Autofahrer eines bestimmten Landkreises Schäden verursachen und wie teuer diese sind: Sie tun es, um die Regionen bestimmten Klassen zuordnen zu können. In die erste kommen nur Gegenden mit ganz vorsichtigen Autofahrern. Kaufbeuren scheint in der teuersten Stufe fest zustecken: Nummer zwölf.

Egal ob Haftpflicht-, Teil- oder Vollkaskoversicherung: Je höher die Regionalklasse, desto mehr muss ein Fahrzeughalter für seine Policen ausgeben. Am besten kommen die Kreise Elbe-Elster, Mecklenburg-Strelitz und Oberspreewald-Lausitz weg, genau wie im Vorjahr. Neun der zehn günstigsten Regionen liegen in Ostdeutschland, am schlechtesten schneiden Bayerns Autofahrer ab.

"Das Ost-Süd-Gefälle ist kein Zufall", sagt Christian Lübke vom GDV. "In Bayern besitzen beispielsweise deutlich mehr Menschen große Autos als im Rest von Deutschland", da sei selbst ein Blechschaden sehr teuer. Zudem gebe es in Ostdeutschland insgesamt einfach weniger Autos als im Westen. Und noch etwas: Die Straßen dort seien größtenteils in einem besseren Zustand, dadurch würden viele Unfälle vermieden. "Das hat dazu geführt, dass sich die Einstufung von Rügen innerhalb weniger Jahre um sechs Regionalklassen verbesserte", sagt Lübke vom GDV.

Es gibt aber noch eine zweite wichtige Berechnungsgrundlage, auf Basis derer die Unternehmen festlegen, wie hoch die Beiträge im kommenden Jahr sein werden: Die Typklasse des jeweiligen Fahrzeugs. Es kommt also nicht nur darauf an, wo man fährt, sondern auch, mit welchem Auto. Dafür sieht sich der Verband die Schadenshäufigkeit von rund 20.000 Autotypen an. Das Prinzip ist das gleiche: Modelle, deren Fahrer überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt sind, werden in eine höhere Typklasse eingestuft. Solche, deren Besitzer ganz selten Schäden am Fahrzeug haben, die ihre Autoversicherung belasten, in eine niedrige.

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die Einfluss auf die Höhe der Kfz-Prämien haben. Rabatte gibt es beispielsweise für Kunden, die nicht so viele Kilometer fahren oder eine Immobilie besitzen. Auch Autofahrer, die einer bestimmten Berufsgruppe angehören, zahlen weniger. Wer nur Fahrer ans Steuer lässt, die älter sind als 25, kommt auch billiger weg.

In diesem Jahr ändert sich durch eine Umstufung in der Typ- oder Regionalklassen für gut 30 Prozent der zugelassenen Autos die Beitragshöhe. Laut einer Berechnung des Vergleichsportals Check 24 müssen Versicherungsnehmer im ungünstigsten Fall mit Mehrkosten von 200 Euro pro Jahr rechnen.

Die Statistik des GDV ist jedes Jahr der Startschuss für einen Preiskampf, den sich die Autoversicherer liefern. Denn ab Herbst können die Versicherten ihre Kfz-Policen kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Deswegen unterbieten sich die Unternehmen gegenseitig und versuchen auf diese Art, neue Kunden zu gewinnen. Das scheint zu funktionieren: In den vergangenen Jahren wechselten im Herbst jedes Mal ein paar Millionen Autofahrer ihre Police.

Viele Unternehmen hoffen, dass die Kfz-Versicherung nur der erste Schritt ist, durch den die Autofahrer auf den Geschmack kommen - und bald auch andere Produkte aus dem gleichen Hause kaufen. Vor allem solche, die teurer sind, beispielsweise Lebens- oder Hausratsversicherungen. Deswegen kämpfen die Firmen um jeden Kunden.